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"Schaut mutig und positiv in die Welt"

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Die Macromedia Hochschule Freiburg ist aus der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik (hKDM) hervorgegangen und hat gemeinsam mit dem Berliner Standort das breiteste Spektrum an kreativen Studiengängen. Im Interview berichtet Ben Hübsch, Professor für Bildende Kunst, von seinem Studienalltag.

Herr Hübsch, seit wann lehren Sie Bildende Kunst an der Hochschule und was zeichnet den Freiburger Campus besonders aus?
Ich arbeite seit 1996 hier im Haus und habe alle Veränderungen mitbekommen – von der Freien Hochschule für Grafik Design und Bildende Kunst (FHF) zur Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik (hKDM), bis zur Macromedia. Die Geschichte der verschiedenen Institutionen zeigt, dass wir eine gewachsene Struktur haben, in der die Kreativität – das "Händische" – schon immer die Hauptrolle gespielt hat. Je nach Studiengang hat der Unterricht große analoge Anteile. Das strahlt in die ganze Schule aus: Es gibt Ateliers mit Farbresten auf dem Boden oder es riecht auch mal nach Lösungsmitteln.


Was hebt das Studium der Bildenden Kunst an der Macromedia von staatlichen Hochschulen ab?
An den meisten staatlichen Akademien wird in Meisterklassen unterrichtet. Eine Professorin oder ein Professor kümmert sich um eine Klasse. Bei uns kümmern sich drei Lehrende um den Klassenverband, der Studierende vom ersten bis zum achten Semester vereint. Das Team besteht aus Professorin Andrea Mihaljevic, Professor Nikolaus Bischoff und mir. Die Studierenden lernen durch unsere unterschiedlichen künstlerischen Ansätze und Schwerpunkte verschiedene Haltungen kennen. Unser Ziel ist es, die Stärken der Studierenden zu erkennen und sie zu befähigen, eigene Arbeiten zu entwickeln. Bei uns an der Hochschule pflegen wir einen persönlichen Umgang und kennen die Namen unserer Studierenden.

Welche Eigenschaften sollten Studierende Ihres Studiengangs mitbringen?
Offenheit, Neugier und der Wille sich zu entwickeln, selbst aktiv zu werden – sowohl in fachlichen als auch in studentischen Belangen. Jeder soll die Entwicklungen am Campus und in den Fächern kritisch mitverfolgen und uns Rückmeldung geben, wodurch wir uns verbessern können.

Versuchen Sie uns mit ein paar Sätzen einen Eindruck Ihres Unterrichts zu vermitteln.
Mein Lieblingsformat ist die Klassenbesprechung. Hier stellen auf freiwilliger Basis Studierende ihre Arbeiten zur Diskussion. Jede und jeder soll möglichst ausführlich sprechen und darf nicht unterbrochen werden. Die Produzenten dürfen sich in dieser Runde nur zu Verständnisfragen äußern. In einer zweiten Runde findet die allgemeine Diskussion statt. Dieser Prozess fördert die Kritikfähigkeit auf beiden Seiten – aktiv und passiv.

Wie hat sich Ihre Lehre durch die Corona-Krise verändert? Vor welche Herausforderungen stellt Sie und Ihre Studierenden diese Situation?
Wir mussten von einem Tag zum anderen auf reine Online-Lehre umstellen. Zum Glück konnten wir uns schnell in die verschiedenen Systeme einarbeiten und waren froh, einander wenigstens virtuell zu begegnen. Für eine Zeit war der virtuelle Ersatz auch lustig. Dennoch war das Corona-Semester keine schöne Erfahrung. Die Studierenden konnten nicht mehr in Ateliers mit Platz und Material arbeiten, sondern bei sich in ihren oft kleinen Zimmern. Manche fanden einen Umweg über Videos und konnten ihre künstlerische Tätigkeit in ein anderes Feld verlagern. Es fehlten auch die gemeinsamen Ausstellungsbesuche, das Zusammensein. Wir waren sehr froh, als wir wieder am Campus sein durften.

Die Macromedia sieht sich als die Hochschule des digitalen Wandels. Wie sehen Sie Chancen und Risiken der Digitalisierung und wie gehen Sie in Ihrem Unterricht damit um?
Unsere Hochschule tut gut daran, sich mit dem digitalen Wandel intensiv auseinanderzusetzen. Man wird sehen, wie sich diese große Veränderung auf unsere Gesellschaft auswirkt. Es ist wichtig wachsam zu bleiben und sich folgende Fragen zu stellen: Welche Rolle wird Kunst in der Zukunft in der Gesellschaft spielen und wie wird sie sie spielen? Unsere Studierenden sind an diesem Thema dran.

Was möchten Sie Ihren Studierenden neben dem fachlichen Wissen im Unterricht vermitteln?
Mutig und positiv in die Welt zu schauen. Aktiv sein und sich nicht verstecken.

Gibt es bestimmte Projekte, die Sie mit ihren Studierenden verwirklicht haben?
Mich reizen vor allem Kooperationen mit Institutionen, in denen die Studierenden Projekte verwirklichen können wie bei der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Basel 2016 und 2017, der Freiburger Verkehrs AG (VAG) in Freiburg 2018 und der Freiburger Wirtschaft Touristik Messe GmbH (FWTM) 2019/2020. In Kooperationen lernen die Studierenden praxisbezogen zu arbeiten. Sie müssen sich neuen Situation anpassen, Konzepte entwickeln, ihre Arbeiten präsentieren und am Ende vielleicht Rechnungen schreiben. Unter Umständen stehen sie in Konkurrenz zueinander oder arbeiten in Gruppen. Der Praxisbezug ist eine große Herausforderung und hat einen großen Lerneffekt. An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei den genannten Institutionen für ihr Vertrauen bedanken.

Was raten Sie den Studierenden, um erfolgreich durch das Studium zu kommen und für die Zeit nach ihrem Abschluss?
Arbeiten, arbeiten, arbeiten.
Ben Hübsch ist Professor für Bildende Kunst und Local Head der Fakultät der Künste am Campus Freiburg der Hochschule Macromedia. Er ist zudem als Künstler aktiv und hat zahlreiche Ausstellungen konzipiert. www.benhuebsch.de