Rampe 08: Ein Abend der Revivals

Alexander Ochs

Zum fünften Mal Rampe im Jazzhaus: Für die 2008er Auflage des Bandwettbewerbs holte man gestern fünf Bands aus der Regio auf die Bühne. Dem Gewinner winkte der Titel der ZMF-Tourband. Warum das Ganze ein großer Revival-Abend war und wie es ausging, erzählt euch Alex.



Fünf Bands treffen auf fünf Jurymitglieder, eines davon ist das Publikum, jeder darf mit abstimmen. Dazu bekommt jeder Zuschauer am Eingang drei Jetons, die er am Ende auf fünf Sektkübel verteilen durfte – für jede Band ein Wahlurnen-Kübel. Exakt 30 Minuten darf jede Band ran.

Startnummer 1: Die Grunger



Cornerstone – schon der Bandname klingt nach Ecken und Kanten, nach erdigem Rock. Und genau das wuchten die vier Jungs perfekt auf die Bühne. Viel Rock’n’Roll, leichte Blues-Einschläge, dazu ein Sänger mit einer begnadeten Rockröhre – was will man mehr? Dieser Mann, Daniel Kiefer, lässt den guten alten „Lemmy“ von weiland Motörhead wiederauferstehen. Sie liefern genau das Mehr an Show, was der Vorband abging. Auftreten, Stimme, Arrangements – hier stimmt einfach alles. „Geile Band!“, raunt mir mein Nebenmann zu. Viel Applaus gibt’s für diese Formation.

Startnummer 3: Die HipHopper



Weder Stereo Total noch Sonic Youth waren als nächstes an der Reihe, sondern Sonic Total. Auch was sie machen, ist nicht neu: Sie verbinden Rock und Rap. Dabei herrscht eine klare Aufgabenteilung: Während Rapper Stefan zumindest optisch den jungen Smudo gibt, ist der zweite Sänger und Gitarrist Roland für den rockigen Part zuständig. Und auf einmal hüpft das Jazzhaus wie wild – partytaugliche Mucke, ZMF-kompatibel. Und wer geglaubt hat, dem närrischen Treiben am Schmutzigen Dunschtig entgehen zu können, wurde von Sonic Total eines Besseren belehrt: zumindest ein "Narri-Narro!" mit dem Publikum musste offenbar sein. Insgesamt eine erstaunliche Performance, wenn man bedenkt, dass diese Jungs erst seit einem dreiviertel Jahr zusammenspielen und erst im Sommer 2007 ihren ersten Auftritt hatten. Respekt! Viel Geklatsche und Gejohle hatten sich die Rockrapper verdient – auch wenn es da mal was gab, so Anfang bis Mitte der Neunziger: Such A Surge und Konsorten. Ganz klar die Nummer 1 beim Publikum.

Startnummer 4: Die Punk-Rocker



Von vielen favorisiert, gehen nun die aus Portugal stammenden Wahl-Freiburger Fed Up 74 an den Start. Sie servieren kurze, straighte Punkrocknummern – und legen viel Wert auf Style und Show. Rasen die Bühne auf und ab wie die Derwische. Recken ihre tätowierten Körperteile ins Licht. Aalen sich in ihren Posen. Haben einen Halbnackt-Drummer an Bord, der in Socken sein Schlagwerk bearbeitet. Musikalisch hatte man mehr erwartet; zu viel Gepose, zu routiniert, zu abgebrüht kommen sie daher. Und textlich mau. Eine kleine Enttäuschung. Die Spannungskurve unter den Zuschauern fällt ab, trotzdem ordentlicher Applaus.

Startnummer 5: Die Pop-Rocker



Doch die ganz große Enttäuschung kommt erst noch. Groß angekündigt, mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht und über hundert Auftritten im Gepäck, treten die jungen Endinger Wir die Jazzhaus-Bühne. Doch was war das denn? Weitgehend belangloser Deutsch-Poprock – für Bravo zu brav, für Pop/Rocky zu poprockig. Hä? Ja, so erging es Vielen im Jazzhaus, keiner wusste so recht was mit dem Teenie-Trio anzufangen. Da kam kein Wir-Gefühl auf, Stimmung schon gar nicht, außer bei den weich äh hartgesottenen Wir-Fans. Wie hatten Sonic Total gesagt: „Halbe Stunden haben die Angewohnheit kurz zu sein.“ Hier merkte man, wie lang eine solche wirken kann. „Unverschämtheit!“, murmelte jemand neben mir in Bezug auf die Youngster aus dem Kaiserstuhl. Trotzdem gab es ordentlich Beifall.

Der Sieger

Ran an die Wahlurnen. Drei Jetons darf ein jeder und eine jede auf die fünf aufgestellten Sektkübel verteilen. Nach kurzer Pause verkündet die Jury das Ergebnis: And the winner is… Cornerstone!

Während das Publikum Sonic Total auf Platz 1 wählte, gönnte die Jury dem Rap-Rock-Crossover-Quartett nur den dritten Rang. Platz 2 belegten Fed Up 74. „Alle fünf Bands haben ein gutes Niveau“, so die Juroren um Zeus B. Held von der Jazz- und Rockschule. Nach einer Minute war der Zauber bereits vorbei, die Veranstaltung zu Ende – kurz und schmerzlos. Und die Gewinner konnten noch nicht mal mehr auf die Bühne – denn der Cornerstone-Gitarrist lag krank darnieder. Aber das können sie demnächst ja noch oft genug – als ZMF-Tourband 2008.

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FotoGalerie: Alex

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