Verfahren eingestellt

SC-Fans durften Freiburger AfD-Stadtrat als Nazi bezeichnen

Manuel Fritsch

Freiburger Fußballfans halten 2019 im Stadion ein Banner hoch, das einen Stadtrat als Nazi bezeichnet. Das sei keine Beleidigung, sondern eine Meinungsäußerung, sagt nun die Staatsanwaltschaft.

Die Freiburger Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen zwei Freiburger Fußballfans wegen Beleidigung eingestellt. Den beiden war vorgeworfen worden, im Sommer vergangenen Jahres bei dem Spiel des SC Freiburg gegen den FSV Mainz ein Transparent mit der Aufschrift "Mandic Du Nazi verpiss Dich!" in die Höhe gehalten zu haben.


Hintergrund war die Ankündigung des Freiburger AfD-Stadtrats Dubravko Mandic, das Fußballspiel besuchen zu wollen. Als Protest dagegen hatten Fangruppierungen verschiedene Plakate hochgehalten, darunter das umstrittene Spruchband. Wegen diesem hatte Mandic knapp vier Wochen nach dem Spiel einen Strafantrag gestellt.

Keine Beleidigung, sondern Auseinandersetzung mit dem politischen Auftreten des Stadtrats

Die Äußerung auf dem Spruchband sei in dem Zusammenhang bei dem Fußballspiel allerdings nicht strafbar, urteilte nun die Staatsanwaltschaft. Die Äußerung stehe im Kontext einer Auseinandersetzung mit dem politischen Auftreten des AfD-Stadtrats, der davor selbst auch durch stark polemische Äußerungen aufgefallen sei, heißt es in der Begründung der Staatsanwaltschaft, die der BZ vorliegt.

Das Plakat kommentiere sowohl Auftritt als auch Äußerungen des Stadtrats als Politiker und ziele nicht auf eine persönliche Herabsetzung der Person. Als politischer Mandatsträger müsse Mandic Kritik grundsätzlich in stärkerem Maße hinnehmen – vor allem da er selbst nach außen auch nicht zimperlich auftrete.

Fanvereinigung übt Kritik an Polizeieinsatz

Die Fanvereinigung "Corrillo", aus deren Umfeld die beiden Beschuldigten stammen, zeigte sich in einer Mitteilung erfreut über die Einstellung der Ermittlungen, kritisierte aber das Vorgehen der Polizei und des SC Freiburg im Nachgang des Spiels. Die beiden Fans waren im September und Dezember von der Polizei festgenommen worden. Die Fan-Gruppierung beklagt, beide seien erniedrigend behandelt worden. So seien die Verhaftungen vor vielen Zuschauern geschehen, und beide Male hätten die Fans, denen vorgeworfen wurde, das besagte Banner gehalten zu haben, sich vor den Beamten komplett entkleiden und im Genitalbereich abtasten lassen müssen.

Auch dem SC Freiburg, der über Konsequenzen für einen der beiden Fans nachdachte, wirft die Gruppe "fehlende Positionierung und Solidarisierung" vor. "Dass Fans aufgrund einer Positionierung gegen einen sich bekennenden Rassisten mit Konsequenzen gedroht wird, steht dabei im krassen Gegensatz zu den von Fans und Mitgliedern des Vereins gelebten Werten", schreibt "Corrillo".

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