Streetart-Check: Loki im Kurzportrait

Bernhard Amelung

Wer in Freiburg nicht ganz blind durch die Straßen läuft, ist ihm bestimmt schon einmal begegnet: dem Blues-Spieler, der seine Gitarre zum Spielen auf den Schoß legt. Gestaltet hat diese Schablonenkunst der Freiburger Künstler Loki. Was sein Pseudonym bedeutet und von wem er sich inspirieren lässt:



Wann hast du mit Street Art angefangen?

Loki: Begonnen hab ich vor fünf Jahren als ich nach Freiburg gezogen bin. Ich war damals viel unterwegs und habe NestDafoe kennen gelernt, der mir diese Kunstform nahe gebracht hat. Riesen Dank an ihn an dieser Stelle.

Woher kommt dein Interesse für diese Kunstform?

Ich war schon immer künstlerisch tätig, doch anfangs habe ich viel Musik gemacht und Texte geschrieben. Ich habe mir das Gitarre spielen selbst beigebracht, um meine Texte und Gedichte zu vertonen. Damit war ich aber nicht wirklich erfolgreich. Gezeichnet habe ich auch schon gefühlt immer, und kunstinteressiert war ich schon mein Leben lang.

In Freiburg hat sich dann das mit der Musik erledigt, und so brauchte ich etwas Neues, um mich auszudrücken. Kurz darauf entstand der Kontakt zu NestDafoe und Orange aus Freiburg. Ich habe mich mit Streetart auseinander gesetzt. Als ich dann etwas im Thema war, war es um mich geschehen.

Wie arbeitest du?

Hauptsächlich arbeite ich mit Stencils, also Schablonen in sämtlichen Formen. Dazu gehören auch Pasteups oder Sticker. Wobei ich da etwas anscheinend recht Neues weiter entwickelt habe. Das allerdings taugt nicht wirklich für die Straße. Es sind meine 3D-Holz-Stencil-Bilder. Die sind eher für innen. Ebenso male ich auch einige Sachen von Hand mit Acrylfarben auf Papier für Pasteups, wenn ich ein Motiv nur ein- bis zweimal machen möchte. Da ist mir die Arbeit für eine Stencil bzw Multi-Layer-Stencil zu viel.

Welche Themen beschäftigen dich in deiner Arbeit ganz besonders?

Thematisch bin ich da eher offen und verarbeite Motive, die mir einfach gefallen. All zu politische Sachen möchte ich gar nicht machen, da ich jedem seine eigene Meinung gönne und niemandem etwas aufdrücken möchte. Meine Kunst geht eher in die Richtung von Portraits, Gesichtern von Frauen, aber auch sehr gerne Musiker. So zum Beispiel Motive wie meinen stehenden Blues-Spieler.

Von wem oder wovon lässt du dich inspirieren?

Inspiration erfahre ich durch fast alles und jeden. Ich lasse die Ideen über mich kommen. Überkommt mich eine Motiv-Idee nachts um drei Uhr, stehe ich auf und notiere sie wirklich fix, oder ich skizziere sie. Ansonsten ist sie wieder weg. Die größte Inspiration in meinem Leben ist seit zwei Jahren jedoch definitiv meine Freundin. Sie unterstützt mich in all meinen Ideen und Konzepten voll und ganz. Sie lässt mich auch nachts einfach mal los ziehen, damit ich meine Kunst verbreiten kann. Und tagsüber lässt sie mich los ziehen, damit ich mich mit den anderen Künstlern treffen oder ins Atelier gehen kann. Sie verdient den größten Dank von allen.

Was bedeutet dein Pseudonym?

Mein Pseudonym kommt vom nordischen Gott Loki, also der "Bad Guy" der nordischen Mythologie. Obwohl, so übel ist er gar nicht. Er ist zwar nicht immer ganz ganz korrekt und ehrlich, anerkennt schlussendlich doch sich dann für seinen Bruder und Familie aufopfert. Siehe Marvel Thor 2.

"Street Art ist Geschmiere." Wie stehst du zu dieser Behauptung?

Das stimmt zu 1000 Prozent nicht! Klar, es gibt schon auch schlecht gemachte Sachen, aber selbst die haben ja irgendjemanden beschäftigt und motiviert, etwas zu tun, um sich aus zu drücken. Außerdem finde ich eine "bunte" Stadt hundertmal schöner als nur graue Häuser. Was ich nicht wirklich gut finde, ist, wenn etwas auf historische Gebäude gesprayt ist. Das muss nicht sein, da es genug anderer Plätze gibt.

Ich spraye selber gar nicht. Das liegt daran, dass ich es einfach nicht kann. Aber schöne Stylez oder Bilder gefallen mir ebenso wie Pasteups oder auch Aufkleber. Es gibt so viele tolle Sachen in kleinem Format die, wenn man sie sieht, einem ein Lächeln abringen und den Tag verschönern können. Zum Beispiel Lilos Monsterchen.

Welchen Street Art-Künstler sollte man unbedingt kennen?

Das sind Ketauu, Lilo, NestDafoe, Tom Brane, Orange und Arti, der relativ neu in Freiburg ist. Als Ketauu nach Freiburg kam und seine Fließen mit lachenden Jungen in der Stadt verteilt hat, haben sie mir stets ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das tun sie heute noch, obschon wir inzwischen zusammen arbeiten und sie überall zu finden sind.

Der Streetart-Check

Graffiti unter Brücken, Stencils, Sticker und Pasteups auf Hauswänden oder Stromkästen, Bilder mit humorvollen oder politischen Aussagen: Täglich begegnet man in Freiburg bunter Straßenkunst. Wer sind ihre Schöpfer? Wie arbeiten sie? Von wem lassen sie sich beeinflussen? Antworten auf diese Fragen gibt die Serie Streetart-Check. Du bist Graffiti- oder Streetart-Künstler und möchtest Teil dieser Serie sein? Schreibe uns an info@fudder.de.

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Fotos: Loki



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