Reizgasvorfall: Was geschah in Kirchzarten?

David Weigend & Marc Schätzle

Heute Mittag gab es viel Aufregung um die "Reizgasattacke" in der Haupt- und Realschule von Kirchzarten. Beim Lokaltermin zeichnet sich ab, dass es sich um einen fahrlässigen Streich handelte, mit dessen Folgen der Verursacher offenbar nicht gerechnet hat.



Keine Spuren von Panik

16.30 Uhr im Schulzentrum von Kirchzarten. Von dem CS-Gas, das ein 16-jähriger Realschüler heute Vormittag in diesem Raum verbreitete (siehe fudder-Bericht), ist jetzt nichts mehr wahrnehmbar. Der Nachmittagsunterricht ist ausgefallen. Es ist warm. Auf den Treppen vor dem Schulgebäude sitzen zwei junge Frauen, die Querflöte spielen.

Augenzeugenbericht

Der Hausmeister der Realschule macht Feierabend. Herr Figlestahler erzählt: „Es war 10.30 Uhr, die Pause war gerade vorbei. Die Schüler gingen von draußen wieder in die Eingangshalle. Sofort haben sich die ersten Mädchen umgedreht und sind mit der Hand vor dem Mund wieder rausgerannt. Auch ich habe es dann gespürt, ein Stechen im Hals und in der Nase.“

Der Hausmeister läuft hinüber in den Chemieraum, weil er dort die Ursache des stechenden Gases vermutet. Aber im Chemieraum ist niemand. Dann vermutet er, dass das Gas von unten kommt, wo der Getränkeautomat steht. Von dort aus breitet es sich durch die Thermik nach oben aus.

Im Krankenhaus

150 Schülerinnen und Schüler sind von der Gasattacke betroffen. 33 Schüler werden in die Freiburger Uniklinik eingeliefert, das einen Krisenstab einrichtet. Die Kinder sind zwischen neun und sechzehn Jahren alt: Ihre Augen, Atemwege und Schleimhäute sind gereizt, manche haben einen Hautausschlag. Bis auf fünf Schüler konnten alle Schüler die Klinik heute Nachmittag wieder verlassen. Fünf Kinder bleiben zur Beobachtung, da sie noch unter Husten, Schwindel und Kopfschmerzen leiden.

"Voll der nette Typ"

Wie kam es zu dem Vorfall? Darüber wird in Kirchzarten noch gemutmaßt. Wir treffen eine Gruppe von Jugendlichen, die draußen in einem Dönerrestaurant in der Fußgängerzone sitzen. Es sind ehemalige Schüler der Realschule. „Wir kennen denjenigen, der es gemacht hat“, sagt einer von ihnen. „Man kann es sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass der so was getan hat. Das ist voll der nette Typ.“ Ein Mädchen, das ihm gegenübersitzt, sagt: „Mit Absicht hat der das bestimmt nicht getan.“ Ein Dritter am Tisch: „Der hat wohl einfach nicht begriffen, wie gefährlich es ist, mit dem Gas rumzusprühen.“ Es stellt sich heraus, dass der Täter mit einem frei verkäuflichen Selbstverteidigungsgas hantiert hat.

Anfangs kursierten rund um die Schule auch noch andere Gerüchte um den Vorfall. Ein Schüler erzählt uns: „Ich kam gerade vom Kieferorthopäden und wollte um 10.30 Uhr zur Schule gehen. Aber alle Leute strömten aus dem Gebäude, zum Bouleplatz. Ein älterer Schüler hat mir gesagt, dass da drin ein Typ 80 Leuten Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hätte.“

Eine Oberstufenschülerin aus dem Marie-Curie-Gymnasium berichtet, dass ihr Unterricht nach dem Vorfall normal weitergelaufen sei. Obwohl das Gymnasium von der Haupt- und Realschule räumlich getrennt sei, hätte ihr Kurs aber mitbekommen, wie Polizei und Krankenwagen herangefahren seien.

Morgen wird der Unterricht im Schulzentrum Kirchzarten regulär stattfinden, so die Schulleitung.

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