fudder-Serie

Studierende machen Theater: Mundwerk inszeniert gern mit politischem Bezug

Anika Maldacker

Die Bühne ruft: In Freiburg gibt es mehrere studentische Theatergruppen. Dort kann jeder Studierende vorsprechen und aktiv werden. fudder stellt Fragen, die Gruppe antwortet. Folge 6: Mundwerk.

Wann und wie wurde eure Theatergruppe gegründet?

Gegründet wurde die Gruppe schon im Oktober 2015 unter dem Namen Tapetenwechsel unter der Leitung von Katti Geighart. Unter neuer Regie benannten wir uns 2019 in Mundwerk um.

Wieso heißt ihr, wie ihr heißt?

Weil das das beste Wortspiel war, das uns eingefallen ist?! :D

Wir haben uns damals viel Zeit genommen und viele Vorschläge berücksichtigt, am Ende waren noch "Hieb- & Spielfest" und "MundWerk" im Rennen. Die leicht peinlichen Wortspiele haben wir als kulturelle Pflicht erkannt und uns schließlich dazu entschieden lieber mit Zahnarztpraxen und Lyrik-Gruppen, denn mit Schmieden und Fechtvereinen verwechselt zu werden.
Studierende machen Theater

In Freiburg gibt es einige studentische Theatergruppen. Dort kann jeder Studierende vorsprechen und aktiv werden. fudder stellt die Gruppen in einer Serie vor.

Überblick: Alle Teile von fudders Studi-Theater-Serie auf einen Blick

Was unterscheidet euch von anderen Theatergruppen?

Unser Profil schärft sich erstens über den vermehrten Einsatz von körperzentrierten Spielweisen in Gruppen. Das ist das Erbe Kattie Geigharts, die bei ihrem eigenen Schauspielstudium ihren Schwerpunkt auf Körpertheater gelegt hatte. Das heißt: Alle auf die Bühne, eure Körper sind die Atmosphäre des Szene. Techniken dazu sind oft entlehnt aus der Comedia dell’Arte, also der eher jahrmärktlerischen Berufsschauspielkunst des 16. bis 18. Jahrhunderts in Italien. Und Gesang, das Spiel mit Masken, Tanz sowie die epische Erzählweise Brechts haben wir in der letzten Produktionen eingesetzt.

Unser zweiter Schwerpunkt ist, dass wir im Bezug auf Medien stets Neues ausprobieren. In den vergangenen Jahren hat sich die Technik-Crew stark vergrößert und die Bühne war an allen Ecken verkabelt. Wie man technische Mittel geschickt in die Inszenierung einbinden oder mit ihnen die Inszenierung unterstützen kann, ist das sich weiterentwickelnde Feld. Unser letztes Projekt haben wir wegen der Pandemie komplett aufgezeichnet.

Dazu kommt ein politischer Schwerpunkt. Wir haben den Anspruch, dass in den Inszenierungen die politischen Zusammenhänge einen Fokus erlangen, der Zuschauerinnen und Zuschauer zum Nachdenken und Handeln in politisch-gesellschaftlich relevanten Kontexten verführen kann. In jedem Stück wird ein politisch relevanter Stoff behandelt – den Gegenwartsbezug machen wir ansprechend kenntlich.

Wie viele sind bei euch dabei und wie organisiert ihr euch?

Die Anzahl der Beteiligten schwankt von Projekt zu Projekt. Schauspielende gibt es zwischen neun und 17, in der Crew sind zwischen fünf und 15. Am meisten Beteiligte waren bei Leonce und Lena mit elf Schauspielenden und 15 Crew-Mitgliedern.
Das Organisieren ist bei Personen der Freigeisterei immer eine Herausforderung. Seit zwei Jahren haben wir unsere Hauptkommunikation in einen Slack-Workspace verlagert. Das wird natürlich durch Messenger-Kommunikation unterfüttert und persönliche Kontakte sind unerlässlich. Dazu sind wir auch ein gemeinnütziger Verein, dessen Jahresversammlung uns auch außerhalb der Projektphasen zusammenführt.

Welches Stück wollt ihr als nächstes inszenieren und wann soll es aufgeführt werden?

Das ist gerade noch völlig offen.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise bisher auf euch gehabt?

Zoom-Proben, Spaß und Tatendrang trotz Quarantäne, Tonstudio im Kleiderschrank.

Was ist euch bei Inszenierungen wichtig?

Das ist allgemein schwer zu sagen. Es kommt immer auf das Projekt an. Vielleicht häufig ein Gegenwartsbezug, politischer oder gesellschaftlicher Art.

Welches Stück habt ihr zuletzt aufgeführt?

"1608 - Fragmente der Ortlosigkeit" als Corona-Projekt, davor haben wir "Leonce und Lena" aufgeführt, beides war 2020.

Wer kann bei euch mitmachen und wie?

Wenn man sich rechtzeitig meldet und Motivation mitbringt, hat man sehr gut Chancen dabei zu sein. Ansonsten sollte man studieren und hoffen, dass nicht zu viele andere auch mitmachen wollen.

Wie verteilt ihr die Aufgaben im Team?

Wer sich zuletzt duckt, hat den Job. Nein Spaß, teilweise demokratisch, teilweise entscheidet die Regie.
Info:

Wer bei Mundwerk mitmachen mag, kann sich per Mail unter kontakt@mundwerk-theaterkollektiv.de melden.