Rapport aus Bahlingen: SV Waldkirch gegen Greuther Fürth

Fabian Fechner

Die erste Runde des DFB-Pokals bei allerfeinstem Fußballwetter am Kaiserstuhl. Der Sechsligist SV Waldkirch gegen den Zweitligist Greuther Fürth - mit Live-Fernsehen und Weißweinschorle. Wieviel Pokalfeeling es im Kaiserstuhlstadion in Bahlingen gab:



Vor dem Anpfiff

Aus den Lautsprechern tönen Jan Delay und Andreas Bourani. Und natürlich das Badnerlied. Fast so wie bei den Großen aus Freiburg. Nur, dass hier alles etwas improvisiert ist. Die Boxen wurden kurzerhand am Fangzaun hinter dem Tor aufgehängt, sämtliche Werbetafeln im Stadion mussten notdürftig abgedeckt werden um die offiziellen Sponsoren des DFB-Pokals zu schützen.

Die Tickets wurden im 24 Kilometer entfernten Waldkirch im Rathaus und auf dem Wochenmarkt verkauft. Trotz des offiziellen Charakters, der Kameras und den zwei gestylten Jungs, die mir am Eingang ein Sky-Abo verkaufen möchten, fühlt es sich nicht an wie ein Fußballspiel. Eher wie ein großes Familienfest.

Das Stadion

Derzeit spielt der SV Waldkirch in der Verbandsliga Südbaden, der sechsten Liga. Durch den Gewinn des südbadischen Pokals im Mai diesen Jahres hatte sich der Verein für den DFB-Pokal qualifiziert. Da es aber zu teuer gewesen wäre, das eigene Stadion pokaltauglich zu machen, wird im knapp 25 Kilometer entfernten Kaiserstuhlstadion des Bahlinger SC gespielt – vor 3.820 Zuschauern, bei strahlendem Sonnenschein und traumhaftem Panorama. Es gibt Weißweinschorle und Bratwurst. Direkt hinter dem Tor beginnt das Wohngebiet. Von den Balkonen hätte man eine super Sicht auf das Spielfeld, überraschenderweise sind sie leer.



Die Fan-Aktion

...kommt vom Gegner aus Fürth in Form von grünen Rauchbomben noch vor dem Anpfiff. Die Franken machen richtig Stimmung in ihrem Mini-Block, zirka 1.000 Fans sind mitgereist. Im Laufe des Spiels beweisen aber auch die Fans aus Waldkirch, dass sie nicht wegen des schönen Wetters an den Kaiserstuhl gekommen sind.

Die größten Hits der südbadischen Sangeskunst: Platz drei für "Der Trainer ist nervös", nachdem Frank Kramer die gesamte Ersatzbank des Tabellenführers der zweiten Liga schon Mitte der ersten Halbzeit zum Warmmachen schickt. Platz zwei für "Ohne Waldkirch wär' hier gar nix los!", was nicht ganz stimmt, denn der im Kaiserstuhlstadion beheimatete Bahlinger SC spielte an dieser Stätte vor einem Jahr ebenfalls im DFB-Pokal. Und Platz eins für "Und ihr wollt zweite Liga sein!", da Fürth zu Beginn eher spielt wie vierte Liga oder drunter.

Das Spiel

Sind wir ehrlich, das tatsächliche Spiel ist hier nebensächlich. Der Verbandsligist SV Waldkirch steht in der ersten Runde des DFB-Pokals. Zum allerersten Mal überhaupt. Es ist das größte Spiel der Vereinsgeschichte. Das allein reicht ja eigentlich schon.

Doch die Waldkircher schlagen sich in der ersten Halbzeit wacker und gehen ohne Gegentor in die Pause. Die Mannschaften sind sogar auf Augenhöhe, mit wenigen Chancen auf beiden Seiten, für Waldkirch meist zentral über Gildas Asongwe oder über Josef Thomaz auf rechts. Der SVW, neben Alemannia Waldalgesheim der einzige Sechstligist im Wettbewerb, spielt konzentriert, schlägt die Bälle selten blind hinten raus, sondern versucht auch in Bedrängnis klug nach vorne zu spielen. Jede Grätsche, jede Parade des guten Torhüters Andi Stengel und jeder Torschuss werden mit Szenenapplaus belohnt. Kurz vor der Halbzeit liegt der Ball dann im Waldkircher Tor, Fürth jubelt, der Schiedsrichterassistent aber hebt die Fahne. Abseits. Vielleicht ist die Sensation ja doch möglich.



Die 46. Minute

Direkt nach der Pause gelingt Greuther Fürth allerdings der Doppelschlag innerhalb von sechs Minuten. Später fällt dann noch das 0:3. Die Mannschaft aus Waldkirch könnte jetzt zerbröseln oder sich aufgeben. Macht sie aber nicht. Stattdessen behält sie die Ordnung und spielt weiter Fußball. Die Fans legen deswegen noch einen Hit auf: "Wir feiern trotzdem – ehoh." Leider bleibt dem engagierten SV Waldkirch das erste DFB-Pokal-Tor verwehrt.

Der König des Platzes

...steht heute neben dem Platz und es ist nicht nur einer. Unzählige ehrenamtliche Helfer aus Waldkirch und Bahlingen wuseln über das Gelände, tragen körbeweise Weckle, schenken Fanta und Bier aus oder verteilen Presseakkreditierungen.



Nach dem Abpfiff

Während Helene Fischer atemlos aus den Boxen schreit, himmelt der Waldkircher Nachwuchs am Spielfeldrand seine Helden an. Die Trikots können sie leider nicht haben, aber dafür gibt's ein Autogramm aufs T-Shirt. Danach geht die Party im VIP-Zelt weiter, zwar nicht mit Helene Fischer, dafür mit den "Wombats" aus Schonach, der Stammband des SV Waldkirch. Die Fans aus Fürth kühlen sich derweil noch kurz mit einem Bad in der Dreisam ab, bevor sie die 400 Kilometer weite Heimreise antreten.

Fazit

Waldkirch hat verloren, doch für niemanden scheint sich das so anzufühlen. Jedem einzelnen Spieler ist nach dem Spiel anzusehen, dass es richtig Spaß gemacht hat. "Wir wollen einfach einen tollen Tag erleben", hatte Trainer Alex Fischinger vor dem Spiel gesagt. Man hatte auf eine Überraschung gehofft, aber nie damit gerechnet. Deswegen sind alle sehr zufrieden an diesem sonnigen Samstagnachmittag am Kaiserstuhl.

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