fudder-Interview

Rosa Hilfe kritisiert in offenem Brief das diesjährige CSD-Motto

Anika Maldacker

Der Freiburger CSD-Verein provoziert mit dem Motto des diesjährigen Christopher Street Day, der im September stattfinden soll. In einem offenen Brief kritisiert die Rosa Hilfe das Motto. fudder sprach mit dem Vorstand darüber.

Die Rosa Hilfe hat einen offenen Brief an den Freiburger CSD-Verein geschickt. Um was geht es?

Der Anlass ist das diesjährige CSD-Motto "Abwehrkräfte stärken … gegen Nazis, Covid-19 und andere bedrohliche Seuchen!", über das wir, die Rosa Hilfe, sehr irritiert waren. Wir finden, dass das Motto für den CSD und für das, wofür er steht und was er repräsentiert, völlig unangemessen ist. Daher haben wir uns entschieden, diesen Brief zu schreiben und unsere Kritik zu formulieren.

Was genau stört die Rosa Hilfe an dem CSD-Motto?

Das Problem ist unserer Meinung nach, dass das Motto Menschen mit einer Krankheit oder sogar Seuche identifiziert. Das ist ein Motiv, das zum ideologischen Kernbestand der politischen Rechten gehört und das man vor allem auch im Nationalsozialismus findet. Es wird von der extremen Rechten genutzt, um Menschen zu stigmatisieren und zu verfolgen. Das CSD-Motto reproduziert dieses Gedankenmotiv. Das hat uns sehr gestört und wir fanden das für einen CSD unangemessen. Das Motto widerspricht damit dem eigenen Anspruch des Freiburger CSD-Vereins, das haben wir auch im Brief angesprochen. Wir gehen nicht davon aus, dass es die Absicht des CSD-Vereins war, diese Ideologie in dem Motto aufzunehmen. Der CSD-Verein positioniert sich immerhin seit Jahren zu Recht klar gegen Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus. Dem wird das CSD-Motto aber aus unserer Sicht gerade nicht gerecht.
Zur Person:

Sören Wulf, 33, ist seit 2019 im Vorstand der Rosa Hilfe und wohnt in Freiburg. Der Verein "Rosa Hilfe Freiburg" engagiert sich in der sozialen und pädagogischen Bildungsarbeit zur Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe von Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität benachteiligt werden und wurden.

Hat der CSD-Verein auf die Kritik reagiert?

Nein, bisher haben wir keine Antwort vom CSD-Verein. Aber es gab viele überwiegend positive und zustimmende Reaktionen auf den Brief, was uns überrascht hat. Wir haben mit der Kritik wohl einen Nerv in der Community getroffen.

Ist das nicht auch symptomatisch für diese Zeit, dass man scharf gegen den politischen Gegner schießt?

Grundsätzlich darf ein Motto zuspitzen und gerne auch provozieren. Das hat der CSD-Vorstand im fudder-Interview ja auch gesagt. Klar, dass ein Motto für eine politische Kundgebung, die der CSD ist, zugespitzt sein kann. Aber es sollte trotzdem inhaltlich gut sein und dem Anlass und dem Ereignis, für das es gedacht ist, gerecht werden. Da liegt unser Problem mit diesem Motto.

Rosa Hilfe: Offener Brief an den CSD-Verein