Club der Freunde

Tabus

Selbstversuch: Wie reagiert Freiburg auf Rülpser und Fürze in der Öffentlichkeit?

Das Geräusch des Furzes durchbricht die Stille in der Freiburger Uni-Bibliothek. Aber wie reagieren die Studierenden? Unser Autorenteam wagt den kontrollierten Tabubruch.

Jede Gesellschaft hat ihre Tabus und bricht sie wieder, das ist Teil einer jeden Gemeinschaft. Wie aber sprechen wir über das Unaussprechliche, wer macht den Anfang, und was passiert, wenn man ein Tabu bricht? Damit haben sich zehn Studierende des Masterstudiengangs Deutsch-Französischer Journalismus am Frankreichzentrum der Uni Freiburg beschäftigt und das Wochenendmagazin der Badischen Zeitung gestaltet.
Wir stehen vor einem Aufzug in der Freiburger Universitätsbibliothek. Neben mir wartet ein Student. Er weiß noch nicht, dass er gleich mein Versuchsobjekt wird. Ich bin aufgeregt. Ich blicke ihn an, ein kurzes Hallo, dann gehen die Türen auf. Kaum ist er im Fahrstuhl, schaut er mit gesenktem Kopf auf den Boden. Ich beobachte ihn und nehme noch einmal einen großen Schluck aus meiner Colaflasche. Normalerweise stehe ich in Aufzügen einfach stumm und versuche Blickkontakte zu vermeiden. Heute nicht.
Plötzlich fühle ich, wie die Luft in meinem Brustkorb emporsteigt. Ich mache den Mund auf, ein Rülpser entgleitet. Mein Gegenüber zieht sein Handy heraus und tippt hastig darauf herum. Sonst keine weitere Reaktion. Komisch, denke ich mir; aber vermutlich ist das Herumtippen auf seinem Handy eine Strategie, um der unangenehmen Situation, die ich soeben verursacht habe, zu entgehen. Der Aufzug hält in der dritten Etage und wir verlassen den engen Raum. Nach ein paar Schritten drehe ich mich noch einmal um und beobachte, wie der Student einen anderen Aufzug nimmt. Habe ich ihn mit meinem Rülpser so aus dem Konzept gebracht, dass er vergessen hat, in welchem Stockwerk er aussteigen wollte?
Warum tun wir uns so schwer, das Menschliche einfach mal rauszulassen?
Mein Rülps-Experiment besteht natürlich keinen Knigge-Kurs, aber für mein Projekt ist es notwendig. Grundsätzlich würde ich mich als charmanten und zuvorkommenden Franzosen beschreiben, der sich an alle Normen der Gesellschaft hält. Doch diese Woche schlüpfe ich in eine andere Rolle. Ich mache einen Selbstversuch, rülpse und furze in der Öffentlichkeit. Eine Frage steht dabei im Mittelpunkt: Warum tun wir uns so schwer damit, das allzu Menschliche einfach mal rauszulassen?
Nur die Peinlichkeit, die Scham? Jeder ...

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