Kundgebung

Seebrücke demonstriert gegen Leid an der türkisch-griechischen Grenze

Anna Castro Kösel

Neben der Corona-Aufregung geht sie fast unter: Die dramatische Situation an der türkisch-griechischen Grenze. Der Freiburger Verein Seebrücke hat mit einer Kundgebung am Dienstagabend auf das Leid aufmerksam gemacht.

In Griechenland herrscht Chaos an der Grenze. Flüchtlinge werden mit Tränengas davon abgehalten, in die EU zu gelangen, von der anderen Seite kommt kaum Hilfe. Um auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen, veranstaltete die Seebrücke Freiburg am Dienstagabend eine Spontankundgebung.


Der Anlass

"Wir sind heute hier, weil wir wütend sind" , sagt Michi, Medizinstudentin und Mitorganisatorin der Seebrücke Freiburg. "Das heutige Europa ist kein Friedensprojekt mehr. Nach fünf Jahren Abschottung und Ignoranz sollte sich die EU für Menschenrechte entscheiden, anstatt weiter wegzuschauen." Mehr als 200 Demonstrantinnen und Demonstranten haben sich auf dem Platz der Alten Synagoge zusammengefunden, um gegen die Situation an der griechisch-türkischen Grenze zu demonstrieren. Mit Plakaten wie "Sei kein Horst" klagen sie auch die Rolle deutscher Politiker wie Horst Seehofer an.

Der Kundgebung

Die Redebeiträge machen eindringlich klar: Die Situation in Griechenland ist ernst. "Wer flieht, hat keine andere Wahl. Wer flieht, verlässt sein Land, weil es dich nicht bleiben lässt" heißt es in einer Rede. Es gibt viele betroffene Gesichter, die Anteilnahme an dem Schicksal der Flüchtlinge nehmen. Immer wieder gibt es Sprechchöre : "Say it loud, say it clear, refugees are welcome here!"
Die Organisatorinnen und Organisatoren sind empört über die EU und deren Untätigkeit: "Freiburg hat, so wie viele andere Städte und Kommunen klar gemacht, dass es bereit ist, Flüchtlinge aufzunehmen, dann lasst es doch auch zu", sagt Michi.

Obwohl die Hilflosigkeit in der Luft liegt, möchten die Organisationsteam der Seebrücke zum Schluss noch zeigen, was man selbst tun kann. "Es ist wichtig seinem Umfeld klarzumachen, dass es nicht okay ist zu sagen , dass unsere Grenzen geschützt Grenzen werden müssen", sagt Seebrücke-Mitorganisatorin und Lehramtsstudentin Ronja. Wichtig sei es, sensibel zu sein und menschenfeindliche und rassistische Äußerungen in seinem Umfeld zu erkennen und anzusprechen. Auch Wörter wie "Flüchtlingswelle" oder "Flüchtlingsströme" sollten vermieden werden. Sie suggerieren, dass Flüchtlinge eine bedrohliche, hereinbrechende Naturgewalt seien, was die Wahrheit stark verzerrt und Ängste schürt, so Ronja. Auch aktiv auf Social Media Beiträge teilen und Aufmerksamkeit für das Thema schaffen, sei ein wichtige Schritt, sowie an eine seriöse Organisation zu spenden oder selbst vor Ort aktiv zu werden.

Die Organisatorinnen und Organisatoren

Die Seebrücke Freiburg organisiert vor Ort Aktionen und Mahnwachen zum Thema Seenotrettung. Georg Albiez, Mitbegründer der Seebrücke Freiburg, nahm selbst an Einsätzen der "Mission Lifeline" teil. Auch die Organisatorin Michi hat eigene Erfahrung in Flüchtlingsunterkünften gemacht. Im Sommer 2018 arbeitete sie auf Lesbos als Freiwillige . "Abends saßen wir zusammen mit den Flüchtlingen. Man hat zuerst gar nicht gemerkt, wer wer ist. Innerhalb eines Wimpernschlages änderte sich dann alles, wenn jemand erzählte, dass ein Familienmitglied am vorigen Tag in Syrien ermordet wurde. Da wurde mir klar, wie groß der Kontrast ist. Ich konnte wieder ins sichere Deutschland, während die anderen auf Lesbos bleiben mussten." Als Michi von ihren Freiwilligenaufenthalten zurückkam, fasste sie den Entschluss, sich auch politisch zu engagieren. "Das Problem ist gewollt. Deutschland schaut weg und muss endlich Verantwortung übernehmen. Ich möchte mich dafür einsetzen, damit sich endlich etwas ändert."
An diesen Stellen in Freiburg kannst du aktiv werden

Auch zum politischen Engagement gibt es in Freiburg viele Möglichkeiten: So kann man sich im Bereich der Seenotrettung in Organisationen wie der Seebrücke und Resq-Ship engagieren. Das Medinetz setzt sich für illegalisierte Menschen ein. Die Uni für alle engagiert sich für Geflüchtete, die sich für ein Studium interessieren. Über den Tellerrand organisiert Kochevents, um verschiedene Kulturen mit einandern zu verbinden. Bike Bridge möchte geflüchteten Mädchen und Frauen durch Radtraining und Reparaturworkshops mentale Stärkung und verbesserte Mobilität ermöglichen. Die Initiative Schlüsselmensch vermittelt Patenschaften zwischen Studierenden und geflüchteten Kindern, wobei zum Beispiel bei den Hausaufgaben geholfen werden kann. Bei Start with a Friend bei dem Tandems zwischen Geflüchteten und Einheimischen vermittelt werden.

Am Samstag, 7. März um 11 Uhr findet auf dem Platz der Alten Synagoge wieder eine Kundgebung der Seebrücke statt.