Streetart-Check: Fred Naujoks im Kurzporträt

Bernhard Amelung

"Die Straße ist eine ewig füllbare Leinwand", sagt der Freiburger Künstler Fred Naujoks. Wie hat er zur Graffitikunst gefunden? Wie arbeitet er? Welche Themen beschäftigen ihn? Antworten gibt er im Kurz-Interview.



Wann hast du mit Street Art angefangen?

2010 ist mir klargeworden, was mit der Sprühdose alles möglich ist. Ich musste dieses Medium für mich perfektionieren und das Beste rausholen. Mit diesem Drang fing alles an.

Woher kommt dein Interesse für diese Kunstform?

Von klein auf wollte ich Graffitimaler sein. Allerdings erkannte ich irgendwann, dass meine Stärke definitiv nicht im Malen von Styles lag.Nach einer künstlerischen Pause beschloss ich eine andere Art Kunst an Wände zu malen. Die Möglichkeiten sind ja schließlich grenzenlos, somit kann man sich jeden Tag neu erfinden. Ganz ohne Regeln. Also lag es auf der Hand, den Jugendtraum mit der jetzigen Stilrichtung zu verbinden.

Wie arbeitest du?

Nackt und laut klassische Musik hörend! Nein, eigentlich habe ich keine festen Rituale. Leinwände male ich mal mit Musik, mal ruhig. Mal schaue ich eine Serie nebenbei oder höre ein Hörbuch. In der Regel arbeite ich an mehreren Projekte zeitgleich und male in Etappen. Draußen gebe ich Vollgas und brauche Musik oder gute Gespräche.

Welche Themen beschäftigen dich in deiner Arbeit ganz besonders?

Ich verarbeite Erlebnisse jeglicher Art in meinen Bildern. Dazu gehört definitiv das Leben in dieser schmerzvollen Welt. Wo man hinschaut ist Nächstenliebe ein ausgestorbener Begriff. Genauso möchte ich aber auch das noch Positive und Schöne zum Ausdruck Bringen. Also würde ich sagen, male ich das Leben wie ich es sehe.

Von wem oder was lässt du dich inspirieren?

Die Natur ist meine Muse. Ich betrachte alles Natürliche als Perfektion. Sie ist schön, ästhetisch, vielseitig. Ich bin oft geflasht, wie detailreich und ausgeklügelt die Natur ist. Auch wie imposant sie in ihrer enormen Größe und Macht sein kann.

Was bedeutet dein Pseudonym?

An sich ein Relikt aus der Zeit meiner ersten Gehversuche des Graffitimalens. Jetzt male ich eigentlich mehr unter meinem richtigen Namen und behalte JC als Teil von mir bei. Eine Bedeutung hat er aber nicht.

Street Art ist Geschmiere. Wie stehst du zu dieser Behauptung?

Kunst, wenn nicht gar alles, polarisiert. Dem einem schmeckt's, dem anderen nicht. Die Straße lässt Niveauunterschiede und verschiedenste Stile zu. Es ist eine ewig füllbare Leinwand. Ich für meinen Teil finde, dass es eine Bereicherung und ein Abschnitt unserer Geschichte ist. Und dazu muss es nicht einmal allen gefallen.

Welchen (regionalen) Street Art-Künstler sollte man unbedingt kennen?

Vesod Brero aus Italien beeindruckt mich seit Jahren. Ich kann mir gut vorstellen, dass er generell einer der Größten wird. Momentan auch zu sehen in der Collab Gallery.

Der Streetart-Check

Graffiti unter Brücken, Stencils, Sticker und Pasteups auf Hauswänden oder Stromkästen, Bilder mit humorvollen oder politischen Aussagen: Täglich begegnet man in Freiburg bunter Straßenkunst. Wer sind ihre Schöpfer? Wie arbeiten sie? Von wem lassen sie sich beeinflussen? Antworten auf diese Fragen gibt die Serie Streetart-Check. Du bist Graffiti- oder Streetart-Künstler und möchtest Teil dieser Serie sein? Schreibe uns an info@fudder.de.

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Fotos: Fred Naujoks



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