fudder-Interview

StartUp Jicki aus Freiburg will mit Betty BBQ südbadischen Dialekt retten

Saskia Burkart

Alemannisch lernen für Anfänger: Der Gründer der Sprachapp Jicki hat zusammen mit Betty BBQ ein Video gedreht, in dem sie alemannische Redewendungen ins Hochdeutsche übersetzen. Mit fudder sprach der App-Entwickler darüber, warum Dialekte so wertvoll sind.

"Da hoggt aba äba uffm Schnebberle". "S’ besteck z´spot bestellt." Na? Was verstanden? Wer diese Sätze für sinnloses Kauderwelsch hält, spricht wohl eher Hochdeutsch statt Alemannisch oder kommt einfach nicht aus der Freiburger Region. Damit wieder mehr Leute den Süddeutschen Dialekt verstehen, hat der Gründer der Sprachapp Jicki, Helge Straube, zusammen mit Betty BBQ einen Alemannisch-Kurs für Anfänger entwickelt.


In einem eineinhalbminütigen Video stellen die beiden alemannische Redewendungen mit ihrer Übersetzung vor. Innerhalb einer Woche wurde es rund 16.600 Mal auf YouTube geklickt und an die 700 Mal über Facebook geteilt. Saskia Burkart hat den Jicki-Gründer über die Idee hinter dem Video befragt.

Im Video übernimmt Betty BBQ den Dialekt-Part und Du übersetzt. Sprichst Du auch Alemannisch?

Helge Straube: Ich selber nicht, auch wenn ich hier aus der Gegend komme. Gerade deswegen hatte ich Lust, das Video zu drehen.

Wie ist die Idee zu einem gemeinsamen Alemannisch-Video mit Betty BBQ entstanden?

Wir von Jicki haben oft schon Anfragen bekommen, ob wir auch Kurse für Dialekte anbieten können. Da wir von hier kommen, hat sich Alemannisch sehr gut angeboten. Auf einer Feier habe ich dann Betty BBQ kennengelernt. Da sie selbst aus dem Schwarzwald kommt und das breiteste Alemannisch spricht, stand die Idee für das Video recht schnell fest. Schließlich sind Dialekte auch wertvoll.
"Einige der Zuschauer haben angefangen zu diskutieren, ob das tatsächlich Alemannisch ist, was wir in dem Video reden."

Warum findest Du Dialekte wertvoll?

Es gibt Studien, die sagen, dass Dialekte immer mehr aussterben. Es kommen einfach nicht genug junge Leute nach, die Dialekt sprechen. So verschwinden die Feinheiten der deutschen Sprache. Mit dem Projekt wollen wir einen Startschuss setzten, um die Sprachvielfalt zu erhalten.

War Betty BBQ gleich von der Idee begeistert?

Ja, sie fand die Idee super. Betty BBQ spielt als Persönlichkeit immer mit ihrem Dialekt. Mit ihrem Bollenhut und der Tracht verkörpert sie auch das alemannische Freiburg.



In dem Video sagt ihr die unterschiedlichsten Sätze – von alltäglichen Redewendungen bis zu Zungenbrechern. Wie habt ihr die Auswahl getroffen?

Ich habe mit meinen Kollegen Sätze gesammelt, die wir noch von unseren Großeltern kannten oder mal beim Fußball aufgeschnappt haben. Gleichzeitig haben wir noch im Internet recherchiert, welche typisch alemannische Redewendungen es gibt. So kamen dann rund 150 Sätze zusammen. Von denen habe ich dann 30 mit Betty eingesprochen. Die, die uns am besten gelungen sind, haben wir dann für das Video genutzt .

Am Ende des Videos gibt es eine kurze Outtake-Szene, in der Betty und Du ziemlich lachen müsst. Ist das beim Dreh öfters passiert?

Ja, es war wirklich witzig. Wir haben bewusst die Rollen so verteilt, dass Betty die Sätze im Alemannischen locker und authentisch sagt und ich die hochdeutsche Übersetzung dann sehr monoton rüberbringe. Das ist uns aber oft nicht gelungen. Wir mussten immer wieder mal herzlich lachen. Wenn Betty und ich es mal geschafft haben, ernst zu bleiben, hat dann der Kameramann losgelacht. Aber Betty BBQ ist sehr professionell und erfahren, was Auftritte vor der Kamera angehen. So war das Video nach einer Stunde im Kasten.
Freiburger Start-Ups: Die Online-Lernplattform Jicki

Wie waren die Reaktionen auf das Video?

Die Reaktionen haben unsere Erwartungen auf jeden Fall übertroffen. Es war wirklich Wahnsinn. Wir haben das Video am Schmutzigen Dunstig auf Facebook und YouTube hochgeladen. Vier Kollegen waren dann am Donnerstag, Freitag und Samstag den ganzen Tag damit beschäftigt, Kommentare zu beantworten. Das Video wurde im Minutentakt geteilt. Am Freitag wurde es dann plötzlich auch auf Whatsapp rumgeschickt.

Was sind das für Kommentare, die unter dem Video stehen?

Oft wurden Leute markiert mit dem Kommentar "jetzt kannst du mich auch endlich verstehen" oder "du wollest doch schon immer mal Alemannisch lernen." Das Video hat aber auch zu einem regen Austausch geführt: Einige der Zuschauer haben angefangen zu diskutieren, ob das tatsächlich Alemannisch ist, was wir in dem Video reden. Da kamen dann Kommentare wie "hier in Lörrach reden wir aber ganz anders." Da sieht man mal, wie regional Dialekte sind. Selbst Alemannisch hat von Ort zu Ort unterschiedliche Eigenheiten. Aber eigentlich war das Feedback durch die Bank positiv. Einige haben schon gefragt, wann es Staffel zwei gibt.

"Es gibt Studien, die sagen, dass Dialekte immer mehr aussterben."

Gibt es dafür schon Pläne?

Das Video war auf jeden Fall ein Startschuss. Wir möchten daraus eine Serie machen. Unser Ziel ist es, deutsche Dialekte mit verschiedenen Persönlichkeiten aus den jeweiligen Regionen zu drehen. Dank des Alemannisch-Videos wissen wir jetzt, dass das Konzept gut ankommt. Eine weitere Idee ist noch, dass die Menschen selbst aktiv werden. Zum Beispiel könnten Enkel mit ihren Großeltern Sätze in dem Dialekt ihrer Region aufnehmen. Daraus würden wir dann eine Art Datenbank machen, in der man sich die unterschiedlichen Dialekte anhören kann. Aber das ist bis jetzt nur eine Überlegung.

Wird es irgendwann mal eine alemannische Sprach-Dusche geben?

Das wissen wir noch nicht. Vielleicht mal als kostenloses Gimmick. Aber wir wollen das nicht kommerziell nutzen. Unser Ansatz ist eher, die Sprachvielfalt zu erhalten und zugänglich zu machen. Damit sich zum Beispiel die ganzen Studenten, die nach Freiburg kommen auf den Dialekt vorbereiten und hier dann weiterhin ihr Bier bestellen können.
Zur Person

Helge Straube (29) studierte "Wirtschaft neu denken". 2016 entwickelte er die Sprachapp Jicki und holte sich ein Jahr später drei weitere Gründer mit ins Boot. In sogenannten Sprachduschen werden dem Nutzer Vokabeln mit den Übersetzungen vorgelesen. Dazu gibt es eine entspannende Hintergrundmusik. Durch das rhythmische Sprechen kann sich der Nutzer das Gehörte besser merken. Das Konzept stellten Helge und seine Mitgründer bereits bei der Schweizer Version der Höhle der Löwen vor.

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