Interview

Tagsüber Jura-Student, abends Musiker: Wie Txtr seine Songs schreibt

Laura Wallenfels

Txtr ist Singer und Songwriter aus Freiburg. Er hat im vergangenen Jahr über Instagram angefangen, Musik zu machen. fudder hat mit ihm über seine neue Single, seinen Nebenjob als Fallschirmlehrer und Lockdown-Langeweile geredet.

Wofür steht dein Name?

Txtr. ist eigentlich nur eine Abkürzung für "Texter". Ich habe mich dafür entschieden, weil ich mir immer so einen Kopf mache, wenn es um meine Texte geht. Voll oft habe ich das Gefühl, dass alles irgendwie schonmal gesagt wurde. Ich finde die Herausforderung besteht darin, einen Weg zu finden, Dinge auf eine neue Art auszudrücken. Neu zu texten.

Und wie kamst du zur Musik?

Ich habe letztes Jahr um dieselbe Zeit angefangen, meine erste eigene Musik zu veröffentlichen. Meine Freunde waren da so ein bisschen der Auslöser. Die meinten: Junge, jetzt mach doch einfach mal! Angefangen habe ich über Instagram. Die ersten Songs im Kleiderschrank bei einem Kumpel aufgenommen, mit Socke als Popschutz, und hochgeladen. Das kam dann auch ganz gut an. Bei einer Openstage habe ich meinen Produzenten Luka kennengelernt. Da wurde das Ganze schon ein bisschen professioneller. Im Januar hat es dann auch geklappt mit dem ersten eigenen Plattenvertrag bei GardenCactusRecords. Das war echt nochmal ein Big Step für mich.



Du beschreibst deinen Musikstil als Roap. Was genau bedeutet das denn?

Der Name an sich beschreibt es eigentlich auch schon ganz gut. Roap ist ein einfach eine Mischung aus Rap und Pop. Musik, die chillig und entspannt ist und die man hört während man mit seinen Kollegen auf ein Glas Vino im Park chillt. Die Hook ist wichtig, die muss im Kopf bleiben und catchen. In den Strophen kann ich dann all das loswerden, was ich zu sagen habe. Ich versuche mit meinen positiven Texten und Vibes die Gefühle in Bilder zu packen.

Was sind die größten Hürden für dich als Newcomer im Lockdown?

Ich glaube, die Hürden sind eigentlich immer dieselben. Heutzutage ist es schwierig, Reichweite zu bekommen. Klar, jetzt fallen durch den Lockdown natürlich zusätzlich Liveauftritte weg, was super schade ist. Aber ich versuch das positiv zu sehen. Ich habe die Zeit genutzt, die ich daheim rumsaß, und Livestreams auf Instagram gestartet. So konnte ich die vielleicht die Lockdownlangeweile der Leute ein bisschen vertreiben und meine Mukke unters Volk bringen.
"Jeder ist hat irgendwie gar kein Bock mehr, ’Corona fuckt ab’ und man will einfach mal wieder das normale Leben genießen."

Apropos Mukke unters Volk bringen: Wie sieht es denn momentan mit Corona-Konzerten aus?

Ich habe bei einem Livestreamkonzert vom Eimer Music Pub mitgemacht. Interessante Erfahrung! Macht zwar mega Spaß, aber es ist keiner da, der dir zuhört. Du sendest ins nichts, null Feedback. Außer vielleicht vom Tontechniker. Diese Erfahrungen mitzunehmen war cool, aber natürlich nichts im Vergleich zu dem Auftritt vor echtem Publikum. Ich freue mich auch darauf und hoffe, dass es bald wieder in Teilen möglich sein wird.

Du machst nicht nur coole Musik, sondern hast auch einen ziemlich coolen Nebenjob. Erzähl doch mal!

Das kann man so sagen. Neben meinem Jurastudium bin ich als Fallschirmlehrer tätig. Mein Vater war damals bei den Fallschirmjägern. Und als Kind wollte ich dann natürlich immer mal einen Fallschrimsprung machen. Ich habe mich nach dem ersten Sprung dann auch dazu entschieden, die Ausbildung zu machen. Da müsste ich ungefähr vierzehn gewesen sein.



Mit vierzehn? So früh?

Ich habe eine Sondergenehmigung beantragt und das hat alles geklappt. Mit 18 Jahren war ich dann jüngster Fallschirmlehrer und Tandemmaster Deutschlands. Inzwischen bin ich wahrscheinlich bei um die 2000 Sprünge. Jedenfalls einer der coolsten Nebenjobs, die es gibt. Ein Adrenalinkick, den man beim trockenen Jurastudium manchmal gut gebrauchen kann.

Bald wird es auch eine neue Single von dir geben, richtig?

Yes! Die neue Single heißt "Highs and Lows". In dem Song geht es im Prinzip um eine Fernbeziehung. Er scrollt durch seine Bildergalerie und sieht die Fotos und Erinnerungen, die er gemeinsam mit seiner Freundin gesammelt hat. Er wird melancholisch und freut sich darauf, sie endlich wieder zu sehen. Die Idee dazu kam mir, als ich mein Instastories-Archiv durchgeschaut habe. Vor allem die Postings vor der Pandemie. Da schlägt direkt die Melancholie zu. Man vermisst die alte Zeit. Dieses Gefühl hat mich dazu inspiriert. Jeder ist hat irgendwie gar kein Bock mehr, "Corona fuckt ab" und man will einfach mal wieder das normale Leben genießen.

Die Inspiration für deine Texte nimmst du also aus deinem Alltag?

Ja, meistens sammele ich meine Ideen im Alltag. Wenn mir irgendwas Interessantes auffällt, schreibe ich das auf. Mit der Zeit häufen sich da eine ganze Menge Ideen in meinen Handynotes an. Dann beginnt erst der richtige Schreibprozess. Ich wünsche mir, dass meine Texte Authentizität und Realness ausstrahlen. Übertreiben ist natürlich erlaubt, meistens erzählt man in seinen Songs eine Geschichte, die nicht genau so passiert sein muss. Aber ein Fünkchen Wahrheit steckt in meinen Songs immer.

Texte sind mir einfach super wichtig, da lege ich persönlich sehr viel Wert drauf. Das fehlt mir auch im deutschsprachigen Musikraum so ein bisschen. Da wird viel gereimt mit Haus-Maus-Reimen. Dabei ist doch viel mehr drin! Mir macht es Spaß eine Ewigkeit an jedem Wort zu schrauben, bis der Satz endlich steht. Dann bin ich zufrieden.

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