fudder fragt nach

Spinnwebe in Weingarten: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Jennifer Fuchs

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 9: Bernhard Neyer von der Spinnwebe in Weingarten.

Bernhard Neyer, 62 Jahre alt, Bereichsleiter Arbeits- und Beschäftigungsprojekte Diakonisches Werk Freiburg, seit 2003 Mitarbeiter im Second-Hand-Kaufhaus Spinnwebe. Die Spinnwebe ist ein Sozialkaufhaus und gleichzeitig ein Projekt, in dem rund 40 langzeitarbeitslose Menschen einer Beschäftigungsmaßnahme nachgehen können.

Bernhard, wie geht es dir?

Natürlich ging und geht die Corona-Krise auch an der Spinnwebe und mir nicht spurlos vorüber. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Menschen und Geschäfte sprichwörtlich ihre Gesundheit und Existenz verloren haben, geht es der Spinnwebe und mir aber eigentlich noch ganz gut.

Wie hast du die letzten Monate verbracht?

Auch wenn sich die Welt weitergedreht hat, war Corona in der letzten Zeit das allumfassende Thema und hat die Kolleg*innen und mich sehr beschäftigt. Im Zeitraum März und April hatten wir sechs Wochen geschlossen. Zu Beginn wurden dann noch einige Arbeiten gemacht, die während des laufenden Betriebs häufig liegen geblieben sind. Als diese dann langsam ausgingen, hatten wir Glück, dass wir unter die Regelung fielen, dass Geschäfte unter 800 Quadratmeter wieder aufmachen können. Die Chance haben wir direkt genutzt und seit dem 20. April wieder geöffnet. Eine zeitlang tat es ganz gut, vom Arbeitsalltag, der ja häufig von Stress und Hektik geprägt ist, etwas Abstand zu bekommen. Der Wunsch nach Normalität hat sich dann jedoch schnell wiedereingestellt.

Wie bist du mit der Krise zurechtgekommen?

Mal mehr mal weniger gut und die wenigen Einschränkungen für mich persönlich waren überschaubar. Da gibt es sicherlich viele, die es viel härter getroffen hat. Die Spinnwebe selbst gibt es ja schon seit Mitte der 80er-Jahre. In der langen Zeit war es das erste Mal, dass das Geschäft aufgrund einer Krisensituation schließen musste. Wie für viele andere kam dies auch für uns ganz überraschend. Die Ungewissheit, wie lange das Ganze dauert, was es für unsere Stammkund*innen heißt und der Gedanke an die Arbeitsplätze waren schon sehr bedrückend.

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Krise auf den Betrieb des Second-Hand Ladens Spinnwebe?

Mit der Krise einhergingen natürlich sehr hohe Umsatzverluste. Die Spinnwebe ist ein soziales Projekt, da kann man sich ja denken, was es heißt, wenn von heute auf morgen keine Einnahmen mehr da sind. Die Auswirkungen werden sich wahrscheinlich erst in der Zukunft zeigen. Jetzt sind wir aber erstmal froh, dass wir wieder offen haben und nach und nach ein Stück "Normalität" einkehrt.

Was hast du in der Zeit über dich selbst gelernt?

Beruflich hat die Krise mir zunächst einmal gezeigt, wie anfällig die Spinnwebe als Teil des Ganzen ist und wie schnell es gehen kann, wenn von heute auf morgen nichts mehr so ist, wie es vorher war. Wir konnten auch nicht einfach einen Notfallplan aus der Schublade ziehen, aus dem hervorgeht, was in Krisensituationen alles zu machen ist. Corona ist zwar noch nicht vorbei, rückblickend betrachtet können wie jedoch sagen, dass alle getroffen Entscheidungen richtig waren und dass alle Mitarbeitenden mit ihrer Arbeit und Engagement dazu beigetragen haben, dass man einigermaßen durch die Krise kam und noch kommt. Das ich mich auf meine Mitarbeiterschaft verlassen kann, ist zwar nichts Neues gewesen, aber wenn es dann in dieser Krisensituation so gut funktioniert, umso besser!

Wie geht’s jetzt weiter?

Wenn Kund*innen und Mitarbeitende keinen Mund- und Nasenschutz tragen würden, könnte man eigentlich schon wieder von Normalbetrieb sprechen. Wir versuchen jetzt, aus der Situation das Beste zu machen und an die Zeiten vor Corona anzuknüpfen. Wir hoffen natürlich, dass wir bald wieder auf die Kund*innen-Zahlen wie vor Corona kommen. Letztendlich trägt jeder Einkauf mit dazu bei, dass zum einen Gebrauchtes wieder in den Warenkreislauf kommt und so Ressourcen geschont werden und zum anderen werden die Arbeitsplätze in einem sozialen Projekt gesichert.

Infos:
Samstags gibt es immer 30 Prozent auf alles in der Spinnwebe. Studierende, Schüler’*innen und Azubis erhalten gegen Vorlage eines entsprechendem Nachweises einen Preisnachlass von 10 Prozent.
Im Parkhaus des Markt Carré Weingarten in welchem die Spinnwebe sich befindet, gibt es die Möglichkeit zwei Stunden kostenlos zu parken.