Schule

So läuft der Präsenzunterricht am Kolleg St. Sebastian in Stegen ab

Marie Schweizer

Marie Schweizer ist 16 Jahre und besucht die 11. Klasse des Kollegs St. Sebastian in Stegen. Für fudder berichtet sie, wie es mit dem durchgehenden Präsenzunterricht seit Ende der Osterferien läuft und was es für Veränderungen gibt.

Montag:
Vor drei Wochen war der erste Schultag komplett in Präsenz seit Dezember. Es war total ungewohnt so früh aufzustehen und aus dem Haus zu gehen. Dazu hat der Tag gleich mit einer Klausur begonnen. Zu Klausuren ziehe ich immer meine OP-Masken an, da die FFP2-Masken zu dick sind. Im Klassenzimmer waren die Einzeltische weit auseinander geschoben und die Fenster weit geöffnet. Das hat mich und die anderen etwas beunruhigt, weil man die Maßnahmen über die Ferien fast ein bisschen vergessen hatte.

In der Pause habe ich den Corona-Test gemacht. Mit meiner Einverständniserklärung in der Hand kam ich in das Zimmer und musste mich auf einen Stuhl setzen. Ein Mann in voller Schutzmontur hat mic gefragt: "Stäbchen in den Rachen oder die Nase?".

"Es ist anstrengend, durchgehend aufmerksam zu sein und eine Maske zu tragen."

Ein paar Sekunden später war ich wieder draußen und es ging in den nächsten Unterricht. Wir saßen auf Abstand, aber das ging bei der Doppeltisch-Ordnung nicht wirklich gut. Um 13 Uhr war endlich Schulschluss. Ich bekam eine Nachricht auf mein Handy mit dem Testergebnis: Negativ, ein Glück. Ich war total müde. Es ist anstrengend, durchgehend aufmerksam zu sein und eine Maske zu tragen.

Dienstag:
Heute hat die Schule für mich erst etwas später begonnen. Ich habe dank des schönen Wetters auf den Bus verzichtet und bin mit dem Fahrrad fahren. Der Unterricht lief wie gewohnt ab. Die Lehrer versuchen, an das Homeschooling anzuknüpfen, was mal besser und mal schlechter funktioniert. Was auffällt ist, dass die Lehrer mittlerweile zum Ende der Stunde Sachen sagen wie "Hoffentlich sehen wir uns nächste Woche noch" oder "mal schauen, wie es weitergeht".

An diesem Tag hatte ich das erste Mal seit mehreren Monaten Nachmittagsunterricht. Ich bin auch gut ohne ihn ausgekommen. Mit Freunden habe ich mich in unserem Schulpark getroffen, wobei Lehrer kontrolliert haben, ob wir auf Abstand saßen. Es ist schade, nicht einfach in ein Café sitzen zu können und gemeinsam zu lernen.

Als ich am Nachmittag daheim angekommen bin, bereitete ich mich für die nächsten Tage vor, denn aktuell ist Klausurenphase. Jeder ist etwas mehr gestresst als sonst.

Mittwoch:
Der Tag hat wieder etwas später begonnen. Der Unterricht verlief normal und mir gefällt es, dass wir nun öfters Pausen zum Lüften und Bewegen machen, denn das habe ich auch im Homeschooling immer getan.

In der Pause habe ich meinen bestellten Chip abgeholt, mit dem ich in der neu eröffneten Mensa Mittagessen kaufen kann, ohne Geld dabei haben zu müssen. Die App für den Speiseplan habe ich schon heruntergeladen.


Heute hatte ich außerdem Schule bis 17 Uhr, was mit 30 Leuten in einem kleinen Raum und FFP2-Maske, wirklich anstrengend wird. Einzelne Lehrer kennt man nur aus dem Online-Unterricht und an Sätzen wie: "Jetzt sehe ich euch auch mal (wieder) in echt" ist man gewöhnt.

Donnerstag:
Die Woche ist durch die unterschiedlichen Tage bisher sehr schnell vergangen. An diesem Tag haben wir wieder eine Klausur geschrieben. Danach ging es draußen in die Pause. Drinnen ist das Essen und Trinken weiterhin verboten. Es war ein komisches Gefühl, über den Schulhof zu laufen und Grüppchen mit drei Leuten entfernt voneinander im Kreis stehen zu sehen. Außerdem ist der Hof extrem leer, da nur die Stufen 10, 11 und 12, also die Abschlussklassen, Präsenz haben.
Die nächsten beiden Unterrichtsstunden fanden im sogenannten "Grünen Klassenzimmer" statt, einem Bereich im Schulwald, der vom Aufbau einem kleinen Colosseo ähnelt. Es macht Spaß, dort zu sein. Gegen Nachmittag kam eine Mail meiner Sportlehrerin. Selbst die Sportkurse, die bisher als Ausnahme galten, sollen wieder stattfinden.

Wir trainieren für den 30-Minuten-Lauf und einen Fitnesstest. Im Februar veranstaltete das Kolleg die "Kolleg kontert Corona-Koller-Aktion", die dafür sorgte, dass sich jeder Schüler sportlich betätigte. In verschiedenen Kategorien wie Fahrrad fahren, Langlaufen, Jonglieren oder Liegestütze konnten wir Punkte sammeln. Meine Stufe 11 war sehr erfolgreich, worauf wir ganz stolz waren.

" Die Lehrer schienen aufgeregter als die Schüler. "

Freitag:
Heute erhielten wir eine spannende Nachricht. Ab kommenden Montag sollte eine Testpflicht für alle Lehrkräfte und Schüler gelten. An diesem Morgen fand die Generalprobe statt, damit am Montag alles reibungslos abläuft. Die Lehrer schienen aufgeregter als die Schüler. Jeder erhielt ein Schnelltest-Set und wurde angeleitet, was zu tun sei. Der Vorgang klappte bei den meisten, andere hatten es nicht genau ausgeführt und einen ungültigen Test erhalten.

Nach einer halben Stunde ging der Unterricht weiter. Als es zur Nachmittagspause klingelte, lief ich gespannt in die neue Mensa. Lehrer und Schüler stellten sich an, hielten ihren Chip vor und setzen sich an die verteilten Einzeltische. Es war ein seltsames Gefühl, wie in einem Klassenzimmer zu essen und sich nicht mit Freunden austauschen zu können. Die Gerichte, eins davon vegetarisch oder vegan, sind sehr zu empfehlen.

Jedem an der Schule ist bewusst, auf was für eine schwierige Situation man sich einstellen muss. Alle versuchen, das Beste daraus zu machen.
Ich persönlich bin froh, wieder durchgehend im Präsenzunterricht zu sein, wobei die Schultage aufgrund der Maßnahmen und Klausurenphase sehr anstrengend und fordernd sind.