"StayInn": Das neue Hostel im Stühlinger

Maria-Xenia Hardt

Das "StayInn Freiburg" empfängt seit einigen Wochen im Stühlinger Gäste aller Art: Backpacker, Reisegruppen mittleren Alters, Ersti-Eltern und wohnungslose Studenten finden hier Unterschlupf. Irgendwo zwischen Hostel, Gästehaus, günstigem Hotel und Übergangslösung soll sich das StayInn auf dem Freiburger Übernachtungsmarkt etablieren. Ein Besuch.



Das Schild am Eingang ist noch provisorisch: Ein laminierter Ausdruck, mit Klebeband an der Hauswand befestigt, weist darauf hin, dass hier das StayInn zu finden ist. Im zweiten Stockwerk, direkt über den Goethe-Institut, haben Dominik Haury und Jennifer Wagner eine Herberge eröffnet, deren Angebot sich nicht richtig an eine bestimmte Zielgruppe, aber ein bisschen an alle richtet.

„Wir wollten eine günstige, zentral gelegene Übernachtungsmöglichkeit für sowohl jüngere als auch ältere Leute in Freiburg schaffen“, sagt Haury, der mit seinen 33 Jahren eher wie ein „Herbgersbruder“ denn ein Herbergsvater daherkommt. Er grenzt das StayInn klar ab von klassischen Backpacker-Absteigen wie etwa dem Black Forest Hostel, in denen „20er-Zimmer, wo man nicht weiß, wer dann am nächsten Morgen neben einem liegt“ die Regel sind.

Dominik Haury ist kein Anfänger in der Übernachtungsbranche. Vor drei Jahren fing der studierte Immobilienmakler an, Ferienwohnung in Freiburg zu vermieten. Derzeit betreibt er 13 selbiger, will aber zum Jahresende sieben davon aufgeben. „Die Ferienwohnungen sind logistisch wahnsinnig aufwendig. Dann sind wir eher zufällig an die Räumlichkeiten hier gekommen, vorher hat das zum Wohnheim des Goethe-Instituts gehört, aber die haben zwei Etagen aufgegeben. Das hat dann gut gepasst, weil wir was haben wollten, wo wir einfach da sind, eine Rezeption haben, alles unter einem Dach.“



Im Unterschied zu einem herkömmlichen Hostel kann man sich als Einzelperson nicht in ein Mehrbettzimmer einmieten. „Der Vorteil“, so Dominik Haury, „ist, dass man mit Leuten in einem Zimmer ist, die man kennt. Wir hatten auch schon einige Gruppen, die haben dann zum Beispiel mehrere Dreibettzimmer nebeneinander gebucht.“

Die Zimmer sind geräumig, einfach aber durchaus stilvoll eingerichtet, und jedes hat ein eigenes Badezimmer. Einige der Gästehauszimmer – die sich von den Hostelzimmern in Einrichtung, Größe und Preis unterscheiden – haben durch eine Empore den Stil einer kleinen Wohnung. Alle Zimmer, ob nun Hostel oder Gästehaus, sind renoviert, der Holzboden neu verlegt worden.

Verpflegung gibt es nicht, dafür eine voll ausgestattete Küche und einen großen Gemeinschaftsraum. „Wir bieten keine Gastronomie an, auch kein Frühstück“, sagt Haury, „wenn wir hier abends erst nach neun rauskommen, können und wollen wir nicht um sechs am nächsten Morgen schon wieder hier sein. Wir könnten uns vorstellen, den Gemeinschaftsraum morgens an eine andere Firma zu vermieten, die dann Frühstück anbietet, zum Beispiel eine Bäckerei, aber da ist noch nichts Konkretes geplant.“ Momentan versorgen sich die Gäste in den nahe gelegenen Supermärkten, kochen selber oder gehen abends in das afghanische Restaurant im Erdgeschoss.



Das Publikum war bisher gemischt. Rucksackreisende waren schon genauso da wie Touristen in ihren Fünfzigern, die für ein Wochenende in Freiburg waren. „Wir hatten tatsächlich eine Gruppe aus Hannover, die wissen wollte, wo Jogi Löw wohnt“, erzählt Haury, „und die haben dann auch einen Tagesausflug nach Wittnau gemacht hat.“

Bereits „zum Inventar“ gehören eine Reihe Studenten, die sich mangels eines WG-Zimmers auf längere Zeit im StayInn einquartiert haben – für den Sonderpreis von 400 Euro im Monat bekommen sie ein eigenes Zimmer. „Das ist eine echt nette Gruppe“, sagt Haury. „Da sind auch eine ganze Reihe internationale Studenten dabei, weil es für die natürlich nochmal schwieriger ist was zu finden – momentan haben wir unter anderem Leute aus Singapur, aus Afrika, aus Spanien, und die treffen dann immer hier in der Küche und dann riecht es immer ganz wild nach allen möglichen verschiedenen Sachen. Das ist dann auch schön, wenn man mitbekommt, wie die sich zusammen finden.“

Ist dann ein „richtiges“ Zimmer gefunden, fällt der Abschied nicht ganz leicht, wie bei Elisabeth, die gerade auf dem Weg zu IKEA ist und bald nach fast einem Monat aus dem StayInn auszieht. „Man nennt mich hier schon Hausmeisterin“, sagt sie, „und es ist ein bisschen schade zu gehen. Es war einfach super nett, beim Abendessen hier und da zu probieren oder morgens zu einem türkischen Tee eingeladen zu werden.“

Fazit: Das StayInn ist ein bisschen wie ein Hostel, aber eben auch ein bisschen mehr. Die Preise sind deutlich höher als etwa im Black Forest Hostel. Dafür ist die Einrichtung auch schicker, die Zimmer kleiner, und das Gesamtpaket eine gute Option für etwas anspruchsvollere Rucksacktouristen genauso wie für Ersti-Eltern – die bekommen derzeit zehn Prozent Rabatt – und auch Studenten selbst, die bei der WG-Suche noch kein Glück hatten.



Kontakt

StayInn
Stühlinger Straße 24a, 2. OG
0761.36300573

Öffnungszeiten
täglich 5 Uhr bis 20 Uhr

Preise Hostel
Einzelzimmer 48 Euro / Nacht, Doppelzimmer 55 Euro / Nacht, Dreibettzimmer 75 Euro / Nacht

Preise Gästehaus
Einzelzimmer 57 Euro / Nacht, Doppelzimmer 65 Euro / Nacht, Maisonettezimmer 69 Euro / Nacht, Familienzimmer (2 Erwachsene, 1 Kind) 79 Euro / Nacht



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Fotogalerie: Maria-Xenia Hardt

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