Kunst

Streamingdienste bringen der Freiburger Kulturszene fast 44.000 Euro

Anika Maldacker

Die Freiburger Live-Streaming-Plattformen "United we Stream" und "infreiburgzuhause" haben fast 70 Live-Streams veranstaltet. Doch ein Projekt hört nun auf – auch weil die Spenden zu gering waren.

Live-Konzerte aus der Kneipe, DJ-Sets aus dem Club: Mit der Corona-Pandemie kamen die Streams. Auch in Freiburg gibt es zwei Projekte, die unterschiedlich funktionieren. Auf der einen Seite das kulturell breit aufgestellte Projekt "infreiburgzuhause", auf der anderen die Initiative "United we Stream Upper Rhine", die DJ- und kleine Konzertauftritte streamt. Fast 44.000 Euro freiwillige Spenden haben die beiden Initiativen zusammen bisher eingeholt. Das Geld ist für die gebeutelte Kultur- und Veranstaltungsbranche gedacht. Beide Live-Streaming-Plattformen senden regelmäßig seit Mai. Nun, ein halbes Jahr nach Beginn, ziehen sie ein unterschiedliches Fazit.


Personeller Aufwand zu hoch um Weiterzumachen

Während die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, die FWTM und das Kulturaggregat für "infreiburgzuhause" weitere Sponsoren aufgetrieben haben, beendet "United we Stream Upper Rhine" das Projekt Ende November. "Personell ist das für uns in der Form nicht mehr zu stemmen", sagt Simon Waldenspuhl, der Teil des ehrenamtlichen Teams ist. Auch weil die Spenden von Zuschauern mit 1900 Euro deutlich geringer ausfielen, als gedacht, hat das Team beschlossen, aufzuhören. Im Schnitt waren das 67 Euro Spenden pro Stream. Insgesamt wurde aus 23 Bars oder Clubs 28 Streams gesendet. Spielstätten konnten sich bewerben oder wurden vom Team angefragt. Der Fokus lag dabei auf Freiburg, aber auch aus Kehl, Offenburg und Basel wurde gesendet. Das Projekt gibt es übrigens auch in anderen Ländern und Städten. "Eines der Highlights war das Konzert des Freiburger Barockorchesters aus dem Slow Club oder die Labelnight aus dem ZKM Karlsruhe, die auch über Arte gezeigt wurde", so Waldenspuhl. Durch Zuschüsse vom Berliner Projektableger, dem Freiburger Kulturamt, der FWTM und anderen Sponsoren hat sich der Betrag auf 18.673 Euro erhöht. Nach Abzug der Unkosten von rund 10.600 Euro für Technik, Gema oder Website bleiben 7100 Euro, die an die beteiligten Clubs verteilt werden. Vermutlich, so schätzt Waldenspuhl, wären das 300 bis 350 Euro pro Spielstätte.

Bei "infreiburgzuhause" sind bisher 24.770 Euro an freiwilligen Beiträgen zusammengekommen. Rund 14.000 Euro davon gehen direkt an beteiligte Spielstätten und Künstler. Der Rest, insgesamt rund 11.000 Euro, landet in einem Fördertopf, mit dem weitere Streams finanziert werden. Insgesamt 40 Veranstaltungen wurden gestreamt und sind dort weiter abrufbar. "Bisher hat der BZ Singalong mit Cécile Verny im Jazzhaus die meisten Spenden eingebracht", erklärt Thomas Walz, der das Projekt bei der Sparkasse betreut. 3040 Euro kamen dabei zusammen. Eine Lesung von Kulturwissenschaftlerin Oliwia Hälterlein über sexuelle Aufklärung brachte zwar nur 220 Euro Spenden ein. "Mit fast 30 Minuten hatte dieser Stream aber die höchste durchschnittliche Verweildauer", sagt Walz.

Bei dem Projekt können sich Spielstätten auf eine Förderung mit einem Konzept bewerben. Im Vorfeld erhalten sie eine Anschubfinanzierung von 2000 bis 3000 Euro, je nach Kapazität der Spielstätte. Das Geld, das dann bis 48 Stunden nach dem Streaming-Ereignis zusammenkommt, geht zu 60 Prozent an die Spielstätte sowie die Künstlerinnen und Künstler und zu 40 Prozent in den Fördertopf für weitere Termine.

Knapp 20 Streams sind in Planung

In den Topf zur Anschubfinanzierung spendete neben der Sparkasse auch die FWTM, der SC Freiburg oder der Rotary Club Freiburg. Zuletzt flossen laut Walz 25.000 Euro zusätzlich von der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, sowie 15.000 von Lexware. "Damit können wir rund 15 bis 18 weitere Veranstaltungen finanzieren", sagt Walz. Fünf Events sind schon geplant, genug Bewerbungen gäbe es noch. Inzwischen werden nicht mehr nur Konzerte gestreamt, sondern auch Tanzveranstaltungen, Diskussionen oder Lesungen. "Wir machen weiter, solange es Sponsoren gibt", sagt Walz.