Streetart-Check: Sare im Kurzporträt

Bernhard Amelung

"Ein gewisses Maß an 'Geschmiere' ist in einer Stadt unvermeidbar und macht diese sogar erst belebt und interessant". Das sagt die Künstlerin Sare, deren Werke vor allem in Freiburg und Frankfurt, aber auch in Amsterdam und Groningen zu sehen sind. Wie sie arbeitet und welche Themen sie besonders beschäftigen:



Wann hast du mit Streetart angefangen?

Ich habe Ende 2013 angefangen zu Sprühen.

Woher kommt dein Interesse für diese Kunstform?

Ich finde es spannend, im öffentlichen Raum zu arbeiten. Meist bekommt man eine sehr unmittelbare Rückmeldung für das, was man tut. Außerdem muss man improvisieren können und natürlich nimmt man immer ein Stück von dem Ort, an dem man malt, in seinem Bild mit auf. Die daraus entstehende Eigendynamik birgt für mich sehr viel mehr Potential als die Arbeit im Atelier, die natürlich auch dazu gehört, aber vergleichsweise geschützt und isoliert geschieht. Außerdem mag ich das Gemeinschaftliche am Sprühen sehr. Häufig malt man ja auch zu mehreren ein gemeinsames Bild oder eine Wand.

Wie arbeitest du?

Mit Streichfarbe und Sprühdose. Mit der Streichfarbe grundiere ich und male mein Motiv grob vor, mit der Sprühdose setze ich dann Schattierungen und arbeite die Details aus.

Welche Themen beschäftigen dich in deiner Arbeit ganz besonders?

Meine Bilder haben eigentlich selten eine direkte Aussage. Ich finde, dass man damit schnell Gefahr läuft, das es zu flach und plakativ wird. Ich lasse lieber Freiraum zur Assoziation. Ein Thema, mit dem ich mich gerne beschäftige, ist das Vergängliche. Zum Beispiel male ich häufig Gesichter, aus deren Augen diese Fäden wachsen. Das Mädchen mit dem Puste-fix pustet auch keine Seifenblasen sondern Fliegen, die man mit Verfall Assoziieren könnte.

Von wem oder was lässt du dich inspirieren?

Ich glaube das Inspiration eher unterbewusst stattfindet. Ich versuche möglichst viele Eindrücke zu sammeln, indem ich mir viel anschaue.

Was bedeutet dein Pseudonym?

Ich habe mein Pseudonym "Sare" eigentlich gewählt, ohne eine bestimmte Bedeutung dafür zu haben. Allerdings habe ich kürzlich erfahren, dass "Sare" auf rumänisch "Salz" bedeutet.

Street Art ist Geschmiere. Wie stehst du zu dieser Behauptung?

Dem würde ich widersprechen. Zum einen ist meiner Meinung nach ein gewisses Maß an "Geschmiere" in einer Stadt unvermeidbar und macht diese sogar erst belebt und interessant. Zum anderen bin ich der Meinung, dass Kunst als solche Anstoß nehmen muss und eine Komponente des Destruktiven, Rohen und auch Hässlichen braucht, um zu funktionieren. Kunst die einzig dem Zweck dient, schön auszusehen, würde ich eher im Bereich der Dekoration verorten.

Interessant finde ich unter diesem Aspekt auch, dass Street Art als solche mittlerweile in hohem Maße kommerziell genutzt wird. Zum Beispiel in der Werbung, um dem Konsumenten ein urbanes, subkulturelles Feeling zu suggerieren. Man fährt Trittbrett an etwas, dass dem eigentlich Beworbenen sehr fern, nicht kommerziell, häufig eher konsumkritisch ist.

Absurd, dass Straßenkunst in diesem Kontext so häufig verwendet wird. Scheinbar funktioniert sie recht gut, um ein gewisses Lebensgefühl darzustellen. Eigentlich sollte man ja das Gegenteil vermuten, ruft sie doch bei vielen Menschen Ablehnung und ein Gefühl des Schmutzigen hervor. Ich finde das hat eine Doppelmoral, man schimpft über das "Geschmiere", verkennt somit die Herkunft von Street Art beziehungsweise Graffiti und duldet es nur in sauberem, nicht mehr rebellischem Rahmen, wo es seinen eigentlichen Geist verloren hat.

Welchen regionalen Street Art-Künstler sollte man unbedingt kennen?

Man sollte einfach mit offenen Augen durch die Stadt gehen.

Der Streetart-Check

Graffiti unter Brücken, Stencils, Sticker und Pasteups auf Hauswänden oder Stromkästen, Bilder mit humorvollen oder politischen Aussagen: Täglich begegnet man in Freiburg bunter Straßenkunst. Wer sind ihre Schöpfer? Wie arbeiten sie? Von wem lassen sie sich beeinflussen? Antworten auf diese Fragen gibt die Serie Streetart-Check. Du bist Graffiti- oder Streetart-Künstler und möchtest Teil dieser Serie sein? Schreibe uns an info@fudder.de.

Mehr dazu:

  • fudder: Streetart-Check: Beat im Kurzporträt

Fotos: Sare

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