Lockerungen

So rüstet sich Freiburgs Einzelhandel für den Neustart

Daniela Frahm, Jens Kitzler, Simone Lutz & Fabian Vögtle

Freiburger Geschäfte bereiten sich auf kommende Woche vor – wenn sie wieder öffnen dürfen. Was das genau bedeutet, wissen weder die Fachleute im Rathaus noch die Einzelhändler selbst.

"Noch haben wir die neuen Regelungen nicht auf dem Tisch", sagt Matthias Müller, Leiter des städtischen Rechtsamtes. Grundsätzlich folge die Stadt der Linie des Landes: "Wir werden uns anschauen, was das vor Ort bedeutet." Derzeit überlegen sich die Rathausmitarbeiter, welche Fragen sich ergeben könnten – etwa für Einzelhändler, die nur knapp mehr als 800 Quadratmeter haben oder etagenweise öffnen könnten. Über mögliche Einzelfälle will Müller noch nicht sprechen: "Wir haben die Ergebnisse bisher erst aus den Medien, jetzt sind wir dabei, die Umsetzung vorzubereiten. Nägel mit Köpfen machen wir erst, wenn das Papier der Landesregierung da ist."


"Toll, dass es jetzt weitergeht", sagt Stefan Schupp, Geschäftsführer des Haushaltswarengeschäfts Schafferer in der Fußgängerzone. Schafferer liege gerade so unter der 800-Quadratmeter-Grenze. "Wir sind also auch gerade dabei, alles hochzufahren." Kommenden Montag wolle man in voller Belegschaftsstärke öffnen, die Mitarbeiter waren zuletzt in Kurzarbeit und saßen zuhause – von daher seien sie auch kurzfristig wieder aktivierbar.
"Allerdings warten wir noch auf konkrete Informationen, zum Beispiel wie viele Menschen in den Laden dürfen." Jörn Kocher, Schuhhaus Kocher
Natürlich sei die Ankündigung von Bund und Land recht kurzfristig, sagt Schupp. "Deswegen sind viele rechtliche Fragen noch ungeklärt." Beispielsweise dürften sich vor den Geschäften keine Schlangen bilden. "Wie gewährleiste ich als Einzelhändler aber nun, dass keine Passanten vor dem Haus stehenbleiben?" Und auch die 800-Quadratmeter-Grenze sei nicht völlig einleuchtend. "Interessant, dass Markus Söder immer die Möbelhäuser erwähnt. Gerade in solchen großflächigen Häusern lässt sich Kundengedränge ja am ehesten vermeiden." Was die Kundschaft angeht, setzt Schafferer auf den zuletzt spürbaren Trend, zu Hause Dinge selber zu machen. "Nudeln beispielsweise – vielleicht ist das der Zeitpunkt, über eine Nudelmaschine nachzudenken."

Im Schuhhaus Kocher an der Schusterstraße, das 150 Quadratmeter Verkaufsfläche auf zwei Etagen hat, bereiten sich die Mitarbeiter ebenfalls auf die Wiedereröffnung vor. "Allerdings warten wir noch auf konkrete Informationen, zum Beispiel wie viele Menschen in den Laden dürfen", sagt Jörn Kocher.

Der Schuhladen-Chef will seine Beschäftigten nur mit Masken arbeiten lassen, und er würde es sich wünschen, "dass die Politik auch für Kunden eine Maskenpflicht vorschreibt". Bislang hat die Landesregierung aber nur eine Empfehlung ausgesprochen.

Nur ein Stockwerk öffnen? Die Politik überlegt noch

Hinweisschilder zu den Hygieneregeln für den Einkauf will Kocher erst drucken lassen, wenn er genauere Informationen zu den Vorgaben hat. Klar sei allerdings, dass die Kunden darum gebeten werden, die Schuhe selbst anzuprobieren, so könne mehr Abstand gewahrt werden.

"Ich rechne nicht mit einem großen Ansturm", sagt Kocher, der sich auf Meldungen aus Österreich bezieht, wo Läden schon geöffnet haben. Der April sei traditionell einer der umsatzstärksten Monate fürs Geschäft, das sei durch die bisherigen Onlineverkäufe und die noch folgenden im Laden aber kaum zu erreichen.

"Wir müssen jetzt schnell unsere Renovierungsarbeiten abschließen", sagt Uli Steinfels, Inhaberin von "Blickfang", einem kleinen Geschäft für nachhaltige Mode am Augustinerplatz. Leider gebe es noch keinen richtigen Leitfaden. Auch die Öffnungszeiten seien noch nicht klar, vielleicht arbeite man vorerst reduziert – vor allem wegen der Kinderbetreuung. Möglicherweise werde das Geschäft seinen Kunden auch Termine anbieten: "Dann sind die alleine im Laden, können in Ruhe anprobieren und die Ansteckungsgefahr ist gering."

Nicole Hoffmeister-Kraut, die Wirtschaftsministerin des Landes, war am Donnerstagnachmittag bei einem Termin in Freiburg. Bis Samstag wolle sich die Landesregierung entscheiden, ob Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Fläche möglicherweise nur ein einzelnes Stockwerk öffnen dürften, sagte die Ministerin. Persönlich hätte sie es besser gefunden, statt der 800-Quadratmeter-Regelung einheitliche Standards und eine Festlegung der Kundenzahl pro Quadratmeter umzusetzen: "Das wäre nach außen die verständlichere Lösung gewesen", so Hoffmeister-Kraut. Aber sie vertrete nun dennoch die offizielle Linie, zu der auch verschiedene Wissenschaftler geraten hätten.

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