Reisetipps für Tokio (18)

Louisa Knobloch

Wolkenkratzer, riesige Neonreklamen und zusammengepferchte Pendler sind wohl das erste, was einem zu Tokio einfällt. Mit fast 35 Millionen Einwohnern im Ballungsgebiet ist Tokio die größte Metropolregion der Welt. Doch wer sich kopfüber ins Gewühl stürzt, wird erleben, wie facettenreich diese Stadt ist. Louisa hat ihre besten Insider-Tipps für den Fernost-Trip für euch zusammengestellt.



Die übersehene Sehenswürdigkeit

Kappa sind japanische Flussgeister. Die Kappabashi-dori ist demnach die Flussgeistbrücken-Straße. Nur 15 Laufminuten vom belebten Kannon-Tempel in Asakusa liegt Tokios Einkaufsmeile für Restaurant-Bedarf. Von noren, den typischen Eingangsvorhängen, über Geschirr, Kochutensilien, Arbeitskleidung und Neonreklame bis hin zu den Plastikmodellen von Speisen und Getränken kann man hier alles kaufen, was man braucht, um ein Lokal zu eröffnen oder schlicht die heimische Küche aufzupeppen. Tolle Adresse für Mitbringsel!

Die Kappabashi-dori liegt 5 Minuten nordwestlich von der U-Bahn-Station Tawaramachi (Ginza-Linie).



Kaffeepause

Für einen Schluck Kaffee zwischendurch muss man in Tokio nicht weit gehen. Starbucks und andere Ketten gibt es an jeder zweiten Ecke und die 24-Stunden-Läden („Conbinis“) verkaufen Eiskaffee zum Mitnehmen in den verschiedensten Geschmacksrichtungen für ca. 150 Yen (aktuell etwa 1 Euro). Wer es gemütlicher mag und frisch gebackenen Kuchen liebt, sollte dagegen den Weg zum traditionsreichen Café Goto auf sich nehmen. Hier ist es zwar teurer (Kaffee- und Teespezialitäten kosten 500-600 Yen, Kuchen 400-500 Yen), aber bei einer Tasse Zimt-Tee und einem Stück noch warmen Bananenkuchen, Aprikosen-Tarte oder Pound Cake lässt sich der Trubel der Riesenstadt schnell vergessen.

Café Goto (täglich von 10 bis 21 Uhr): U-Bahn Tozai-Linie bis „Waseda“, Ausgang 3b. Das Café ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen Subway und McDonalds, allerdings im 1. Stock. Eine Außentreppe führt nach oben.





Magengrummeln

Wenn es in Tokio an etwas keinen Mangel gibt, dann an Essen. An jeder Straßenecke gibt es ein Restaurant, eine Nudelsuppen-Bar oder einen Imbiss-Stand. Daneben verkaufen auch Supermärkte und 24-Stunden-Läden sogenannte o-bento, leckere Lunchboxen, die z.B. mit Sushi, Tonkatsu (frittiertem Schweine-Kotelett), oder Soba (kalten Buchweizen-Nudeln mit Soße) gefüllt sind. Verhungern wird man also schon mal nicht. Und selbst in Lokalen ohne englische Speisekarte ist das Bestellen ein Kinderspiel, da fast alle Restaurants lebensechte Plastikmodelle ihrer Speisen im Schaufenster ausstellen. Zur Not einfach auf das zeigen, was lecker aussieht.

Einziges Manko: Es gibt verhältnismäßig wenige strikt vegetarische Gerichte, die Tourist-Info hält aber eine Broschüre „Vegetarian & Macrobiotic Restaurants in Tokyo“ bereit. Gute Nachricht: Sushi gibt’s auch vegetarisch, z.B. die mit Gurke gefüllten kappa-maki.

Eine große Auswahl an Restaurant-Kritiken bietet folgende Seite: http://www.bento.com/tokyofood.html

Fine Art

Die höchste Dicht an Museen in Tokio findet sich im Ueno-Park. Nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen das Nationalmuseum, das Städtische Kunstmuseum, das Wissenschaftsmuseum und das Museum für Westliche Kunst. Dazwischen gibt es noch einen Zoo, mehrere Tempel und die berühmte Statue des Samurai Saigo Takamori – der ganz unkriegerisch seinen Hund Gassi führt! Fans von Anime-Guru Miyazaki Hayao können im Ghibli-Museum in Mitaka (einem Vorort Tokios) ganz in die Welt von Totoro, Chihiro & Co. eintauchen. Zu jeder Eintrittskarte gibt es einen Original-Filmschnipsel, aber Vorsicht: Die Besucherzahl pro Tag ist begrenzt, Tickets gibt es nur im Vorverkauf!

http://www.ghibli-museum.jp/en/

Beste Bar

Ein Izakaya ist das japanische Gegenstück zu einem Pub. Und da Japaner nie trinken, ohne etwas dazu zu essen, bieten die meisten Izakaya eine Auswahl kleiner Speisen an, z.B. Yakitori (Hühner-Spieße), O-Nigiri (Reisbälle), Oden (in Brühe gekochtes Gemüse, Ei und Fisch-Tofu) oder Okonomiyaki (eine Art herzhafter Pfannkuchen). Obwohl auch hier mittlerweile Ketten wie „Watami“ das Stadtbild dominieren, lassen sich in Seitenstraßen immer noch urige authentische Kneipen finden. Manche davon, wie die in der „Golden Gai“ im Rotlichtviertel Kabuki-cho, sind so schmal, dass außer der Theke und einer Reihe Bar-Hockern nichts hineinpasst.

Achtung: Nicht alle dieser Bars heißen Ausländer bzw. nicht Japanisch sprechende Gäste willkommen!

Am besten findet man die „Golden Gai“ vom Hanazono-Schrein aus. Einfach die Stufen am Ende des Schrein-Geländes hinuntergehen und man steht direkt davor.





Clubs

Shibuya und Roppongi sind die Stadtviertel mit den angesagtesten Bars und Clubs. Ausgehen ist allerdings meist nicht ganz billig, viele Clubs kosten 1000-3000 Yen Eintritt (ca. 160 Yen = 1 €). Eine Ausnahme ist die Gas Panic Bar, die sich über drei Etagen erstreckt. Allerdings muss (!) man immer ein Getränk in der Hand haben, um sich im Gas Panic aufhalten zu dürfen. Am Wochenende ist der Club meist brechend voll mit jungen Japanern und Ausländern, die zur Not auch auf den Tischen tanzen.

Hier kann es passieren, dass neben schickem Party-Volk auch Cosplayer in schrillen Kostümen oder junge Sumo-Ringer im traditionellen Yukata die Bar betreten… Donnerstags ist es etwas entspannter, außerdem gelten dann den ganzen Abend die „Happy Hour“-Tarife (Bier für 500 Yen, am Wochenende 700 Yen).

Gas Panic Bar (3-15-24 Roppongi, Minato-ku), Hibiya-Linie bis Roppongi, Ausgang 3
http://www.gaspanic.co.jp/Wer lieber singt, als zu tanzen, ist beim Karaoke richtig aufgehoben. Filialen der großen Ketten „Karaoke-kan“ und „Big Echo“ gibt es flächendeckend. Am billigsten ist es an Wochentagen vor 19 Uhr, von Mitternacht bis zum frühen Morgen gibt es auch sogenannte „Free Time“-Tarife ohne Zeitbegrenzung. Am Wochenende ist Karaoke ein eher teures Vergnügen (ca. 500 Yen pro Person pro halbe Stunde).



Nachtlager

Ein hartnäckiges Vorurteil ist, dass Japan unheimlich teuer sei. Sicher, was die Mieten angeht, stimmt das, aber ausgestattet mit einem Japan-Rail-Pass kann man Japan auch als Rucksack-Tourist bereisen. Selbst eine Unterkunft in Tokio muss nicht viel kosten: Die Khaosan Tokyo Hostel-Gruppe bietet mittlerweile vier Häuser im zentralen Stadtteil Asakusa und Umgebung – Original, Annex, Smile und Ninja. Ein Zimmer im Schlafsaal kostet nur 2200 Yen (ca. 14 Euro), ein Einzelzimmer 3700 Yen (ca. 23 Euro). Die Besitzer sind freundlich, die Hostels sauber und ausgestattet mit Gemeinschaftsraum, einer kleinen Küche und kostenlosem Internet-Zugang.

Khaosan Tokyo Hostel-Gruppe
Buchbar über Hostelworld

Für Romantiker

Beliebt bei Paaren ist eine Bootsfahrt auf dem Sumida-Fluss von Asakusa zum Hamarikyu-teien-Park mit seinen Teichen und traditionellen Teehäusern oder mit dem futuristischen Wasser-Bus „Himiko“ von Asakusa direkt zur künstlichen Insel Odaiba.

Sonntags hat man am Meiji-Schrein gute Chancen, eine japanische Hochzeitsgesellschaft in traditioneller Kleidung zu bewundern.





Shop till you drop

Shoppen ist gerade für junge Japanerinnen der Zeitvertreib Nr. 1, das Mode- und Markenbewusstsein ist riesig. Nobelste Einkaufsmeile ist der Stadtteil Ginza mit den großen Kaufhäusern Mitsukoshi und Matsuya. Ein Muss sind die Feinkostabteilungen im Untergeschoss – oft gibt es auch Probierhäppchen! Auch wer gebrauchtes Kamera-Equipment sucht, ist in der Ginza richtig: Entlang der Harumi-dori gibt es viele kleine Foto-Läden.

Matsuya (3-6-1 Ginza, Chuo-ku, geöffnet täglich von 10:30 Uhr bis 19:30 Uhr)
Mitsukoshi (4-6-16 Ginza, Chuo-ku, geöffnet täglich von 10 Uhr bis 19:30 Uhr)

Ein Paradies nicht nur für Heimwerker und DIY-Freaks sind die Filialen von Tokyu Hands: Egal, ob ihr Bretter, Hammer und Nägel braucht oder eine Darth Vader-Maske, Hochzeitsdeko und Glitzersticker für’s Handy – hier werdet ihr garantiert fündig.

Tokyu Hands (Takashimaya Times Square, 5-24-2 Sendagaya, Shibuya-ku, geöffnet täglich von 10 Uhr bis 20:30 Uhr)

Ein weiteres Muss für Frühaufsteher ist der Tsukuji-Fischmarkt. Nach der Thunfisch-Auktion um 5 Uhr morgens wird der fangfrische Fisch an zahllosen kleinen Ständen angeboten. Einkäufer von Hotels und Restaurants drängen sich durch die schmalen Gänge und als Besucher muss man aufpassen, nicht ständig im Weg zu stehen oder gar von einem der motorisierten Lieferwagen über den Haufen gefahren zu werden. Ganz Hartgesottene schließen den Besuch mit einem zünftigen Sushi-Frühstück ab. Frischer geht’s nimmer!

http://www.tsukiji-market.or.jp/tukiji_e.htmWer gern auf Schnäppchenjagd geht, sollte sich die Tokioter Flohmärktevormerken. Die meisten finden am ersten und/oder dritten Sonntag eines Monats statt.

Haupt-Einkaufstag ist in Japan übrigens der Sonntag, die Geschäfte sind alle geöffnet, nur Postämter und Banken haben wie bei uns geschlossen.





Meet the locals

Als Ausländer fällt man in Japan einfach auf. Insofern sollte man sich nicht wundern, wenn man ab und zu von wildfremden Japanern angesprochen und ausgefragt wird. Neben einem ehrlichen Interesse an Europa, besonders an Deutschland, spielt noch ein anderer Faktor eine Rolle: Ausländische Touristen sind wunderbare Objekte, um das mühsam erlernte Schulenglisch endlich einmal in der Praxis anzuwenden.

Wer keine Berührungsängste hat, kann sich auch in eine der kleinen Yakitori-Buden setzen, die es z.B. entlang der Bahngleise an der Ueno-Station zuhauf gibt. Yakitori sind gegrillte Spieße mit Hühnerfleisch und Gemüse, dazu trinkt man Bier. Die Tische bestehen oft nur aus aufeinandergestapelten Bierkästen. Hier treffen sich viele japanische Angestellte auf einen Imbiss und Absacker, bevor sie teils zwei Stunden nach Hause pendeln müssen.

Ansonsten kann man in jeder Bar mit Leuten ins Gespräch kommen. Nach ein paar Bier sind viele Japaner aufgeschlossener und redseliger.



Buchtipp:

Bücher über Japan gibt es zu Hunderten, meist zelebrieren sie simpel Klischee-Bestätigung. Anders ist „Lost Japan” von Alex Kerr, der seit seiner Kindheit mehr als 30 Jahre in Japan gelebt hat. Das Buch erschien 1994 auf Japanisch für ein japanisches Publikum und wurde 1996 ins Englische übersetzt. In teils sehr persönlichen, thematisch abgeschlossenen Kapiteln setzt sich Alex Kerr mit Japans Kultur und Geistesgeschichte, dem wirtschaftlichen Aufschwung und den Umweltproblemen, der traditionellen Kunst und dem täglichen Kitsch auseinander. Unterhaltsam und witzig geschrieben nimmt das Buch den Leser an die Hand und zeigt ihm ein Japan hinter der Oberfläche, an der man als Tourist nur kratzen kann.

Alex Kerr: Lost Japan. Lonely Planet Publications, ISBN-13: 978-1741795230



Die Tippgeberin:

Louisa Knobloch studierte Germanistik, Journalistik und Japanologie an der Universität Leipzig. Nach einem Auslandssemester 2005 auf dem Land stürzte sie sich dieses Jahr für vier Monate in den Großstadtdschungel. In Tokio unterrichtete sie als Tutorin Deutsch an einer japanischen Universität.

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