Uni Freiburg

SDS Freiburg kritisiert GeKo für Umgang mit Studierenden

Eyüp Ertan

Studierende der Gruppe "Die Linke.SDS Freiburg" haben ein 38-seitiges Papier veröffentlicht, in dem Studierende anonym von schlechten Erfahrungen beim Prüfungsamt der Uni berichten. Diese kritisiert die Art der Veröffentlichung.

Die Gemeinsame Kommission der Philologischen und der Philosophischen Fakultät (GeKo), bei Studierenden auch "Prüfungsamt" genannt, wird von vielen Studierenden gefürchtet. Nun wird das Kapitel Studierendenschaft versus GeKo um ein Kapitel erweitert. Der Studierendenverband "Die Linke.SDS Freiburg" hat ein 38 Seiten langes Papier herausgebracht, in dem unter dem Titel "Angst" sowohl Erfahrungsberichte gesammelt als auch Forderungen an die GeKo formuliert worden sind.


Luna (21) und Roberto del Aurel (24) sind Teil einer zwölfköpfigen Gruppe des SDS, die seit vergangenem Sommer an dem Papier gearbeitet hat. Es wurde bereits im November als PDF veröffentlicht, ist aber erst jetzt verbreitet worden. Der Sozialistisch-demokratische Studierendenverband (kurz: SDS) ist an mehr als 50 Hochschulen in ganz Deutschland aktiv. Die Linke.SDS Freiburg ist Teil dieses Bundesverbandes. Luna, die eigentlich anders heißt, will ihren Namen nicht in Verbindung mit dem GeKo-Papier sehen. Sie hat sowohl an der Umfrage teilgenommen, als auch an der Kampagne mitgearbeitet und studiert ein an der GeKo angesiedeltes Fach – und hat daher Angst vor möglichen Problemen mit der GeKo. Auch andere Studierende, die fudder befragt hat, wollten sich nicht namentlich äußern, auch sie befürchteten, die GeKo könnten ihnen administrative Probleme bereiten. Luna sagt: "Ich war froh, anonym und in einem sicheren Rahmen meinen Frust äußern zu können."
GeKo

Die GeKo ist die gemeinsame Kommission der Philologischen und Philosophischen Fakultät. Unter dem Dach der GeKo versammeln sich knapp 50 Fächer, deren Administration bei der GeKo zusammenläuft. Die GeKo ist zum einen für fachspezifische Studienberatung zuständig, zum anderen für die Prüfungsverwaltung der jeweiligen Fächer. Ihr Vorsitzender ist Dietmar Neutatz.

Die Linke.SDS Freiburg hat im vergangenen Sommer eine Online-Umfrage durchgeführt, an der laut eigenen Angaben 147 Studierende fächerübergreifend teilgenommen haben. Dabei wurde einerseits gefragt, wie Studierende den Kontakt zur GeKo bewerten würden. Die Teilnehmenden haben der GeKo eine Durchschnittsnote von 1,7 gegeben – wobei die Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) reichte. Zum anderen hat der SDS die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in einer neutralen Fragestellung um Erfahrungsberichte gebeten. Diese anonymen Berichte haben es in sich. "Die GeKo jedoch ist kaum studierendenfreundlich, sondern unfreundlich, und wenig hilfsbereit bis hin zu aktiv studiumsbehindernd (Verweigerung von Auskunft, Machtspiele, feindlicher Tonfall in der Telefonsprechstunde)", heißt es in einem der Berichte. In einem anderen steht: "Der [Mitarbeiter, d. Red.] aus der GeKo schrie direkt, bevor ich überhaupt fertig war, von meinem Problem mit einer nicht bestandenen Prüfung zu erzählen. Er meinte, ich zitiere, "wenn zu blöd zu studieren" dann solle ich doch lieber abbrechen. Ich hab die Tränen bis ich aus dem Zimmer war zurückhalten können."

Betroffene sollen geschützt werden

Immer wieder tauchen zwei Namenskürzel von Mitarbeitenden auf. Luna und Roberto del Aurel erzählen, dass im Entstehungsprozess des Papiers intern wiederholt diskutiert worden sei, ob und wie diese Mitarbeitenden der GeKo wiedergegeben werden sollten. "Es gab vor der Veröffentlichung Kritik, dass die Namen genannt werden, weil dadurch der Fokus auf den Personen liegt und eben nicht auf den strukturellen Problemen", sagt Luna. "Wir wollten die Betroffenen schützen und nicht die Täter und Probleme aussparen", fügt Roberto del Aurel hinzu, der bis August 2020 gewähltes Mitglied im Bundesvorstand des SDS war.

"Wir haben nicht das Gefühl, bei der GeKo würde zu langsam gearbeitet werden oder die dort Arbeitenden wären inkompetent", sagt Roberto del Aurel zum Entstehungsprozess, "aber die Teilnehmenden haben davon erzählt, dass sie heulend aus der GeKo rauskommen. Die krasse Angst runtergeputzt werden ist katastrophal. Deshalb haben wir den Titel ’Angst’ gewählt." Die 21-jährige Luna führt aus: "Wir sind der Meinung, dass die GeKo unterbesetzt ist und viele Probleme angegangen werden könnten, wenn mehr Personen dort arbeiten würden." Die GeKo ist zuständig für administrative und prüfungsrelevante Fragen. Wer Leistungen beispielsweise aus einem anderen Studium oder einer anderen Universität anerkannt haben möchte, muss ebenso zur GeKo wie Studierende, die von einer Prüfung zurücktreten wollen.

Ein Blick auf die Forderungen des SDS zeigt, dass sich die Gruppe Gedanken gemacht hat, wie sie sich eine andere GeKo vorstellt. Kernziele lauten dabei "Umgang mit Studierenden", "Zugänglichkeit" und Demokratisierung. Neben mehr Respekt und personellen Veränderungen fordert der SDS auch klarere Strukturen und eine bessere Webseite. So soll auch der GeKo ermüdende Arbeit erspart werden. Das Thema wurde vergangene Woche auch in einer digitalen Vollversammlung der betroffenen Studiengängen debattiert und weitere Vorgehensweisen besprochen. Dort nahmen rund 80 Studierende teil.

Prüfungsamt irritiert von der Veröffentlichung

Und was sagt die Universität dazu? Dietmar Neutatz, Dekan der Philosophischen Fakultät und Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission, zeigt sich in einer schriftlichen Stellungnahme auf Nachfrage irritiert vom Schriftstück des SDS. "Es vermischt berechtigte Kritik mit verletzenden Unterstellungen", so Neutatz. Neutatz schreibt auch von einer Aussprache zwischen ihm und dem SDS zu Beginn des Wintersemesters – diese wurde vom SDS ebenfalls erwähnt –, bei der vereinbart worden sei, "sachlich begründeten Beschwerden nachzugehen sowie Probleme, die offensichtlich im persönlichen Kontakt zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der GeKo und Studierenden entstanden sind, auszuräumen und künftig zu vermeiden". Neutatz fragt aber auch: "Soll der begonnene konstruktive Dialog nun durch polemische Verzerrungen torpediert werden?" Ferner bemängelt der Dekan, dass der SDS in seinen Forderungen nicht zwischen Verwaltungsebene und Prüfungsausschuss unterschieden hätte – bewertet aber "etliche der von den Studierenden geäußerten Vorschläge" als "durchaus bedenkenswert."

"GeKo-intern wird daran gearbeitet, diejenigen Bereiche zu identifizieren, in denen Verbesserungen notwendig und möglich sind", führt Neutatz aus – merkt aber gleichzeitig an, dass wegen der seit fast einem Jahr andauernden Pandemie der Zeitpunkt für Veränderungen "denkbar ungünstig" sei. Abschließend schreibt Neutatz: "Situationen, die von Studierenden als verletzend empfunden werden, müssen vermieden werden. Wir erwarten aber zugleich, dass polemische öffentliche Angriffe und Unterstellungen unterbleiben." Denn alle Mitglieder der universitären Gemeinschaft wünschten sich einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander – und in diesem Sinne wolle das Prüfungsamt den Dialog auch weiterführen.