Soulfly im Jazzhaus: Musikalisches Blutbad

David Weigend & Janos Ruf

Megazottel Max Cavalera und seine drei Seelenflieger haben gestern Abend das Jazzhaus aufgemischt, mit alten Sepulturakrachern und neuen, bösen Omen. Ob die Stunde Brasilienmetal ihr Geld wert war, versuchen wir nun zu beurteilen (mit Foto-Galerie).



Die Die-Hard-Fans haben Soulfly ja schon am Samstag in Wacken gesehen. „Da hat Max Cavalera trotz ausdrücklichem Verbot zum Circle Pit aufgefordert“, erzählt einer, der dabei war. Cavalera zieht sein Ding eben gern durch, egal, was die anderen sagen. Um 21.30 Uhr kommt er mit seinen drei Mitstreitern auf die Bühne. Er ist ein Brocken geworden. Vom fein ondulierten Thrash-Posterboy aus seligen Arise-Zeiten hat er sich weit entfernt: Seine Haarpracht besteht aus drei fetten Haarfladen, Megadreads, die man von weitem mit toten Eichhörnchen verwechseln könnte. Cavalera, der Metal-Trapper. Dazu eine wohlwattierte Tarnjacke (es ist ja so kühl im Jazzhaus) und die obligatorische 4-String-Gitarre in Brasiliengrün.

Doch halten wir uns nicht an Äußerlichkeiten auf. Soulfly sind gekommen, um die Titel des aktuellen Albums „Omen“ vorzustellen, einen Querschnitt älterer Soulflyhits zu spielen und einige Sepulturakracher zum Besten zu geben. Der Zeitstrahl beginnt 1986 mit „Troops of Doom“ vom Morbid Visions-Album und endet 2010 mit „Bloodbath & Beyond“. Ist da eine Dynamik, eine Veränderung zu hören? Kaum. Das Quartett liefert einen brasilianisch durchgegroovten Metalmosh, runtergestimmt aufs tiefe D.

Das Ganze wirkt ein wenig arg monochrom. „Beneath the Remains“ war eine Kaskade raffinierter Messerwürfe, „Omen“ ist ungefähr so elegant wie der neue Teleskop-Einsatzstock der Freiburger Polizei. Hart knallt’s natürlich rein und es fällt dann auch nicht mehr so ins Gewicht, wenn der Sound matschig ist, zumindest, wenn man am rechten Bühnenrand steht. Auf der Platte kommen die neuen Songs jedenfalls deutlich differenzierter drüber.



Zu „Refuse/Resist“ darf Maxens 16-Jähriger Sohn Zion ans Schlagzeug, wie schon in Wacken. Er macht seine Sache recht gut und kommt fast an die Drummingkünste von Joe Nunez heran. Nunez wiederum, mit seinen Handschuhen einem Käfigkämpfer aus Sao Paolo gleichend, verdrischt sein Instrument so arg, dass die Fans am Ende des Konzerts die reichlich beschädigten Felle als sinnstiftendes Souvenir mitnehmen dürfen.

Soulfly zitieren Panteras „Walk“, das ist okay, schließlich waren Cavalera und Dimebag Darell gute Freunde. Spätestens zu „Jeffrey Dahmer“, jenem Song über den amerikanischen Serienmörder, der 17 Männer und Jugendliche in Wisconsin umbrachte, kommt richtig Stimmung in die Bude. Cavalera segnet den Moshpit mit Wasser aus der Evianflasche, Gitarrist Marc Rizzo wischt mit seinem Handtuch den Schweiß vom Gitarrenhals.



Soulfly beschließen ihr Set mit dem unheilschwanger vor sich hin rumorenden „Roots“ und gehen als letzte Zugabe mit dem Banger „Eye for an Eye“ erfolgreich auf Stimmenfang. Eine Stunde Seelenflug geht vorbei, am Schluss liegen nur noch die Ohrstöpsel auf dem Boden vom Jazzhaus. Wer noch nicht genug hat, kann sie sich amSamstag in Colmar zu selbem Anlass wieder reinfriemeln.

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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