fudders Running Club

Start mit 40: Meine persönliche Laufgeschichte

Marc Esslinger

Joggen war für Marketingchef Marc Esslinger früher eine Qual. Sein 40. Geburtstag war ein Wendepunkt – und der Start seiner Laufkarriere. Spaß hat er dabei erst, seitdem er auf Apps verzichtet und nur noch für sich läuft.

Joggen. Das war für mich alleine in der Vorstellung bereits eine Qual. Damals – Mitte der 80er - im Tennis-Club drehten wir die eine oder andere Runde im Schwarzwald als Konditionstraining. Mit dem Satz "Ohne Ball kann ich nicht laufen!", heimste ich regelmäßig ein leichtes Schmunzeln ein, wenn die Hand- und Fußballer meines Heimatorts oder eben meine Tenniskumpels mit am Tisch saßen. Meine Tenniskarriere fand 1992 ein jähes Ende, als ich nach meinem Umzug nach Freiburg niemanden fand, der auf meinem Leistungsniveau der gelben Filzkugel hinterher jagte.

40 Tennisbälle zum 40. Geburtstag

Meine über das schwarze Brett an der Uni rekrutierten Gegner: entweder (meist) deutlich besser; oder aber (in Einzelfällen) chancenlos. Ein deutlicher Wink des Schicksals also und so verlagerte ich meine sportiven Tätigkeiten auf deren passive Ausprägung. Heißt: auf das Sofa vor den Fernseher und als Groundhopper auf die Eishockey- und Fußballtribünen der Republik.

15 Jahre später war der Spruch mit "Ohne Ball kann ich nicht laufen!" entsprechend nicht nur ausgelutscht. Er war schlicht gelogen. Meine Frau schenkte mir dann zum 40. Geburtstag 40 Tennisbälle. Eine Anordnung, äh, Aufmunterung, wieder etwas mehr Sport zu treiben. Aber welcher?
"Joggen? Einfach nicht mein Ding das Ganze."

Joggen kam mir jedenfalls als letzter Gedanke und immer noch als reine Zeitverschwendung vor. Da braucht man viel Zeit, die ich nicht habe. Und schlecht für die Gelenke ist es zudem. Pah. Sport in der prallen Sonne ist ungesund und wenn es zu kalt ist, holt man sich sofort und unweigerlich eine Zerrung. Und überhaupt: ich war schon damals bei den Bundesjugendspielen eher der Sprintertyp.

Habe ich eigentlich schon von meinem immer gut gelaunten All-Wetter-Jogger-Nachbarn mit seinem provozierend-seligen dauerhaften Jogigrinsen erzählt? Einfach nicht mein Ding das Ganze. Danke Ausreden und danke Opferrolle. Danke, dass es Euch gibt und Ihr immer für mich da seid.

Trotzdem: Ein paar Monate später unternahm ich den ersten Versuch, eine Runde durch Freiburg Herdern zu laufen. Autsch: nach wenigen hundert Metern bereits Seitenstechen. Dann aber doch ein paar Wochen und Versuche später – ich muss in Topform gewesen sein – eine erste Runde gedreht. Ich schätze es waren vier Kilometer. "Ich war heute Joggen", erzählte ich meinen Freunden. Der Anfang war gemacht.

Ein Auge immer auf der Lauf-App

In den kommenden Monaten dann ein einziges Auf und Ab. Bei jeder Joggingrunde hatte ich regelmäßig das starke Bedürfnis, einfach stehen zu bleiben. Gar nicht (nur), weil ich außer Puste war, sondern schlicht mangels Motivation. Letztere versuchte ich einigermaßen hochzuhalten, indem ich meine Strecken trackte und damit vor meinem Freundeskreis per WhatsApp und Co. "prahlte". So ging es dann immer weiter. Ein Auge immer auf der Lauf-App mit Zwischenzeitenvergleich.

Daraus ableitend meine Laune. 20 Sekunden besser als letzte Woche. Maschine! Eine Woche später fast ein "Stehversuch" am Hügel. Frust pur. Ein Freund erzählte mir von einer App, die einen wahlweise lobt oder auch die Hölle heiß macht. Ok - man kann es auch übertreiben.
fudders Running Club
Alle Informationen und Strecken veröffentlichen wir auf fudder.de und in unserem Lauf-Club auf Strava: Er heißt fudders Running Club und ist für alle öffentlich: https://www.strava.com/clubs/fuddersrunningclub. In der App einfach unter "Clubs" nach dem Namen suchen und Mitglied werden. Jeden Donnerstag wird die neue Strecke als Event veröffentlicht. Ihr habt dann eine Woche Zeit, sie zu laufen.

Dann kam – endlich - der (joggingfreie) Winter und mit ihm die Zeit der Reflexion. "Du siehst das einfach viel zu verbissen!" sagte meine Frau schon die ganze Zeit. Und sie hatte Recht. Was kann ich tun, um besser zu werden? Die Schlüsselfrage lautete hingegen eher: Geht es überhaupt um das besser werden? Oder geht es vielmehr darum, ein neues und gesundes Hobby zu finden. Wo man sich verlieren kann, ähnlich dem Klavier- oder Gitarrenspiel; oder einem guten Buch.
"Einfach rausgehen, loslaufen und die Umgebung genießen, hören und beobachten."

Ich beschloss also, ab sofort nur noch für mich zu laufen und sämtliche Kriterien des Leistungsgedankens über Bord zu werfen. Ohne Smartphone und ohne mich pushenden Heavy Metal auf den Ohren. Und auch ohne anschließendes Fishing for Compliments im Freundeskreis für – neutral betrachtet – ohnehin nicht nennenswerte Leistungen. Also ganz ohne "Rekorde brechen", "Grenzen verschieben" und ständig quäl-dich-du-saumäßig den inneren Schweinehund überwinden zu wollen.

Einfach rausgehen, loslaufen und die Umgebung genießen, hören und beobachten. Menschen, die in Cafés sitzen oder die Bäume im Freiburger Sternwald. So handhabe ich das nun seit etwa einem Jahr. Netter Nebeneffekt: auch, wenn ich den Leistungsgedanken außen vor lasse, sind meine Strecken trotzdem länger, schneller und häufiger geworden, die Frusterlebnisse hingegen seltener. Und selbst das Tennisspielen habe ich wieder angefangen.

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