Tour

So war’s bei der neuen Stadtteilführung von Eat the World in der Freiburger Wiehre

Charlotte Wagner

In knapp 50 deutschen Städten kann man seinen Gaumenfreuden bereits nachgehen und dazu geschichtlichen Input bekommen: Bei der neuen Tour von "Eat the World" geht es per pedes durch einen der schönsten Stadtteile Freiburgs, die Wiehre. Fudder war dabei.

Startpunkt ist die Johanneskirche, von hier spazieren wir los und bekommen eine kleine geschichtliche Einführung zum Stadtteil Wiehre, der neben Blütezeiten auch Turbulenzen in Kriegszeiten erlebt hat und übergangsweise auch das erste Industriegebiet der Stadt war.


Vor allem bleibt einem aber eins im Kopf: Ein Öko-Paradies für wohlhabende Akademiker zu schaffen, das war schon im 18. Jahrhundert das Ziel der Stadt Freiburg und so warb man Intellektuelle aller Richtungen an, an diesem Fleckchen Erde mit erwiesen hoher Lebensqualität ihr Nest zu bauen.

Lokal, regional und nachhaltig

Das funktionierte und die Wiehre ist das beste Beispiel dafür: Auf der brandaktuellen kulinarischen Tour von Eat the World durch besagten Stadtteil läuft man an herrschaftlichen Gebäuden aus der Gründerzeit vorbei, an idyllisch gelegenen Parks und romantischen Hinterhöfen neben Second-Hand-Shops, Kindergärten und Fachhandelgeschäften.

Und eben auch an schmackhaften Cafés, Bistros, Weinstuben und Restaurants. Hier haben es sich Menschen zum Ziel gesetzt, lokal, regional und nachhaltig zu produzieren, das wird bei der Tour ganz klar. Die neue Führung durch die Wiehre klappert in drei Stunden sechs Stationen ab. Ob ein Teilnehmer oder 15, Regen oder Sonne – die Tour findet statt.

Vegan, vegetarisch und französisch

Schon kurz nach Beginn lassen wir uns den ersten Appetizer eines deutsch-französischen Kochteams auf der Zunge zergehen, die rein vegetarische beziehungsweise vegane Speisen zubereiten und neben (dem ersten!) Bioladen (Freiburgs) auch ein gemütliches Bistro beheimatet: Süßkartoffelpüree mit Champignon-Gemüse-Ragout auf Tomaten-Petersilien-Pesto, alles regional produziert, ist ja klar. Und als Überraschung: Ein Tiramisu auf Dinkel-Basis, das auf der Zunge vergeht.

Und schon geht’s weiter zur nächsten Station: Hier dürfen wir eigenproduzierte Dips à la gebackene Kürbiscreme, gegrillte Paprika oder Röstzwetschgen-Chutney probieren. Die beiden Jungunternehmer brennen für das, was sie tun: "Damals vor sieben Jahren haben wir noch in Küchen von befreundeten Köchen fabriziert – allerdings immer erst ab 23.30 Uhr, wenn diese fertig waren mit der Arbeit. Da ging es bei uns erst los", so Philip, einer der beiden Gründer.

Argentinisches und Wein

Argentinisch und mit Hinterhofromantik geht es bei der dritten Anlaufstelle zu: Empanadas mit Hackfleisch und Paprika-Füllung, für die Vegetarier Käse und Spinat. Die Besitzerin ist Argentinierin, aber seit 25 Jahren Wahlfreiburgerin und begrüßt uns mit badischen Dialekt. Nach den schmackhaften Snacks ist nun der Hals ganz trocken – da kommt uns der Sprung in ein Fachgeschäft der besonderen Art gerade recht: Hier gibt es Weinspezialitäten aus Deutschland und Europa, gezielt keine Übersee-Exponate. Wir trinken Rotwein aus Süditalien.

Kulinarisch bleiben wir in Süditalien: Nach einem kleinen Marsch finden wir uns im bunten Markttreiben wieder. Hier fuhr einst die Dampflokomotive mitten durch und Zirkustiere spazierten an der Leine gen Messegelände. An Station Nr. 5 genießen wir hauchdünne Pizza-Margarita nach Original neapolitanischer Rezeptur und die Besitzer des Stands haben sich ein besonderes Schmankerl einfallen lassen: Vom Schwarzwälder Bollenhut inspiriert haben die Macher des Stands die Bollenbeere kreiert, ein süßes Küchlein aus Quarkmasse umhüllt von fruchtigem "Erdbeerstaub".

Ein Ende mit Tapas und Wein

Nach einem kurzen Ausflug auf einen Spielplatz, der sich gleichzeitig als alter Friedhof entpuppt, gehen wir der Geschichte der Badischen Revolution von 1848/49 auf den Grund, auch "Blutige Ostern" genannt. Ein Blick auf die Uhr verrät: Wir sind dem Ziel nicht mehr fern. Um kurz vor 18 Uhr wird bei Tapas und Wein eingekehrt und der ein oder andere lässt den Abend gemütlich ausklingen.

Fazit: Ein kulinarischer und geschichtlicher Rundgang, der sich absolut lohnt. Die Liebe zum Detail, die Hingabe der einzelnen Kleinunternehmer und die Leidenschaft für qualitativ hochwertige Delikatessen ist überall gegeben. Auch zu empfehlen: Die Führung durch den Stühlinger.
  • Was: Kulinarisch-geschichtliche Stadtteilführung von Eat the World
  • Wann: Wiehre-Führung: mittwochs 15-18 Uhr, samstags 11-14 Uhr; Stühlinger-Führung: Siehe Website
  • Wo: Wiehre/Stühlinger
  • Kosten: 33-39 Euro (Kinder 20 Euro)

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