Sturmhauben und Totenköpfe: Genetikk in der Brauerei Ganter

Marius Notter, Florian Forsbach & Johannes Nickel

Schwarze Sturmhauben mit aufgemalten Totenköpfen, mächtige Oldschool-Beats und dreckiger Gangster-Sound: Mit ihrem Album D.N.A landeten die Saarbrücker Rapper letztes Jahr auf Platz eins der deutschen Album-Charts. Am Freitag lieferten sie in der Brauerei Ganter eine Energie-geladene Show ab (mit Fotos von Cyphersucht bei der Aftershowparty).



Die Lichtkegel drehen sich Richtung Bühne und tauchen sie in lila-blaues Licht. Auf einer weißen Leinwand hinter der Bühne erscheint ein rotierendes Universum. Das Bild flackert kurz; zu sehen: eine Frau, der Blut aus den Mundwinkeln rinnt. Dann wieder das Universum.

Karuzo, der Frontmann von Genetikk, rappt aus dem Off "Sikk da Motherfucking Kid" und meint damit seinen Back-up-Rapper und Beat-Producer, der die andere Hälfte des Künstlerduos darstellt. Rizbo, der DJ von Genetikk, schleicht sich hinter seinen Laptop. Ein dumpfer Basston geht durch Mark und Bein. Dann setzt der Beat von "Champions", und zwei maskierte Männer springen auf die Bühne.

Was wie ein Überfallkommando aussehen mag, ist die Verkleidung und das Image der Rapper. Sie treten nie ohne ihre Masken in die Öffentlichkeit, die eine Kreuzung aus Sturmhauben und Voodoo-Totenköpfen sind. Ihre bürgerlichen Identitäten hüten sie streng: Selbst als Karuzo und Sikk noch keine Chart-Platzierungen hatten, bemalten sie sich ihre Gesichter für Videos und Auftritte mit Voodoo-Motiven. Auf der Straße erkannt werden und ein Groupie-Hype ist nicht so ihr Ding, meint Karuzo in einem Interview.

"Hört ihr mich?" - "Yes Sir!"

Ihnen geht es um die Musik. Die Beats sind unglaubliche Ohrwürmer. Wenn ein Genetikk-Track beginnt, nickt der Kopf automatisch mit. Sie haben Oldschool-Charme, französische HipHop-Melodien und amerikanische pumpende Rhythmen. In Kombination mit Karuzos rauher Stimme und seinen bösen Gangster-Texten sprengen Genetikk die Grenzen des deutschen HipHops - auch Live.

Scheinwerfer und Stroboskop verwandeln die Bühne in ein Blitzlichtgewitter, mittendrin rappt Karuzo und bewegt sich und seine massigen Schultern heftig. Er strotzt vor Energie. Das Publikum hebt die Arme hoch und bewegt sie zum Beat auf und ab. Jeder Text wird von der Menge auswendig mitgerappt: "Hört ihr mich?" - "Yes Sir!" - "Seht ihr mich?" - "Yes Sir!"

Der Live-Hit "Yes Sir!" bringt jeden Genetikk-Fan zum ausrasten. Doch es ist kein Konzert, welches Höhen und Tiefen hat. Die Devise scheint zu lauten: Von 0 auf 100 in zehn Sekunden, und dann auf 100 bleiben.

Die Show, die Genetikk abliefert, ist durch und durch HipHop. Keine langen Small-Talk-Reden des Frontmanns, keine Band. DJ, Rapper, Back-up, mächtiger Sound aus den hängenden Boxen - mehr braucht es nicht.

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Fotos: Florian Forsbach & Johannes Nickel (Aftershowparty mit Cyphersucht)

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