Kreativität

Selbstversuch: Wie entspannend selber töpfern sein kann

Anna Castro Kösel

Irgendwann kann man nicht mehr auf Bildschirme starren, sondern muss etwas Kreatives tun. Das geht prima mit dem Töpfer-Set von der Keramikwerkstatt der Fabrik. fudder-Autorin Anna Castro Kösel erzählt von ihrer Töpfer-Erfahrung.

Spoiler-Alert: Töpfern macht Spaß. Vor allem ist es nach dem ganzen Netflix-Schauen, Online-Uni und stundenlangem Handy-Konsum eine Wohltat, mal wieder etwas mit den eigenen Händen zu kreieren. So viel schon mal vorweg.

Die Keramikwerkstatt in der Fabrik hat die Idee, kreativen Menschen, die Möglichkeit zu geben, sich trotz Corona, auch ohne Töpfer-Kurs, die Töpfer-Werkstatt nach Hause zu holen. Ich habe schon lange nicht mehr getöpfert und bin gespannt auf den Selbstversuch. Ob ich das noch kann? In dem Töpferset der Keramikwerkstatt findet man zwei viereckige Stücke Ton, zwei Pinsel, vier Säckchen Pulver-Farbe, eine Töpfernadel, ein Schwämmchen und eine Modellierschale. Ziel des Töpfersets ist es, eine Schüssel oder einen Teller selbst zu gestalten. Mithilfe einer Videoanleitung wird mir als Digital Native, die (ich bin ehrlich) manchmal schon mit dem Zusammenbau von Ikea-Möbeln überfordert ist und die letzten Monate fast nur vorm PC saß, erklärt, wie die verschiedenen Materialien des Sets anzuwenden sind. Nachdem ich tausendmal auf "Stopp" gedrückt und mir wieder und wieder die Stellen angeschaut habe, fange ich endlich an, das viereckige Tonstück zu bemalen.

Es muss nicht immer alles perfekt werden

Von den vier Farben Blau, einem Mint- und einem Olivgrün, sowie einem Braun, wähle ich die blaue Farbe als Grundierung. Als die Farbe angerührt ist, male ich einfach drauf los. Ein schönes Gefühl, einmal nicht darüber nachdenken zu müssen, ob etwas richtig oder falsch ist, denn beim Pinseln kann man nicht viel falsch machen. Daraufhin föhne ich die Farbe trocken, bis die Tonplatte nicht mehr glänzt. Nun kommt erstmal der etwas herausfordernde Teil: Blätter finden. Anfang März sind die meisten Bäume noch kahl, sodass ich etwas länger suchen muss, bis ich ein paar schöne Blätter entdecke. Mit ihnen wird nämlich der Boden des Tellers gestaltet. Als die Blätter gefunden sind, drücke ich sie mithilfe eines Nudelholzes an die blau-grundierte Tonplatte fest. Darauf kommt wieder eine Farbschicht, mit einer anderen Farbe, denn das Blättermuster muss nachher durchscheinen.

Nach einer erneuten Föhn-Session müssen die Blätter vorsichtig herausgelöst werden. Weil ich ein wenig ungeduldig war und die Blätter nicht richtig an den Ton gedrückt habe, ist die Farbe unter die Blätter gelaufen und die Farben haben sich ein bisschen vermischt. Nicht so schlimm, sage ich mir, es muss nicht immer alles perfekt werden. Auch eine wichtige Lehre der Handarbeit. Nach und nach merke ich, dass ich mich entspanne und mein Kopf aufhört zu grübeln. Während des Töpferns gelingt es mir endlich, ein wenig zumindest, abzuschalten. Auch ein schöner Nebeneffekt. Nachdem alles getrocknet ist, drücke ich die Ton-Blätter-Platte in die Modellierschale, um sie zu einer Schüssel zu formen. Es ist ein bisschen schade, dass so viel Ton und Farbe übrigbleibt.

Geduld gefordert

Daher ein Tipp: Verwendet nicht das ganze Farb-Pulver, dann müsst ihr es beim Aufräumen nicht wegschütten und könnt es bei eurem nächsten Töpfer-Gelage verwenden. In dem Video-Tutorial der Keramikwerkstatt gibt es noch die Idee, einen Igel, eine Rose oder eine Raupe auf einem Blatt zu kreieren, die als Verzierung an die Schüssel gedrückt werden können. Ich entscheide mich für die Rosen. Die sind etwas knifflig, weil sie nicht immer so edel aussehen, sondern oft eher einer Schnecke ähneln. Dabei ist Geduld gefragt. Nach einigen Anläufen klappt es aber doch und ich drücke die Rosen am Rand meiner kleinen Schüssel fest. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Das war gar nicht schwer.

Wer Sorgen hat, nicht begabt genug zu sein: Müsst ihr nicht. Das Töpfer-Set, sowie die Anleitung der Keramikwerkstatt ist sehr verständlich erklärt. Letztlich ist es die Überwindung, einfach loszulegen und keine Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Das Schöne am Künstlern ist außerdem, dass die kreative Stimmung ansteckend ist. So macht dann auch meine Schwester mit dem zweiten Ton-Stück einen wunderschönen Teller. Wir beide sind zufrieden, die Bildschirme verlassen und etwas Eigenes gestaltet zu haben.

Jetzt müssen unserer Werke nur noch gebrannt werden. Mit dem Brenngutschein, der in dem Set enthalten ist, kann man unter der Woche ab 10 Uhr seine Werke in den Vorraum der Keramikwerkstatt stellen und sie nach zehn Tagen abholen. Mein Fazit zu diesem Selbstversuch ist: Das sollte ich, das sollten wir, viel öfter machen. Denn: Selbermachen tut einfach gut.
Infos

Wo bestellen? Bei der Keramikwerkstatt in der Fabrik. Hier gibt’s Infos (Nicht ganz billig, aber es lohnt sich. Außerdem habt ihr danach ein oder zwei neue, selbstgemachte Teller oder Schüsseln im Schrank)

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