Rapport vom Barfi: Champions League Public-Viewing in Basel

SC-Rapporter

Champions League Achtelfinale FCB vs. FCB. Das Hinspiel in Basel hatte der kleine FCB 1:0 gewonnen, zum Rückspiel in München war auf dem Basler Barfüsserplatz in Public Viewing angesagt. Klar, dass unser Rapporter dabei sein wollte, falls dem kleinen FCB das Unerwartete gelingen sollte. Wie's war (außer verdammt traurig):



Das Vorhaben

Nur eine Stunde Zugfahrt ist die Basel von Freiburg entfernt. Lohnt sich also, beim Spitzenspiel Bayern gegen Basel auf dem Barfüsserplatz zum Public-Viewing vorbeizuschauen. Schließlich haben die Basler die riesige Chance, eine Sensation zu vollbringen.

Als erstes Schweizer Team hat der FC Basel das Champions-League-Achtelfinale erreicht, zuvor schaffte es der Verein, den englischen Meister Manchester United aus dem Wettbewerb zu boxen.

Auch gegen den heutigen Gegner, den FC Bayern München, siegte der kleine Asterix im Hinspiel des Achtelfinales. Beim heutigen Rückspiel in der Allianz-Arena ist der Zaubertrank also schon gut gemixt. Doch die Bayern sind gleich mehrere Hausnummern größer und haben ihre eigenen Waffen in der Hand. Das bekamen am Wochenende auch die Hoffenheimer zu spüren, die sich mit 1:7 gegen die Jungs in den Lederhosen geschlagen geben mussten.

Im Zug nach Basel

Voller Vorfreude sitze ich im Zug nach Basel. Während ich in Gedanken über das Spiel philosophiere und mir schon das Wunder von Basel ausmale, gibt es eine Lautsprecheransage: „Achten Sie auf den Höhenunterschied zwischen Gleis und Bahnsteig.“ Die Realität darf nicht außer Acht gelassen werden: Der Höhenunterschied zwischen dem kleinen FC Basel und dem großen FC Bayern ist gewaltig. Wird Basel trotzdem die Oberhand behalten? Oder werden die Rot-Blauen über den Höhenunterschied stolpern und am Ende auf die Nase fallen?

Der Weg zum Barfi

Endlich in Basel. Bald werden meine Fragen beantwortet. Auf dem Barfüsserplatz in der Innenstadt gibt's Public Viewing. „Wo ist der Barfußpark?“, fragt ein ebenfalls angereister Fußballfan einen Basler Passanten - der zum Glück aber weiß, was gemeint ist. Falls wir doch im Barfußpark landen sollte, stellt sich die Frage, wo der FC Basel heute hineintritt: In weichen Sand oder in spitze Scherben...?

Der Barfüsserplatz

Viel ist nicht zu sehen vom Platz. Geschätzte 10.000 Menschen haben sich vor einer 37m² LED-Leinwand versammelt. Junge und Alte haben sich gleichermaßen in ein rot-blaues Dress geworfen und zeigen mit Schals, Fahnen und Trikots ihre Vereinsfarben. Dicht an dicht stehen die Fans hier, ein Durchkommen wäre nur mit Hilfe von Ellenbogen möglich - als Deutscher will ich heute allerdings nicht negativ durch aggressives Verhalten auffallen. Mir bleibt die Sicht auf das Spielgeschehen versperrt, sodass ich nur durch das laute Aufstöhnen der Basler erahnen kann, dass Bayern erst 1:0 und dann 2:0 führt.

Spiel-Atmosphäre

Die Fans auf dem Barfüsserplatz haben ein Leuchten in den Augen, ein hoffnungsvolles Leuchten. Die Menge ist leise, angespannt. Ehrfurchtsvoll horchen sie auf dem Kommentator, die Augen gebannt auf die Leinwand fixiert. Die umliegenden Häuser sind erleuchtet, aus einigen Fenstern blicken gespannt die Bewohner hinunter. Das 3:0 für die Bayern lässt die Hoffnung und den Glauben an einen Sieg des FC Basel noch mehr schwinden.

Einen Vorteil hat der für Basel ungünstige Spielstand: nach diesem Tor kann ich die Hälfte der Leinwand sehen, weil der Platz leider immer leerer wird. Eine Rakete wird zur Halbzeitpause gezündet - doch das große Feuerwerk für den FC Basel bleibt aus.

Aufheiterli & Aufregerle

„Häh?“, ruft eine Frau neben mir bei Wiederanpfiff und tippt mir dabei auf die Schulter. „Isch drü null?“, fragt sie geschockt. Eine von der ganz schnellen Sorte.

In großer Jubellaune

Nachdem die Bayern der Elf aus Basel noch das vierte und fünfte Tor reingedrückt haben und der Platz mit dem verlorenen Optimismus nicht einmal mehr halb voll, sondern nur noch halb leer ist, gibt es eine kleine Überraschung im Spiel. Der FC Basel schießt ein Tor und der Barfüsserplatz jubelt, als wäre dies der entscheidende Siegtreffer für das Schweizer Team.

Auch als der Kommentator die Abseitsposition des Torschützen und die entsprechende Aberkennung des Tors erwähnt, jubelt die Menge laut weiter. In der Mitte des Platzes steigt sogar roter Rauch auf, das Herz vom FC ist hier. Das kann auch das 6:0 nicht ändern, geschweige denn das 7:0. Doch wenn der letzte Rauch verzogen ist, verpufft auch das letzte Quäntchen Hoffnung.

Der Rückweg

Müde machen wir uns auf den Weg nach Hause. Vorfreude ist wohl doch manchmal die schönste Freude. „Vielleicht wäre der Barfußpark doch besser gewesen“, sagt meinr Begleitung.  Vielleicht. Der Traum vom ersten Champions League Viertelfinale in der Schweizer Geschichte ist jedenfalls wie eine Seifenblase geplatzt.

Trotzdem kann das Team stolz auf seine Leistung sein, die es bis dato gezeigt hat. Wir hören noch von weitem Fans grölend nach Hause laufen, doch statt Trunken vor Glück sind sie heute Frustangetrunken. Schade, FC Basel. Aber die nächste Sensation kommt bestimmt.

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