Ruby, CSS und HTML: Programmieren lernen beim Rails Girls-Wochenende in Basel

Savera Kang

Am vergangenen Wochenende fand zum zweiten Mal ein Rails Girls-Workshop in Basel statt. Neu-Nerds und eingefleischte Programmiererinnen tippten in stickigen Kellerzimmern Einsen und Nullen auf schwarze Bildschirme und schoben sich dabei kalte Pizza in den Mund. Nee, stimmt nicht! Wie es wirklich war:



Durch die am wochenendlichen Morgen ruhige Halle des Unternehmens Mitte führt eine Treppe mit Jugendstilgeländer in die erste Etage, wo Muriel die nach und nach eintrudelnden Frauen begrüßt. Muriel hat Jura studiert, ist nun aber eine von vielen Coaches, die Neugierigen die Programmiersprache Ruby näherbringen wollen. Genauer: "Ruby on Rails", also Ruby im Rails Framework.

Was für viele klingt wie "Bahnhof" plus Kopfzerbrechen, ist für Muriel und die anderen Profis das tägliche Brot. Dass sich aber viele allein schon vom Fachjargon abschrecken lassen, ist bekannt und so hatten 2010 zwei Programmierende in Finnland die Idee, kostenlose Workshops für Mädchen und Frauen anzubieten, die – das lässt die Statistik vermuten – besonders große Hürden auf dem Weg zur IT-Spezialistin vermuten. Rails Girls soll eine angenehme Atmosphäre schaffen, in der man sich traut, nachzufragen und auch mal etwas noch nicht zu können.

Entsprechend hell und freundlich ist der Raum, auf der Theke erwartet ein Brunchbuffet hungrige Frauen und dank Namensschild weiß man gleich, mit wem man es zu tun hat. Auf schönen Holzstühlen sitzen Nerds und diejenigen, die es werden wollen vor ihren Laptops, die Anzahl der Bildschirme übersteigt knapp die der Anwesenden, von der Straße quietscht die Straßenbahn aus der Kurve in das Treiben. Therese hilft beim Installieren eines geeigneten Texteditors und ruft freudig ins technische Gespräch "Oh I love this!" - gemeint ist der Sticker, den sie entdeckt hat: "I'm 90% weird".

Die meisten Teilnehmerinnen sprechen Schweizerdeutsch, doch Workshop-Sprache ist Englisch. Als alle mit Kaffee und Croissants versorgt sind, beginnt Organisator Rodrigo dann auch, die Anwesenden zu begrüßen. Er beendet seine Powerpoint-Präsentation mit den halb-ermutigenden Worten "Programming is hard but..." und eine Teilnehmerin hakt nach. Warum Programmieren schwierig sei, möchte sie wissen. Es stellt sich heraus, dass sie bereits Erfahrung hat und so einigt man sich darauf, dass Programmieren zwar schwierig ist, aber irgendwie auch nicht. Maria fasst es in ihrem Vortrag so zusammen: "You have to be honey badgers". Der Honigdachs ist für seine Zähigkeit bekannt und das wahre Scheitern ist die Resignation, nicht das Zurückgeworfenwerden.

Es folgen Präsentationen, erste Fingerübungen und Ernüchterung. Esther hat "so was noch nie gemacht" und überlegt, ob CSS zur Infrastruktur gerechnet wird oder das Frontend ist. Als alle mehr oder weniger wissen, worum es geht, werden Gruppen gebildet. Erstaunlich viele Teilnehmerinnen sind bereits fortgeschritten, der Großteil rechnet sich selbst aber den Anfängerinnen zu. Auf zwei Lernwillige kommt ein Coach und so steigt der Geräuschpegel sofort, denn nun kann man seine Fragen sicher loswerden. Und neue Fragezeichen blinken auf.



Die Anfängerinnen arbeiten sich durch ein Tutorial und sollen anschließend eine eigene kleine Seite bauen, ein Verzeichnis mit Text und Bildern, mit Weiterleitungen und Design.
Die Falten auf so mancher Stirn vertiefen sich, Erleichterung schafft eine Cupcake-Pause: Die männlichen Coaches räumen das Frühstück zur Seite und packen riesige Paletten mit dem Trendgebäck auf den Tresen. Der Zuckerschock sorgt kurzzeitig für Entspannung, dann geht es weiter. "mkdir", "generate scaffold" und "" sind die Befehle und hier und da sieht man Finger den Bildschirm Buchstabe für Buchstabe nach einem Tippfehler absuchen.

Warum verbringen junge Menschen ihr Wochenende - eines der wenigen sonnigen in diesem Jahr - in einem Programmiersprachen-Workshop? "Ich hab so eine Seite und nun muss ich die selber verwalten. Mein Mann hat mir ein Programm gegeben und gesagt, das wäre ganz einfach", erzählt eine verärgerte Teilnehmerin. "Er hat mir gar nichts erklärt, jetzt muss ich alles selber machen." Eine andere ist gekommen, um für ein Magazin darüber zu berichten und die Dritte betreut im Sportamt den Onlineauftritt. Sie heißt Michèle und ist extra aus Winterthur angereist, denn sie hasst das System, auf dem die Seite aktuell läuft.

Immer wieder erleidet eine der Teilnehmerinnen einen Rückschlag und die geduldigen Coaches versuchen, Zuversicht auszustrahlen. Und Vorbild zu sein, wie Therese: Sie hat Japanologie studiert, war im letzten Jahr beim Rails Girls-Treffen und ist dran geblieben: "Seit drei Monaten verdiene ich mein Geld mit dem, was mir Spaß macht!" sagt sie zufrieden und man möchte es ihr gleichtun. Ihr Tipp: "Man muss eine Mentorin finden, das war für mich sehr wichtig." Auch die Coaches hier betonen immer wieder, dass sie auch im Anschluss an den Workshop gerne Fragen beantworten und helfen.

Nachdem Michèle ihre Testseite wie vom Tutorial vorgegeben fertiggestellt hat, möchte sie damit online gehen. Auf das Erfolgserlebnis folgt der nächste Schlag, alle Profis müssen einmal ran, bevor die Registrierung endlich gelingt. "Honey badger!", klingt es nach - so sieht man zum Ende des zweiten Tages müde Gesichter neben ersten Erfolgserlebnissen.

Den Veranstaltenden ist es offenbar gelungen, auch Noobs anzusprechen und die Frauen, deren Interesse trotz teilweise holprigem Einstieg bestehen bleibt, haben ermutigende Ansprechpartner gefunden. Erschöpft werden Laptops zugeklappt. Immerhin wissen jetzt alle, was CSS ist.

Mehr dazu:

 

Fotos-Galerie

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.