Stefan Strumbel: Arbeiten auf Heimatdroge

Oliver Rath

Stefan Strumbel, 29, gehört zu den Shooting Stars der regionalen Kunstszene. In Freiburg kennt man ihn vor allem wegen seiner Innengestaltung des Grünhofs - inzwischen sind seine Werke vielerorts gefragt, John McEnroe und Hubert Burda etwa gehören zu Strumbels Kunden. Uns gab der Offenburger die seltene Gelegenheit, ihn in seinem Atelier zu interviewen (mit Foto-Galerie).



Stefan, hast du Kunst studiert?

Nein, mein Studium war seit Anfang der 1990er Jahre Graffiti. Dadurch bin ich zur Kunst gestoßen.

Künstler in deiner Familie?

Mein Onkel war ein bekannter Künstler. Er war damals in Karlsruhe zu den Anfängen der Pop Art sehr aktiv, bis er recht früh verstarb.

Hat sich deine Kunst in den vergangenen Jahren verändert?

Definitiv. Früher war ich total auf Graffiti, also auf klassisches Writing ausgelegt. Irgendwann hat sich das aber alles gewandelt. Ich habe viel auf Leinwand gemalt, viele Objekte gemacht und so bin ich irgendwie in den Beruf gerutscht. Ich konnte mir ein Leben ohne Malen und Kunst nicht mehr vorstellen.



Wie schnell ist dir das klar geworden?

Das war ein Entwicklungsprozess. Ich wollte mich einfach verändern. Ich wurde damals auch erwischt beim Sprühen, es gab auch Probleme mit dem Staat.



Hast du auch Züge bemalt?

Ja. Ich bin 1996 das erste Mal am Zug erwischt worden.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Kuckucksuhren zu kreieren?

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, um ein perfektes Objekt zu erstellen, bei dem auch gleich ersichtlich wird, welchen Background ich habe. Wo ich herkomme. Somit war die Kuckucksuhr das perfekte Medium für eine ganz individuelle Geschichte. Das war mir wichtig. Viel zu viele streben nach Metropolen, orientieren sich danach und finden nichts mehr eigenes.

Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat verbinden viele mit Schwarzwald und Idylle. Dabei hat Heimat damit gar nichts zu tun. Heimat ist eigentlich die Beziehung zwischen Mensch und Raum, unabhängig von Ort und Zeit. Ein Ort, an dem man sich wohlfühlt. Bloß weil in St. Peter der erste Heimatfilm gedreht wurde, verbindet man Heimat auch mit den Bollenhüten. Aber jeder Mensch strebt nach Heimat. Das finde ich spannend.



Wieviel kostet deine Kunst?

Natürlich habe ich Arbeiten in Galerien, die sehr teuer sind. Aber der Kunstmarkt handelt dich wie eine Aktie. Mir ist immer ganz wichtig, dass ich auch Kunst mache, die sich jeder leisten kann. Ich arbeite gerade auch mit Smash aus Basel zusammen, an Siebdrucken für den kleinen Geldbeutel. Es ist nun mal eine junge Kunst, die auch junge Leute ansprechen soll. Das fängt beim Stickerpack an, über eine Holzschnitzerei für 15 Euro bis zur Leinwand für 4000 Euro.

Wie setzt du dein Bild auf Leinwand um?

Ich mache zum Beispiel aus Fotografie eine Grafik, drucke sie und sprühe dann drüber. Mir ist wichtig, dass die Farbe sehr grell ist und leuchtet. Aber am wichtigsten ist mir die Idee dahinter.

Wie lange hält dieses Material?

Ich bekomme vom Hersteller zehn Jahre Lichtechtheit, aber ich kann dir das im Grunde erst in 10 Jahren beantworten.



Gibt es Bilder und Motive, bei denen du nicht sicher bist, ob du sie veröffentlichen sollst?

Ja. Ich habe eine Serie, die nennt sich „Heimatdroge“, weil ich der Meinung bin, dass Heimat die stärkste Droge der Welt ist. Jeder von uns strebt danach und ist ein Junkie. Ich habe die typischen Trachtenfrauen gemalt, die sich Kokain ziehen, die sich Heimat spritzen. Da sind auf jeden Fall Bilder oder Emotionen dabei, die sehr schwierig sind.

Kommst du mit deinem Erfolg zurecht?

Warum? Nur weil ich jetzt bei Fudder bin?

Wo kann man sich deine Ausstellungen ansehen?

Exklusiv bei der Galerie Springmann in Freiburg, ansonsten in der Carhartt Galerie, in Heidelberg, Berlin, Colorado, New York.

Du scheinst viel zu arbeiten.

Ich arbeite von morgens bis abends. Für viele steckt hinter Kunst nichts dahinter. Aber es macht auch den Erfolg aus, dass man dahinter steht und dafür arbeitet. Man ist ja auch sein eigenes Produkt, das auch glücklicherweise durch Galleristen gut vermarktet wird.



Dein Credo?

Jeder, der gut ist, macht seinen Weg. Ich habe auch nicht gedacht, dass ich irgendwann mal nur davon leben kann.

Stefan, danke für das Gespräch.


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Foto-Galerie: Oliver Rath

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