Corona School

Studierende geben Schülern kostenlose Online-Nachhilfe – auch in Freiburg

Gina Kutkat

Während die einen noch über die zuletzt geschlossenen Schulen jammern, haben andere eine eigene gegründet: Die Corona School vernetzt online Schüler mit Studierenden. In Freiburg werden noch Teilnehmer gesucht.

Wenn Nico* mit seinem Latein am Ende ist, ist seine Nachhilfelehrerin nur einen Klick entfernt. Zwei Mal pro Woche trifft sich der Schüler für eine Stunde auf Zoom mit Studentin Caterina Schorer. Und dann wird von Bildschirm zu Bildschirm konjugiert, übersetzt und gesprochen – etwas, das während der coronabedingten Schulschließung bei Nico zu kurz gekommen ist.


"Ich wollte in der Krise gerne helfen und meine Talente einsetzen." Caterina Schorer
Der Schüler aus Hannover und die Studentin aus Freiburg haben sich durch die Corona School gefunden, eine digitale Plattform, die Schüler und Studierende durch kostenlosen Nachhilfeunterricht verbindet. Sie wurde – der Name sagt es schon – während der Corona-Krise gegründet, als das öffentliche Leben so gut wie stillgelegt war.

"Ich wollte in der Krise gerne helfen und meine Talente einsetzen", erklärt die 23-jährige Caterina Schorer ihre Motivation. Und die braucht man schon, wenn man bei der Corona School mitmachen will – das Konzept basiert auf Eigeninitiative. Über einen Aufruf fand Caterina das Projekt, das im März in Bonn von Mathematikstudent Tobias Bork und drei Freunden gegründet wurde. Unbürokratisch, schnell und kostenlos, das ist der Ansatz der Online-Nachhilfeschule.

200 Studierende aus Freiburg dabei

Von Bonn aus hat sich das Projekt wie ein Lauffeuer über Deutschland ausgebreitet: Drei Monate nach Gründung sind 12.500 Schülerinnen und Schüler sowie 9.500 Studierende registriert. Im Raum Freiburg sind aktuell rund 200 Studierende verzeichnet: Die meisten studieren an der Albert-Ludwigs-Universität oder der PH, aber auch einige KH- und EH-Studierende sind darunter. "Wir suchen dringend noch mehr, die mitmachen", sagt Caterina Schorer.

Sie ist eine von vier Campus Representatives in Freiburg, also dafür zuständig, das Projekt bekannter zu machen. "Aktuell gibt es mehr Schüler, die Hilfe brauchen als Studierende, die ihre Fächer anbieten." Voraussetzung, um sich als Student in der Datenbank registrieren zu können? An einer Uni eingeschrieben, verantwortungsbewusst und zuverlässig sein und Spaß daran haben, Inhalte zu vermitteln.
Corona School

Die Gründer der Corona School verbinden Studierende, die sich sozial engagieren wollen, mit Schülerinnen und Schülern per Video-Chat. Beide Seiten können sich online unter corona-school.de registrieren und bekommen dann ein Match zugeteilt. Der Unterricht dauert in der Regel eine Stunde pro Woche und ist kostenlos. Die Corona School hat kürzlich den digital.engangiert-Preis von Amazon und Stifterverband verliehen bekommen, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Außerdem wird das Projekt von zahlreichen Stiftungen und auch dem Hackathon unterstützt.

"In einem zehnminütigen Vorstellungsgespräch wurde ich gebrieft und als pädagogisch geeignet eingestuft", berichtet Caterina Schorer von ihrer Bewerbung. Die gebürtige Freiburgerin studiert Altertumswissenschaften auf Bachelor an der Albert-Ludwigs-Universität, in der Corona School bietet sie Latein und Altgriechisch an. Besonders gefragt seien jedoch Fächer wie Mathe, Englisch und Deutsch, so Caterina. "Mir wurde kurz darauf ein Match zugeteilt und seitdem arbeite ich selbstständig."

Soziales Engagement über die Corona-Krise hinaus

Von den Lehrmitteln über die pädagogischen Techniken bis zur Nachbearbeitung: Wie Caterina eine Unterrichtsstunde gestaltet, steht ihr frei. Für ihren Lernpartner besteht die Möglichkeit, Feedback in Form eines Fragebogens abzugeben. "Aber es läuft super", so Caterina. In den vergangenen Wochen hat sie Selbstbewusstsein gewonnen und etwas für sich herausgefunden: "Unterrichten macht mir Spaß, ich möchte das später gerne beruflich machen."

Für Lehramtsstudierende gibt es noch ein Extra-Angebot: Sie können online Pflichtpraktika durchführen, die sie durch die Ausgangsbeschränkungen nicht wahrnehmen konnten. Die Corona School sucht aber nicht nur zukünftige Lehrer, sondern alle, die sich sozial engagieren möchten – auch über die Krise hinaus. Zwar waren Schülerinnen und Schüler besonders während der Schulschließungen auf Hilfe angewiesen, aber auch nach Corona kann das Projekt Bestand haben. Geplant sind AG’s in den Sommerferien und eine Kooperation mit der Initiative Arbeiterkind, die sich für Schüler einsetzt, die aus Nicht-Akademiker-Familien stammen.

*Name von der Redaktion geändert Mehr zum Thema: