Wintersport

Snowkiten am Feldberg kommt dem Traum vom Fliegen sehr nah

Marcia Hapig

Wenn die Lifte nicht öffnen, muss man eben umdenken. Oder ein Hobby haben, das abseits des Trubels funktioniert. Sknowkiten ist eine Trendsportart, die Wind und Schnee benötigt – und am Feldberg ausgeübt wird.

Geschlossene Liftstationen, verlassene Skigebiete – Rückblick auf einen schneereichen aber einsamen Winter 20/21? Ganz im Gegenteil! Der pandemie-bedingte Ausfall der normalen Saison hat den Wintersport im Schwarzwald keineswegs lahm gelegt. fudder-Autorin Marcia Hapi berichtet von einer beeindruckenden Trendsportart, die sich diesen Winter besonders durchgesetzt hat: dem Snowkiten.

Eine Sportart, die Freiheit neu definiert

Kaum ist der 1449 Meter hohe Seebuck erreicht, sieht man auch schon die ersten bunten Drachen aufsteigen, an bis zu 25 Meter langen Leinen füllen sich die leichten Schirme mit Wind und entfalten ihre volle Größe. Auf Skiern und Snowboards gleiten die Snowkiter über die freie Fläche, hier im "Grübele" zwischen Feldberggipfel und Seebuck dürfen sie ihre Leidenschaft ausleben.



Was auf den ersten Eindruck chaotisch wirkt, zeugt nach kurzer Beobachtung von respektvoller Rücksicht, Kontrolle und Verstand – wer hier mitfährt, hat sein Handwerk gelernt. "Kitesurfen 2.0" – so bezeichnet Katrin Menke, Snowkitelehrerin der Kiteschule Skywalker am Feldberg, das Erlebnis, wenn dein Board abseits überfüllter Skipisten und dem Touristentrubel über den frisch gefallenen Schnee gezogen wird. Statt ratternder Skilifte nur du und dein Kite. Eine Sportart, die Freiheit neu definiert.

Mühelos und spielerisch

Nicht wenige Snowkiter berichten davon, dass man sich dem Himmel näher fühle als der Erde, der "Traum vom Fliegen" übt auf wintersportbegeisterte Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen eine starke Faszination aus. Mühelos und spielerisch, so scheint es, lassen sich die Kiter von ihren Schirmen nicht nur die Hänge hinauf, sondern in die Luft ziehen, mehrere Meter schweben sie über dem Schnee.

Markus Feifel, 31, aus Freiburg, seit mehreren Jahren begeisterter Kitesurfer und Snowkiter, erzählt, wie lange es dauert, dieses Level zu erreichen. Er selbst hat das Kiten hier am Feldberg gelernt. Wer bereits ein guter Ski- oder Snowboardfahrer sei, bringe zwar schneetaugliche Voraussetzungen mit, solle sich davon jedoch nicht täuschen lassen. Einen Kite zu kontrollieren und zu führen ist mit keiner anderen Sportart zu vergleichen, daher startet jede Snowkite-Karriere auch erst einmal ohne Bretter unter den Füßen.

Gefühl und Kontrolle gewinnen

Wer vom Kitesurfen käme, habe hier entscheidende Vorteile. Wie reagiert der Schirm im Wind, was passiert wenn ich ihn weiter nach rechts oder links lenken will, mit welcher Kraft zerrt der Wind an den bis zu 15 Quadratmetern Stoff, an den Leinen, am Hüftgurt und damit an mir selbst? Anfänger starten mit kleineren Schirmen (6 bis 9 Quadratmeter), ein paar Schritte nach vorne, ein paar Schritte zurück – um das Gefühl und vor allem die Kontrolle über den Kite zu erlernen bedarf es einiger Übung.

Zudem sind die Wetterbedingungen in höheren Lagen oft unberechenbar und ändern sich beständig: Auf dem Wasser sei der Wind meist konstanter, so Feifel, am Berg hingegen gebe es öfter Böen und Verwirbelungen, die eine zusätzliche Herausforderung darstellten. Bei Nebel gilt Fahrverbot. Auch Stürze seien auf der Wasseroberfläche eindeutig angenehmer als auf Schnee oder vereisten Flächen. Um neue Sprünge auszuprobieren oder überhaupt einmal "vom Boden abzuheben" eigne sich das Kitesurfen daher besser, auch weil das Brett hier nur mit Schlaufen an den Füßen befestigt werde und sich daher leichter "abschütteln" ließe.

Norwegen als Hochburg der Snowkiter

Das Anspruchsvolle beinhalte natürlich gleichzeitig den Nervenkitzel, meint Feifel – das Gelände in den Bergen kann sich ein guter Snowkiter zu Nutze machen und mit einbeziehen. Bis zu 112 Kilometer pro Stunde erreichen die Profis, so der bisherige Rekord, zwar nicht am Feldberg, aber auf weiter Fläche. Auch Meisterschaften und Wettkämpfe gibt es bereits – beispielsweise das Red Bull Ragnarok in Norwegen, das auch dieses Jahr wieder stattfinden soll. Norwegen gilt als Hochburg der Snowkiter: In dem Hardangervidda-Nationalpark, rund 250 Kilometer nördlich von Oslo erstrecken sich sanft geschwungene Hügel auf einem riesigen Hochplateau, die ideale Landschaft für den Extremsport.

Die Veranstaltung zählt angeblich zu den größten Snowkite-Wettbewerben der Welt, 400 Kiter kämpfen hier über eine Rennstrecke von 15 bis 30 Kilometer um den Sieg. Zum Vergleich: Mit 20 Snowkitern ist der Feldberg quasi schon voll. Seit 2004 existiert die Kiteschule am Feldberg und freut sich über beständigen Zuwachs an interessierten Wintersportlern und solchen, die es werden wollen.

Trotz des wachsenden Interesses gebe es bisher nur wenige Orte, an denen die Snowkiter geduldet werden, so Feifel. Im Schwarzwald sei das am Feldberg und am Schauinsland der Fall – an beiden Orten herrschen strenge Vorschriften und Begrenzungen für die Fahrer. Er selbst ist mit der Auswahl jedoch vollends zufrieden, der Feldberg eigne sich aufgrund seiner abgeflachten Kuppe und des fehlenden Bewuchses besonders gut, zudem kann hier bei jeder Windrichtung gekitet werden. Dann stehen ihm bis auf die Entscheidung, welchen seiner vier Kites er vom Parkplatz bis nach oben tragen will, keine weiteren Hindernisse im Weg. Für viele Freiburger ist es ein wahrer Traum so nah am Schwarzwald zu leben. Nur das Meer fehle – für die Sommersaison und das Kitesurfen.

Daher drücken wir nicht nur Markus Feifel, sondern auch uns allen die Daumen, dass wir diesen Sommer wieder reisen können. Vielleicht ja, um mit der Vorbereitung für eine faszinierende neue Wintersportart anzufangen.

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