Club der Freunde

Bollschweil

Selbstversuch: Wie idyllisch ist das Leben eines Schafhirten?

Schäferalltag zwischen Klischee und Realität – Louis Groß wollte ihn erleben. Bei Schäfer Edgar Engist in Bollschweil merkte unser Mitarbeiter schnell: Der Alltag ist ziemlich unromantisch.

Sonnenschein badet die Wiese in hellem Licht. Ein Bach plätschert in der Nähe. Ich sitze an einen Baumstamm gelehnt im Schatten. Den Hut tief ins Gesicht gezogen, beobachte ich Pfeife paffend die Herde. Der Hirtenstab liegt quer über meinem Schoß. Gras streichelt meine nackten Waden. Es ist ruhig, ich bin eins mit mir und der Natur und sinniere über das Leben. So, oder so ähnlich, muss es sich anfühlen, ein Schäfer zu sein – zumindest in der Vorstellung.
"Ich wusste schon als kleiner Kerl, was ich werden wollte." Edgar Engist Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ich sitze in einem Schuppen. Es ist dunkel, von außen fällt kaum Licht herein. Die Luft ist feucht und kühl. Außerdem riecht es ein bisschen nach Hühnerkacke. Mir gegenüber sitzt Edgar Engist – Schäfer seit mehr als 40 Jahren. Dichter grauer Bart, wettergegerbtes Gesicht, klare wasserblaue Augen. Er trägt eine lederne Jacke und einen breiten grünen Hut, an dem mehrere Federn stecken. Optisch könnte er einem Roman entsprungen sein.
Unweigerlich erinnere ich mich an ...

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