Rummel in der Pandemie

Beim "Freiburger Herbstvergnügen" ist Schlange stehen angesagt

Simone Höhl

Die Herbstmess’ in Freiburg fällt aus – aber ein kleines bisschen Rummel gibt’s doch: Das Herbstvergnügen hat Fahrt aufgenommen. Die Menschen stehen Schlange – auch wegen des Corona-Konzepts.

Schon vor 14 Uhr hat sich auf dem Freiburger Messegelände eine lange Schlange gebildet: Junge Familien, Pärchen, Omas und Opas wollen am Samstagmittag zum "Freiburger Herbstvergnügen". Es beginnt mit der Bitte, immer Mundschutz zu tragen, mit Händedesinfektion, der Angabe der Kontaktdaten und 2 Euro Eintritt – dann geht’s durch den Zaun und rein ins "Vergnügen".


11 Fahr- und Belustigungsgeschäfte locken

Riesenrad und Zuckerwatte, Schießbude und Maskenpflicht: Die Veranstaltung ist eine kleine und corona-konforme Version der traditionsreichen Freiburger Herbstmess’. Rund 30 Schausteller und Marktkaufleute statt der sonst 120 haben ihre elf Fahr- und Belustigungsgeschäfte sowie Imbissstände aufgebaut. Dazwischen ist am Samstagmittag viel Luft. Maximal 500 Besucher gleichzeitig dürfen auf das umzäunte Gelände.

Zwei davon sind Ramona Klink und ihr sechsjähriger Sohn. Sie haben schon mit dem großen Kettenkarussell ihre Runden gedreht und Erfolg beim "lustigen Entenangeln" gehabt: 130 Punkte, dafür gab’s eine Roboterfigur. "Ich find’s eigentlich ganz entspannt", sagt die Mutter.

Sie wollte mal schauen, und wenn ihr zu viel losgewesen wäre, hätte sie wieder kehrt gemacht, sagt die Freiburgerin durch ihren Mundschutz. Auf dem Gelände gilt Mindestabstand und Maskenpflicht. "Ich find’s gut", sagt sie. Axel Blasius und seine Begleiterin dagegen sind vom Angebot enttäuscht – zu wenig Fahrgeschäfte, zu wenig Jahrmarkt-Ambiente, das sind sie nicht von Freiburg gewöhnt: "Ein nettes Wort dafür? bescheiden", sagt der Lörracher. Die beiden kommen immer auf die Frühjahrs- und die Herbstmess. Dieses Mal hat sich die Fahrt nicht gelohnt, finden sie.

Die Pandemie hat die Schaustellerbranche hart getroffen

Ein Stück weiter brutzeln an einem Stand Lange Rote und Fleischküchle, heiße Schaschliksoße köchelt, Pommes gleiten zischend in die Fritteuse. Kunden stehen an. "Ein Lachsbrötchen bitte", bestellt ein Mann bei Benjamin Buhmann. Er und sein Bruder sind die fünfte Generation im Geschäft der Freiburger Schaustellerfamilie. "Das ist unsere erste Einnahme dieses Jahr", sagt Buhmann. Wegen der Corona-Pandemie wurden Veranstaltungen abgesagt. Die Buhmann-Brüder haben sich Jobs in der Gebäudereinigung und Anhängervermietung gesucht, um über die Runden zu kommen. Das Herbstvergnügen ist wichtig für die Schausteller.

Am Freitag hat es eröffnet. Dafür, dass es leicht regnete, waren sie zufrieden, meint Buhmann. Am Sonntag soll die Sonne rauskommen: "Von daher sind wir optimistisch." Neben seinem Stand steht wie an etlichen anderen auch Desinfektionsspender. Auf dem kleinen Rummel gelten besondere Hygieneregeln. Fahrgeschäfte, Sitzgelegenheiten und Tische werden regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Das Konzept wurde schon in anderen Städten erprobt.

Ein Kind kauft einen Fahrschein für das Karussell bei Dirk Högerle-Krug, Mitinhaber einer Firma in Rottweil und München. Auch dort arbeitet sie gerade auf dem Jahrmarkt. Erwartet er jetzt ein normales Geschäft? "Schwer zu sagen", meint der Mann im Kassenhäuschen. Viel hängt vom Wetter und vom Publikum ab. Sein Eindruck: Am ersten Tag mussten sich die Leute noch an die neuen Modalitäten gewöhnen. "Aber die waren froh, dass wir da waren, und wir sind froh, dass sie da waren." Ein Signal ertönt, und ab geht die Fahrt, bei der die Schwäne des alten Freiburger Karussells fliegen, das die Firma übernahm.

Sorge vor steigenden Fall-Zahlen

Ein paar Teenie-Mädchen quietschen vergnügt, als sie in "Freddys Circus" eintreten und ein plötzlicher Druckluftstoß ihnen die Haare hochwirbelt. An der Wurfbude warten drei Bälle für drei Euro auf einen Werfer. An einem anderen Stand schneidet eine Frau eine Kartoffel in Spiralen, zieht diese auf einen Stock, würzt und taucht sie in die Fritteuse. Nebenan sitzt ein Pärchen mit einem krossen "Kartoffel-Twister". Und wie schmeckt’s? "Gut", meint der junge Mann mit Vollbart.

Ein Vater kauft mit seiner Tochter auf dem Arm ein Lebkuchenherz. Am Schießstand knallt’s. Ein kleines Mädchen geht vorbei und beißt in eine Riesen-Zuckerwatte. Schwankende Frauen staksen grinsend aus der schnellen Berg- und Talbahn "Starlight". Um die Ecke bietet ein Stand Mützen und Gesundheitsstrümpfe, gegenüber gibt es Kurzwaren und Flaschenbürsten – und Anti-Corona-Masken. Die gingen am Freitag am besten, sagt Tamara Bullmann hinterm Stand. "Ich hoffe nur, dass wir nächste Woche nicht schließen müssen", sagt die Frau aus Bad Rappenau: Die Fallzahlen steigen.

Hosenträger kaufen und Gürtel enger schnallen

Ein Schausteller fragt, ob es Hosenträger zu kaufen gibt. "Ich hab’ nur ’nen Gürtel, und den muss ich schon die ganze Zeit enger schnallen", meint Bullmanns Kollege Thomas Kallerhoff und lacht. Aber eigentlich ist ihm nicht zum Lachen: Auch viele Jahrmärkte wurden in letzter Zeit abgesagt. Was er nicht verstehe: Sie müssen das Gelände einzäunen, die Bauernmärkte nicht. Aber immerhin: Es findet etwas statt. Kallerhoff lobt den Freiburger Veranstalter für das Konzept und den Oberbürgermeister für den Mut.

Anstrengend ist es, sagt am Eingang Thomas Barth von der Freiburger Messegesellschaft FWTM: "Viel schwätze." Denn kurzfristig kam die Stufe zwei der Corona-Sicherheitsbestimmungen, anders als noch vor ein paar Tagen angekündigt, müssen die Besucher nun doch ihre Daten angeben und immer Maske tragen. "Das ist noch ein Lernprozess, aber das kriegen wir hin", sagt Barth.

Generell könne es immer zu einer Schließung kommen, wie das auch in Bremen der Fall gewesen sei, sagt Barth. "Wenn die Zahlen explodieren, das gibt das Land vor." Viele Freiburger Schausteller hofften auch auf den Weihnachtsmarkt. Ob der stattfindet, ist auch noch nicht gewiss. Das geht nur, wenn das Land die Höchstzahl von 500 Besuchern lockert.
"Freiburger Herbstvergnügen", Neue Messe, bis 25. Oktober 2020, geöffnet Montag bis Samstag von 14 bis 22 Uhr, Sonntag von 11 bis 22 Uhr ihre Buden. Eintritt 2 Euro pro Person, Kinder bis 6 Jahre frei, Eintrittskarten vor Ort. Das Eintrittsgeld deckt die Kosten für das Corona-Konzept.

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