Razorlight im Zirkuszelt: Coolness ohne Golden Touch

Gina Kutkat

Johnny Borrell und seine Kollegen von Razorlight spielten gestern Abend das ZMF-Abschlusskonzert im Zirkuszelt. Vor nur etwa 800 Zuschauern wirkte die Show der britischen Indie-Rocker leider manchmal etwas herzlos. Warum der Abend trotzdem gut war:

Während die Hosen von Sänger und Gitarrist Johnny Borrell immer enger werden, dröhnen die tighten Razorlight-Gitarren immer lauter. Schnelle Riffs vereinen sich mit den nach vorne treibenden Beats und werden so zu dem ganz eigenen Razorlight-Sound, der sich aus Pop, Rock, Garage und schönen Melodien zusammensetzt. Auch wenn Johnny Borrell eine neue Mannschaft um sich vereint hat, kann man eine gewisse Bandharmonie auf der Bühne spüren. Razorlight strengen sich jedoch an diesem letzten ZMF-Abend nicht besonders an, diese Harmonie auch aufs Publikum zu übertragen. Auf den "Golden Touch" warten die Zuschauer vergeblich. Man fühlt sich etwas ausgeschlossen, fast so, als schaue man den Jungs bei einer Bandprobe zu.

Was natürlich auch seine Reize hat: Johnny Borrells Stimme ist immer noch unverkennbar und messerscharf - wie ein Razor. Ihre Indie-Rock-Hymnen "Golden Touch" oder "Before I Fall To Pieces" wirken live noch härter und eindringlicher. Das Cover von Edwyn Collins "A Girl Like You" klingt in der neuen Razorlight-Ausgabe besser als das Original und alte Garage-Rock-Kracher wie "Dalston" oder "Rip it Up" sind die rauen Gegenstücke zum schwulstigen "Wire to Wire". Johnny Borrell, dieser dünne, dramatische Kerl, singt seine tragisch-schönen Songs mit einer Emotionalität, die man nicht oft auf der Bühne erlebt.

In 90 Minuten rocken Razorlight ganze 23 Songs runter. Rock sollte eben schnell sein, aber mussten Razorlight die Stücke gleich so hinklatschen?

Mehr dazu:


 

Foto-Galerie:

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.