Sanierung am Theodor-Heuß-Gymnasium: Wie es ist, im Container zu lernen

Christin Bassenge

Das Theodor-Heuss-Gymnasium ist marode und muss saniert werden; während der Umbauphase findet ein Teil des Unterrichts in Containern statt. Und obwohl die Schüler die Sanierung begrüßen, sind sie genervt. fudder-Autorin Christin ist Schülerin am THG und findet: Schwitzen und Frieren in Blechdosen ist eine Zumutung.



Sie rollen wieder an – die Lastwägen mit den Containern. Es erinnert stark an die Woche vor den Osterferien vor zwei Jahren. Auch damals kamen die grauen Kästen und machten aus unserem kleinen Sportplatz eine Containerhochburg.

Wer schon mal an einer Baustelle vorbei gefahren ist, weiß wie schrecklich diese Dinger aussehen. Bei uns an der Schule, dem Theodor-Heuss-Gymnasium in St. Georgen, gibt es die provisorischen Klassenzimmer schon seit etwa zwei Jahren, seit dieser Woche gibt es ein richtiges Containerdorf auf dem Schulhof. Und das nervt. Denn in einem Container Unterricht zu haben, ist kein angenehmes Unterfangen.

Klar: Die Sanierung ist dringend notwendig. 2008 wurde unser Sprachlabor aufgrund überhöhter Asbestwerte geschlossen, mittlerweile wird der Gang dahinter und der dritte Stock des Altbaus auch nicht mehr benutzt.

Der Altbau wurde in den 70ern gebaut und dabei hat man dann das damals gängige Asbest als Dämmmittel eingesetzt, das dann vor vier Jahren in Form krebserregender Fasern in der Luft hing.

Seit 2008 haben wir aber nicht nur mit Asbest zu kämpfen. Vor etwa einem Jahr stürzten Teile unserer Decke ein, heute werden sie mit silbernem Panzertape an ihrem eigentlichen Platz gehalten, an manchen Stellen klaffen dafür riesige Löcher in der Decke, weil die Platten auf irgendeine Weise verschwunden sind. Rollläden funktionieren in vielen Klassen nicht mehr, das ist gerade im Sommer, wenn die Sonne ins Klassenzimmer brennt, nicht gerade angenehm und viele Fenster gehen überhaupt nicht mehr auf.



Unsere Fachräume, also Chemie und Physik, haben schon lange die Standards verloren, die für eine Schule mit naturwissenschaftlichem Zweig eigentlich notwendig wären – Gasversorgung gibt es nicht mehr und mit Brennern, die für Experimente nicht verzichtbar sind, darf aufgrund von Verletzungsgefahr nicht mehr eigenständig gearbeitet werden. Erst neulich flog ein Mikroskop in die Luft, weil ein Schüler es geschafft hatte, den Stecker in die Steckdose für die Hochspannung zu stecken, obwohl der dort gar nicht reinpassen dürfte. In einem Raum wurde vor einigen Jahren Butansäure in den Ausguss gekippt, und dort riecht es immer noch nach Erbrochenem.

Die Sanierung war also wirklich dringend nötig, als sie 2010 nach langen Verzögerungen endlich begann. Bis die Sanierung abgeschlossen ist, müssen wir mit den Containern vorlieb nehmen – und die Bedingungen dort sind alles andere als optimal: Im Sommer ist es schnell mal 40 Grad warm, besonders im zweiten Stock der Container und auch die räumliche Situation ist gerade zu unterirdisch: Tafeln passen wegen der zu niedrigen Decken nicht hinein, Räume sind zu klein für die großen Klassen und technische Geräte sind nur in etwa jedem zweiten Zimmer enthalten.

Die Temperatur wird zwar im Laufe des Jahres angenehmer, die Atmosphäre in dem Gebäudeteil aber verschlechtert sich zusehends. Egal was man für einen Container betritt, irgendetwas ist immer kaputt. Seien es die Heizungen, die herausgerissen, die Klos, die überflutet oder die Kabelabdeckungen, die kaputt gemacht werden.

Zu Beginn dieses Jahres, als es so extrem kalt war, waren Stunden im Container noch unerträglicher als sonst. Denn genauso wie es in den Containern heiß wird, wird es auch kalt. Kommt man also von draußen und freut sich auf einen warmen Raum, wird man bitter enttäuscht, es ist nämlich auch hier ziemlich eisig. Oder aber es ist warm, dann ist die Luft von den Heizungen jedoch so erdrückend, dass die Fenster aufgemacht werden müssen und die Kälte wieder hineinkommt.

Ich habe nur fünf Stunden in der Woche im Container Unterricht, was mir aber definitiv reicht. Die Vorstellung, nach den Pfingstferien noch mehr Unterricht im Container zu haben, ist beinahe unerträglich, auch wenn man einsehen muss, dass der Umbau längst überfällig war.

Wie der Altbau bis 2014 saniert werden soll, ist uns ein Rätsel, denn scheinbar soll über den Altbau eine Kuppel gestülpt werden, damit die austretenden Asbestfasern nicht in die Umwelt gelangen. Ich bin auf jeden Fall sehr froh darüber, dass ich nächstes Jahr mein Abi habe und meine Tage nicht mehr im Container verbringen werde.

Mehr dazu:

   

Foto-Galerie:

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.