Erfahrungsberichte

So lief die Corona-Impfung bei jungen Menschen aus der Region

Lisa Petrich

Viele Fachkräfte aus Schulen und Kindergärten sowie Medizinstudierende wurden inzwischen geimpft – hauptsächlich mit AstraZeneca. Wir haben bei jungen Leuten nachgefragt, wie sie die Impfung erlebt haben.

Marion Vétral, 20 Jahre, Erzieherin in Ausbildung


"Als auszubildende Erzieherin habe ich seit Ende Februar auch die Möglichkeit, geimpft zu werden. Anfangs fiel mir die Entscheidung nicht leicht, ob ich mich impfen lassen soll. Ich war unsicher, weil der Impfstoff so schnell entwickelt wurde, außerdem hatte ich Zweifel am AstraZeneca-Impfstoff und Angst vor den Nebenwirkungen. Aber nach vielen Gesprächen mit Freundinnen habe ich mich letztendlich doch für die Impfung entschieden. Der Hauptgrund dafür war, dass ich einfach keine Lust mehr auf die Pandemie hatte und mir durch die Impfungen wieder mehr Normalität erhoffe. Also habe ich nach einem Termin gesucht: In Freiburg und Kenzingen war schon alles voll, deshalb bin ich am 9. März nach Müllheim zur Impfung gefahren. Dort lief alles sehr schnell und organisiert ab. Ich war nervös und wollte, dass es schnell vorbei ist, und das hat auch geklappt: Kaum habe ich mich in der Impf-Kabine hingesetzt, hatte ich auch schon die Nadel im Arm. Am nächsten Tag hatte ich leichtes Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen, aber am zweiten Tag ging es mir schon deutlich besser. Im Nachhinein fand ich alles ziemlich entspannt, doch als Anfang vergangener Woche das Impfen mit AstraZeneca auf einmal gestoppt wurde, hat mir das schon Sorgen bereitet. Vor allem glaube ich, dass die Leute jetzt noch unsicherer sind und das Vertrauen in das Impfen generell immer mehr schwindet. Das ärgert mich, weil es schon wieder ein Schritt zurück ist und wir jetzt noch länger auf Lockerungen warten müssen. Ich habe einfach keine Lust mehr, jeden Tag in den Nachrichten etwas über die Pandemie hören zu müssen. Außerdem fehlt mir bei der Arbeit im Kindergarten der Kontakt zu den Eltern total und das Homeschooling ist zäh!"

Stella Tunn, 23 Jahre, Medizinstudentin im 10. Semester


"Ich habe von der Uni Freiburg einen Impftermin angeboten bekommen. Alle Medizinstudierenden ab dem siebten Fachsemester hatten die Möglichkeit, sich freiwillig dafür zu melden, da einige von uns bald im Krankenhaus arbeiten werden. Erschreckend fand ich allerdings, dass sich wohl nicht viele Studierende für die Impfung mit AstraZeneca angemeldet haben. Ich habe mich jedenfalls darauf gefreut, mein Termin war am 7. März bei der Freiburger Messe. Vor Nebenwirkungen hatte ich kaum Angst, da ich auch sonst selten krank bin. Dann hat es mich aber doch ganz schön erwischt: Am Abend nach der Impfung fing es mit Schüttelfrost und enormer Müdigkeit an, nachts bin ich mit Muskelschmerzen aufgewacht. Später kamen dann richtig krasse Kopfschmerzen dazu – man nennt das wohl auch Vernichtungskopfschmerzen – die mir den Schlaf geraubt haben. Nach einer Aspirin-Tablette konnte ich irgendwann wieder einschlafen, aber es war eine sehr unangenehme Nacht für mich. Am nächsten Morgen ging es mir zum Glück schon etwas besser und zwei Tage nach der Impfung habe ich gar nichts mehr gespürt. Alles in allem sind aber selbst solche starken, kurzweiligen Nebenwirkungen immer noch viel besser als eine Corona-Erkrankung und deren Nachfolgen, deshalb würde ich die Impfung jedem ans Herz legen – auch nach dem kurzzeitigen AstraZeneca-Stopp. Prinzipiell war es zwar gut, dass gründliche Nachforschungen zu den Nebenwirkungen von AstraZeneca angestellt wurden. Aber der Fall wurde meiner Meinung nach unglücklich an die Bevölkerung kommuniziert, sodass das Vertrauen der Menschen ins Impfen wahrscheinlich noch weiter zurückgeht. Man sollte die Leute richtig aufklären und die Risiken in Relation setzen, denn bei einer Covid-Infektion ist das Thrombose-Risiko sehr viel größer, als bei der Impfung mit AstraZeneca. Insgesamt finde ich es ziemlich schwach, dass die Impfungen in Deutschland vergleichsweise nur so langsam vorankommen."

Steven Schneider, 25 Jahre, Lehrer am Gymnasium im Referendariat


"Gleich nachdem ich erfahren habe, dass nun auch alle Lehrer und Lehrerinnen geimpft werden können, habe ich nach einem Termin Ausschau gehalten. Am 5. März konnte ich mich dann in Kenzingen impfen lassen, dort habe ich schneller als in Freiburg einen Termin gefunden. Mittlerweile ist es wieder sehr schwierig, Termine zu bekommen – für meine Oma, die in der zweiten Impfpriorisierungsgruppe ist, haben wir sehr lange nach einem Termin gesucht. Da hätte ich gerne mit meiner Oma getauscht und ihr schon früher den Vortritt gelassen, aber bis vor kurzem war ja leider noch nicht klar, dass auch Über-65-Jährige mit AstraZeneca geimpft werden können. Das Impfen selbst lief bei mir völlig problemlos und war gut organisiert. Nebenwirkungen hatte ich kaum welche, nur leichte Kopfschmerzen und kleine Muskelschmerzen an der Einstichstelle. Für mich war von Anfang an klar, dass ich die Chance, geimpft zu werden, so schnell wie möglich nutzen möchte. Ich finde es einfach solidarisch, sich dann auch mit dem Vakzin impfen zu lassen, was zur Verfügung steht – und nicht auf einen anderen Impfstoff, der vielleicht noch besser schützt, zu warten. Der Impfstopp von AstraZeneca hat mich schon etwas bedrückt. Ich hoffe, dass sich schnellstmöglich klären lässt, wie es zu den Thrombosefällen kommt und dass es nicht in Verbindung mit der Impfung steht. Hoffentlich hält das den generellen Impfplan nicht zu sehr auf, denn jede Impfung empfinde ich als kleinen Schritt in Richtung Normalität."
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Sophia Dietzel, 25 Jahre, Sozialarbeiterin im Kindergarten


"Anfangs war ich mir noch nicht sicher, ob ich mich impfen lassen würde. Als junger Mensch hatte ich einfach keine große Angst vor Corona. Aber als ich impfberechtigt wurde und mich dadurch intensiver mit der Frage konfrontieren musste, habe ich schnell beschlossen, nach einem Termin zu suchen. Ich hätte es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können, im Kindergarten zu arbeiten und die Impfung zu verweigern – das fände ich einfach unsolidarisch, erst alle anderen zum Impfen zu schicken und selbst nicht in die Gänge zu kommen. Es geht ja auch um die Mitmenschen und darum, die Pandemie möglichst schnell in den Griff zu bekommen. Ich habe dann recht schnell und problemlos einen Termin bekommen und wurde am 8. März im Impfzentrum Freiburg mit AstraZeneca geimpft. Vor Ort ist mir besonders die coole Atmosphäre aufgefallen, weil die Helferinnen und Helfer einfach gut drauf und sichtlich motiviert waren. Nervös vor der Impfung war ich nicht, da einige Bekannte von mir bereits geimpft wurden ich so wusste, was ich zu erwarten habe. Nach meiner Impfung hatte ich die bekannten Nebenwirkungen mit Schüttelfrost, Fieber und starken Kopfschmerzen. Sicherheitshalber bin ich dann zwei Tage zuhause geblieben, aber am dritten Tag war ich schon wieder total fit und konnte auch Sport machen. Trotzdem bin ich froh, dass ich diese Nebenwirkungen nicht genau zu der Zeit hatte, als AstraZeneca ausgesetzt wurde. Sonst hätte ich mir wahrscheinlich auch Sorgen gemacht, wobei ich auch realistisch bin und weiß, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Thrombosen sehr gering ist. In AstraZeneca habe ich generell nach wie vor Vertrauen. Ich finde es zwar sinnvoll, dass das Vakzin nochmal überprüft wurde, allerdings sind die Menschen nun sicher noch mehr verängstigt. Die Medien haben schon am Anfang negativ über AstraZeneca berichtet. Das finde ich sehr schade, weil sich der Impfprozess dadurch noch mehr in die Länge zieht."

Saskia Rohleder, 23 Jahre, Medienkulturwissenschaft-Studentin und Hilfskraft im Impfzentrum Freiburg


"Seit kurzem arbeite ich beim Impfzentrum in Freiburg als nicht-medizinische Hilfskraft. Dort gibt es dann die Möglichkeit, dass wir Hilfskräfte geimpft werden, falls am Ende des Tages noch Impfstoff übrigbleibt – beispielsweise, weil jemand anderes seinen Termin versäumt hat. Das habe ich dann gerne in Anspruch genommen und wurde am 11. März nach meiner Arbeitsschicht mit BioNTech-Pfizer geimpft. Da wir immer einen kompletten Tag denselben Impfstoff verwenden, konnte ich mir keinen Impfstoff aussuchen, aber ich hätte auch AstraZeneca genommen – trotz dem aktuellen Impfstopp wegen den Bedenken zu den Thrombosefällen. Nach der Impfung sollte ich sicherheitshalber eine halbe Stunde im betreuten Wartebereich verbringen, da ich bei anderen Impfungen oft sehr empfindlich reagiere. Dementsprechend war ich ziemlich nervös. Ein bisschen Vorfreude war aber auch dabei, weil ich sehr viel Kontakt zu meinen Eltern (beide über 60 Jahre) habe und sie durch meine Impfung auch schützen will. Daher war für mich von Anfang an klar, dass ich mich impfen lasse. Nach langer Isolation kann ich mich jetzt wieder ein bisschen entspannen und bin froh, beim Impfzentrum auch aktiv etwas gegen Corona tun zu können. Nebenwirkungen hatte ich kaum welche. Allen, die noch an der Impfung zweifeln, kann ich nur empfehlen, sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Impfstoffen genau durchzulesen. Über Social Media bekommt man oft keine korrekten Infos dazu. Und ziemlich inspirierend fand ich den Satz einer älteren Dame, die im Impfzentrum zu mir sagte: ’Mir gibt die Impfung wieder ein Stück Freiheit zurück. Und Freiheit heißt für mich, endlich ohne Angst vor Corona leben zu können.’"

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