Club der Freunde

Einsamkeit

Selbstversuch: Wie ich versuchte, einsam zu werden − 5 Tage lang

Unser Autor hat sich fünf Tage lang in seiner Studentenbude eingesperrt. Was er während dieser Zeit lernte, hat ihn schwer beeindruckt.

Halb eins, Mittwochfrüh. Ich sitze in einer Kneipe im Stühlinger und leere ein letztes Glas. Meine Freunde stehen schon draußen, ich trete in die Dunkelheit, um mich von ihnen zu verabschieden. Dann gehe ich heim und denke an die verrückte Idee, auf die ich mich eingelassen habe. Für fünf Tage werde ich mich in meiner Haslacher Wohnung einsperren. Keinen Menschen werde ich treffen, ansprechen oder anrufen. Keine SMS werde ich versenden. Kein Facebook werde ich nutzen, kein Twitter, kein Whatsapp, kein gar nichts.
Ich habe beschlossen, einsam zu werden.
Nach Hause ist es nicht weit. Aber mein Zuhause ist kein Vierzimmerapartment mit zwei Bädern und riesiger Dachterrasse, sondern ein schlichtes Studentenzimmer in Haslach. Ich wohne im sechsten Stock eines kleinen Hochhauses. In meiner zwanzig Quadratmeter kleinen Wohnung fühle ich mich gleichzeitig eingeengt und frei. Über der Decke liegt immerhin der Sternenhimmel, Badezimmer, Schlafzimmer und Küche drängen sich in einen Raum.
Vorbild aus Japan
Auf dem Heimweg versuche ich mir vorzustellen, ob dieser Selbstversuch schwierig wird. In Japan sperren sich manche Menschen manchmal mehrere Jahre in ihr Zimmer ein. Hikikomoris werden sie genannt. Meistens handelt es sich um Studierende, die sich nicht integrieren können in ein elitäres wie hierarchisches System. Dort beschäftigt sich der Journalist Ishikawa Kyoshi seit 2000 mit diesem Problem. Für das Jahr 2015 schätzt er die Zahl der einsam lebenden Hikikomoris auf mehr als eine Million Menschen. Meistens wurden diese Menschen schikaniert, sie wurden Opfer von Mobbing in Schule und Arbeit. Nach mehreren Jahren in Einsamkeit verfallen sie oft in eine Depression oder werden schizophren.
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