Aktion

Rote Bank auf dem Rathausplatz soll Gewalt gegen Frauen sichtbar machen

Lara Schwalb

Mehr als 500 Mal wurde 2019 häusliche Gewalt in Freiburg angezeigt. Eine rote Bank auf dem Rathausplatz soll darauf aufmerksam machen. Freiburg ist erst die zweite deutsche Stadt, in der es die Aktion gibt.

Wer in den vergangenen Tagen aufmerksam über den Rathausplatz gelaufen ist, wird festgestellt haben, dass dort eine Veränderung vonstatten gegangen ist. Gemeint ist eine auffällige Rote Bank, die vor dem Eingang des Dominikanerklosters ihren Platz gefunden hat.


Seit dem 8. Dezember wollen die Freiburger Fachstelle Intervention gegen Häusliche Gewalt (FRIG) und die Frauenbeauftragte der Stadt Freiburg durch diese Bank Aufmerksamkeit für das Thema Häusliche Gewalt gegen Frauen schaffen.

Die Idee kommt aus Italien

Im Zuge der 16 Aktionstage "Stopp Gewalt gegen Frauen", die vom 25. November bis zum 10. Dezember auf den globalen Schutz von Frauenrechten aufmerksam gemacht haben, hat die FRIG etwas beigesteuert, was das Thema Gewalt gegen Frauen ins Auge der Öffentlichkeit rückt.

Die Idee, die hinter der Bank steckt, kommt aus Italien. Das Land im Süden Europas ist stark betroffen von Gewalttaten gegen Frauen und hat begonnen, mit der Roten Bank Aktion Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen. Mittlerweile finden sich in vielen Städten Italiens Ableger der Aktion, so gibt es auch in Freiburgs Partnerstadt Padua "una pancchina rossa". In Freiburg selbst ist man durch eine Vertraute der FRIG, die bei einem Besuch in Italien eine solche Rote Bank entdeckt hat, auf die Aktion aufmerksam gemacht worden.

Mehr als 500 angezeigte Fälle häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr

"Wir fanden die Idee super und dachten das wäre doch auch etwas für Freiburg", erzählt Martina Raab-Heck, Koordinatorin in der FRIG, über die Entstehung der Aktion. Sie ist davon überzeugt, dass auch die Stadt Freiburg eine öffentliche Aktion wie diese gebrauchen kann. Im Jahr 2019 sind 524 angezeigte Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei in Freiburg bearbeitet worden.

Auch die Freiburger Frauen-Beratungsstelle bei Häuslicher Gewalt meldet über 600 eingegangene Anrufe von Betroffenen im vergangenen Jahr. Diese vergleichsweisen hohen Zahlen sind laut Raab-Heck darauf zurückzuführen, dass in Freiburg ein sehr aktives und umfangreiches Netzwerk vorhanden sei, was auf das Thema Häusliche Gewalt aufmerksam macht. Viele Fälle können so aufgedeckt werden. Gerade daher sei es wichtig, weiterhin aktiv die Gesellschaft für Fälle häuslicher Gewalt zu sensibilisieren.

Die Bank soll durch jeden Stadtteil wandern

Man sollte sich allerdings nicht zu sehr an das Bild der Roten Bank auf dem Rathausplatz gewöhnen, denn die Aktion wird noch weiter durch Freiburg wandern. Der Plan der FRIG sieht vor, dass jeder Stadtteil einmal von der Roten Bank besucht werden soll, um so möglichst viele Menschen zu erreichen. Auch Schulen und Behörden können sich an die Fachstelle wenden, wenn sie Interesse an einer Leihgabe der Bank haben.

Für die Opfer häuslicher Gewalt soll die Aktion ein Symbol der Hoffnung sein. "Hoffnung, dass es nicht so bleiben muss; Hoffnung, dass die Gewalt auch beendet werden kann; Hoffnung, dass es Wege aus der Situation herausgibt", beschreibt Raab-Heck die Botschaft, die an die betroffenen Frauen vermittelt werden soll. Mit diesem Gedanken im Kopf haben die Organisatorinnen sich dazu entschieden, an der Rückseite der Bank Reagenzgläser anzubringen, die sie mit bunten Blumen befüllt haben. Diese sollen als Zeichen der Solidarisierung dienen und zeigen, dass die Opfer nicht alleine sind. Passanten sind dazu eingeladen, selbst Blumen beizusteuern, auf der Bank Platz zu nehmen und so mitzuhelfen, das Thema der Häuslichen Gewalt raus aus den eigenen vier Wänden zu bringen.

Nicht nur die Blumen sollen eine Botschaft senden, auch der auffallend helle rote Anstrich ist ein Signal. "Die Farbe Rot soll das Blut der Frauen darstellen, welches bereits vergossen worden ist", eine brutale, aber auch eine reale Bedeutung, meint die Koordinatorin der Fachstelle, "Häusliche Gewalttaten sind durch Brutalität gekennzeichnet. In diesen Taten kann Blut fließen, das sollen die Menschen wissen." In unserer Gesellschaft bleiben Plätze frei, wenn Frauen der Häuslichen Gewalt zum Opfer fallen, deshalb gehe das Thema uns alle an, äußern die Aktiven der FRIG.

Für die künstlerische Gestaltung der Bank hat sich die Fachstelle Intervention gegen Häusliche Gewalt Hilfe von sechs Studentinnen von der Macromedia-Hochschule geholt. Mit der Roten Bank hat man es außerdem geschafft, eine Corona-konforme Aktion in der Öffentlichkeit realisieren zu können. Alle anderen Veranstaltungen der 16 Aktionstage mussten in den digitalen Raum verlegt werden. "Wir hoffen, dass die Aktion eine große Reichweite erlangt. Gerade in Zeiten der Pandemie ist es wichtig, dass die betroffenen Frauen erkennen, dass sie nicht allein sind und ihnen weiterhin Hilfe angeboten wird", erklärt Raab-Heck die Wichtigkeit der Aktion in Corona-Zeiten.

Die Rote Bank lädt noch bis zum Ende des Jahres auf dem Rathausplatz zum Verweilen ein. Danach wandert sie auf den Platz der Alten Synagoge, wo die Menschen erneut die Chance bekommen, ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen zu setzen.
Bist du von häuslicher Gewalt betroffen oder kennst eine Person, die davon betroffen ist, findest du hier Hilfe und Unterstützung:
  • Frauenberatungsstelle bei häuslicher Gewalt: 0761/ 3 10 72
  • Freiburger Fachstelle Intervention gegen häusliche Gewalt: 0761 / 89 73 520
  • Bundesweites Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 0800 / 116 016
  • Polizei-Notruf: 110