Gemeinderat

So will die Stadt Freiburg Baukosten senken und Wohnungen bezahlbar halten

Simone Lutz

Das Rathaus legt eine neue Version des Handlungsprogramms Wohnen vor. Neu: Nicht mehr der meistbietende Investor soll den Zuschlag für eine Bebauung bekommen, sondern das beste Konzept.

Nächsten Dienstag, 10. November, wird die Stadtverwaltung dem Gemeinderat ein umfangreiches Werk präsentieren: ein Update zum Handlungsprogramm Wohnen. Darin legt die Verwaltung dar, wie sie Baurechte schaffen und Baukosten senken möchte, wie sie Wohnungen bezahlbar halten und Akteure auf dem Wohnungsmarkt fördern will. Wichtig dabei: Der Fokus soll nicht auf Profit, sondern auf Gemeinwohl liegen.

Leider gibt es nicht die eine große Schraube, an der die Stadtverwaltung drehen könnte, damit sich Freiburgs Wohnungsprobleme auflösen: "Um die Wohnungssituation zu verbessern und die Gemeinwohlorientierung zu stärken, benötigen wir die Summe vieler unterschiedlicher Bausteine", sagt Oberbürgermeister Martin Horn. Welche, das hat die Verwaltung nun zusammengetragen als eine Art Richtschnur, an der sich die Wohnungspolitik in den nächsten Jahren orientieren kann. Wenn es dann konkret wird, kann immer noch diskutiert werden.

Bauherr mit dem besten Konzept soll den Zuschlag bekommen

Neu ist, dass die Stadt ihre Baugrundstücke nicht mehr meistbietend verkaufen möchte. Derjenige Investor oder die Bauherrin soll den Zuschlag bekommen, der das beste Konzept vorlegt. Das heißt: Wer mit seinem Bauvorhaben zur Weiterentwicklung des Quartiers beiträgt, hat bessere Karten als jemand, der "nur" Wohnungen baut. "Die Stadt vergibt die Grundstücke dann zum Festpreis, profitiert aber von der Kreativität und den Ideen der Bauwilligen", erklärt Sabine Recker, Leiterin des Referats für bezahlbares Wohnen, das das Handlungskonzept federführend aktualisiert hat.

Möglich sind solche Konzeptvergaben allerdings nur, wenn die Stadt die Grundstücke auch besitzt. Deshalb, heißt es im neuen Handlungskonzept, müsse die Stadtverwaltung eine aktive Liegenschaftspolitik betreiben, also Bauflächen nicht mehr verkaufen, sondern eher ankaufen. Dafür ist Geld im städtischen Haushalt reserviert – wie viel, ist noch nicht öffentlich.

Preiswert und gut bauen ist anspruchsvoll

Flankiert werden die Konzeptvergaben auch durch das Erbbaurecht, das die Stadt ja gerade neu ordnet. In Zukunft soll es möglich sein, dass zum Beispiel auch Mehrfamilienhäuser im Erbbaurecht vergeben werden und damit die preisgebundenen Mieten deutlich länger laufen müssen als bisher. So entstünden lebendige, gemischte Quartiere und bezahlbarer Wohnraum werde geschaffen, glaubt Finanzbürgermeister Stefan Breiter. Wobei preiswerte Wohnungen – möglichst klimaneutral, mit modernen Mobilitätskonzepten und in hoher Qualität – eine anspruchsvolle Aufgabe sind. "Die Anforderungen an Bebauungspläne steigen ständig", weiß Baubürgermeister Martin Haag.

Derzeit sind im Stadtteil Dietenbach rund 6900 Wohnungen geplant, zudem sind etwa 20 Bebauungspläne in Arbeit, mit denen in den nächsten fünf bis sieben Jahren zwischen 4300 und 5300 Wohnungen entstehen können.

Den geförderten Wohnungsbau stärken, genossenschaftliches Wohnen fördern, ein Baulückenkataster erstellen, mit Mietervereinen kooperieren oder eine digitale Wohnungstauschbörse einrichten (siehe Artikel unten) – es gibt viele Bausteine, die zusammen eine neue Wohnungspolitik ergeben sollen. Auch ist vorgesehen, einige Quartiere in Freiburg, die eher lose bebaut sind, "urban" zu verdichten. Ein Beispiel dafür wäre das Gewerbegebiet Schildacker in Haslach, wo zwischen einem bunten Sammelsurium verschiedenster Bauten durchaus noch Platz für Wohngebäude wäre. Doch auch Neubaugebiete wie Kleineschholz im Stühlinger werden dicht bebaut. Am Dienstag diskutiert der Gemeinderat diese Vorschläge der Verwaltung.