Porträts

Schrebergartenbesitzer: "Die Gärten im Kleineschholz sind eine grüne Oase "

Jennifer Fuchs

Mitten im Stühlinger befinden sich die Schrebergärten "Kleineschholz". Die grüne Gartenanlage soll ab Oktober 2021 geschlossen werden. fudder hat bei den Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzern nachgefragt, wie es ihnen damit geht und was der Garten für sie bedeutet.

Benedikt, 33, selbstständig, Gartenbesitzer seit August 2020

Benedikt
"Die Gartengemeinschaft hier ist schon sehr besonders. Viele Gärten sind ein Freiraum für die Freiburger Subkultur und es entstehen viele solidarische Projekte. Zum Beispiel gibt es in einem Garten eine Fahrradwerkstatt oder es findet ein Gemüse- oder Pflanzentausch statt. Erfahrene Gartenbesitzer und Gartenbesitzerinnen geben ihr Wissen an die Nachbarn weiter und helfen zum Beispiel dabei, eine Hütte mit Solarzellen zu bauen. Als wir unseren total verwahrlosten Garten im letzten Jahr aufgeräumt haben, habe ich in der alten Hütte viel Werkzeug gefunden. Dies verleihe ich für andere Gartenbauprojekte und es findet somit ein Upcycling der alten Werkzeuge und Materialien statt. Ich verstehe die Kündigung der Gärten nicht. Seit vier Jahren sucht die Stadt Freiburg nach Freifläche für die Subkultur. Die Schrebergärten im Stühlinger sind eine große, grüne Fläche ohne direkte Anwohner und trotzdem relativ zentral. Hier könnte es Raum für Konzerte, Ausstellungen und Kultur geben."

Judith, 32, Buchhalterin, Gartenbesitzerin seit April 2021

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"Wir haben unseren geliebten Garten erst seit April 2021. Zwei Monate hat es gedauert, den damals komplett verwahrlosten Garten aufzuräumen und den ganzen Müll zu entsorgen. Die Mühe hat sich gelohnt. Jetzt haben wir einen wunderschönen grünen Ruheort, wo wir viel Zeit mit unseren Freunden verbringen. Allerdings kam Ende Juni per Brief der große Schock. Die Gärten im Kleineschholz sollen nur noch bis Oktober 2021 zur Benutzung frei gegeben sein. Uns wurde allerdings im April 2021 per Mail versichert, dass wir unseren Garten bis Ende 2022 nutzen dürfen. Wir hoffen sehr, dass sich die Schließung nochmals verschieben lässt und die Gärten nicht mehrere Monate unbenutzt brach liegen, wie zum Beispiel die Schrebergärten gegenüber vom Arbeitsamt. Zudem haben wir soviel Arbeit in unseren Garten gesteckt. Es ist sehr traurig, wenn wir ihn nur so kurze Zeit nutzen können."

Karima, 30, Bionikerin, Gartenbesitzerin seit April 2021

Karima
"Der Garten ist unsere Ruheoase, ein Ort, um in der Natur zu sein, ein eigenes Stückchen Land das mit Freunden und Bekannten geteilt werden kann. Außerdem gibt uns der Garten die wunderbare Möglichkeit, etwas Gemüse und viele Kräuter selbst anzubauen. Trauriger weise haben wir für Oktober 2021 eine Kündigung erhalten, der wir aber mit vielen anderen Gartenbesitzern widersprechen. Die Stadt hatte uns schließlich die Gärten noch bis Ende 2022 zugesichert. Wir haben am Anfang soviel Müll entsorgt und wirklich viel Arbeit in diesen Ort gesteckt. Es ist traurig und ärgerlich, dass wir den Garten jetzt nur wenige Monate nutzen dürfen. Wenn die Stadt tatsächlich plant, die Vorarbeiten für die Umsiedlung der Mauereidechsen vor dem Winter zu vollziehen, warum müssen wir dafür weichen? Das kann auch passieren, so lange wir die Gärten noch nutzen. Der Baubeginn für eine Wohnsiedlung wird erst in ein paar Jahren sein. Wir sind dagegen, dass die Gärten so lange brach liegen und verfallen."

Anna, 27, Pädagogin & Mo, 28, Gitarrenbauer, haben einen Garten seit Mai 2020

AnnaMo
"Die Gärten im Kleineschholz bilden eine grüne Oase mitten in der Stadt. Ein super Ausgleich zum ständigen ’Drinnensitzen’ - besonders während des Lockdowns. Zahlreiche Pflanzen wachsen hier wild und es gibt ein großes Insekten- und Tiervorkommen, die den Ort als Lebensraum nutzen. Vor allem auch für viele Pflanzen und Tiere- die unter Naturschutz stehen- wie zum Beispiel die Mauereidechse. Diesen Ort zu zerstören wäre ein Rückschritt im Sinne des Klimaschutzes und auch das Klima des Stadtteils würde sich verschlechtern, zum Beispiel in heißen Sommern stark erhitzen. Zudem würden große Flächen des Bodens zusätzlich versiegelt. Es ist auch fraglich, ob die neuen Pläne in Bezug auf Sozialbau tatsächlich langfristig bestehen bleiben, oder ob nach einigen Jahren die Wohnungen dem freien Markt überlassen werden. Die Gärten bieten Frei-und Lebensräume für viele unterschiedliche Menschen und Generationen und gehören zu den wenigen Orten, die noch erhalten sind und zum Freiburger Charme beitragen!"

Malu, 25, Studentin, Gartenbesitzerin seit März 2020

Malu
"Die Gärten hier sind ein Freiraum, aber auch eine Begegnungsstätte von verschiedenen Generationen. Ältere Gartenbesitzer geben ihr Wissen an die jungen Menschen weiter und es entsteht ein schöner Austausch. Seit dem Lockdown letzten Jahres habe ich zum Beispiel das Hobby Gemüseanbau hier für mich entdeckt und viel darüber gelernt. Als neues Projekt habe ich auch vor, einmal die Woche für die anderen Gartennachbarn zu kochen, quasi eine Art Soliküche mit unserem eigenen Gemüse. Zudem würde ich gerne einen Gemüseverteiler anbringen. Ich hoffe sehr, dass wir die Gärten vielleicht doch noch einige Monate länger nutzen können. Es sind Gemeinschaftsplätze, die es so in Freiburg leider nicht oft gibt."

Jan, 23, Student, Gartenbesitzer seit März 2020

Jan
"Ich teile den Garten mit Freunden von mir und es ist ein cooles Gemeinschaftsprojekt daraus geworden. Wir haben zum Beispiel ein Baumhaus gebaut und zwei kleinere Hütten. Am Anfang war es unglaublich viel Arbeit, den ganzen Müll aus den Gärten zu bekommen. Wir waren Wochen lang damit beschäftigt, aber jetzt haben wir einen ruhigen, wunderschönen Ort geschaffen. Die Ruhe und die Natur hier im Garten tut unglaublich gut und man kann super abschalten. Wie die anderen Gartenbesitzer hoffen auch wir, dass uns dieser Ort doch noch länger erhalten bleibt."

Nikita, 24, Student und Joshua, 24, Student, Gartenbesitzer seit Februar 2021

NikitaJoshua
"Freunde von uns hatten schon seit März 2020 einen Schrebergarten, den wir auch viel nutzten und seit Februar diesen Jahres kam unser Garten noch dazu. Zusammen mit Jan haben wir ein Baumhaus gebaut und uns viel handwerkliche Fähigkeiten angeeignet. Die Werkzeuge haben wir uns von den Nachbarn geliehen und das Material beim Aufräumen der verwahrlosten Gärten gefunden und wiederverwertet. Hoffentlich bleiben die Gärten doch noch länger bestehen, den wir haben soviel Arbeit hier reingesteckt und lieben diesen Ort."

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