Beim Pressehaus

Querdenker-Demo und Gegendemo für Pressefreiheit in Freiburg

BZ-Redaktion

Am Samstagmittag haben sich über 100 Menschen friedlich am Pressehaus der Badischen Zeitung versammelt, um gegen eine Querdenker-Demonstration dort zu protestieren.

Großes Polizeiaufgebot und gesperrte Straßen am Samstagmittag in Freiburg-Haslach: Sogenannte "Querdenker" hatten für 12 Uhr zu einer Demonstration gegen die Badische Zeitung aufgerufen. Gekommen waren jedoch überwiegend Gegendemonstranten, die an der Kreuzung von Lörracher- und Basler Straße an einer Polizeiabsperrung mit Abstand protestierten. Motto: "Pressefreiheit verteidigen! Corona-Leugner*innen keine Bühne bieten!"

Ein Stück weiter in der Lörracher Straße hatten sich 50 bis 60 Anhänger der sogenannten "Querdenken"-Bewegung eingefunden, um gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu demonstrieren – und der Badischen Zeitung vorzuwerfen, nicht im Einklang mit dem Pressekodex zu berichten.

 
Nicht Querdenker bestimmen, was wahr sein soll

Warum sich die Badische Zeitung von Anti-Corona-Protesten nicht beeindrucken lässt

Eine Gruppe von Querdenkerinnen und Querdenkern hat am Samstag vor dem Verlagsgelände der Badischen Zeitung demonstriert. Das ist selbstverständlich ihr gutes Recht. Ihr Vorwurf, die Badische Zeitung verstoße bei ihrer Corona-Berichterstattung gegen den Pressekodex, entbehrt allerdings jeder Grundlage. Seit Ausbruch der Pandemie bemüht sich die Redaktion darum, ihre Leserinnen und Leser möglichst umfassend und gründlich über alle Aspekte der Pandemie zu informieren. Dies geschieht unter Wahrung der Sorgfaltspflicht und aller anderen journalistischen Standards.

Genau deshalb kommen bei uns nicht alle Positionen unterschiedslos zu Wort. Aussagen und Theorien, die offenkundig widersinnig sind oder auf Verschwörungstheorien beruhen, räumen wir nicht denselben Raum ein wie seriösen Informationen aus ebensolchen Quellen. Handelten wir anders, würden wir verdrehten, manipulierten Wahrheiten oder Lügen über Gebühr Beachtung schenken und relevante Nachrichten in ihrem Wahrheitsgehalt entwerten. Damit würden wir unserer Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit nicht gerecht.

Dies heißt nicht, dass Kritiker des Umgangs mit der Corona-Pandemie hierzulande nicht zu Wort kämen. Seit Ausbruch der Pandemie hat die Redaktion immer wieder das Gespräch auch mit dezidierten Gegnern des offiziellen Corona-Krisenmanagements und gar Corona-Leugnern gesucht. Verschiedentlich haben wir mit ihnen Interviews und Gesprächs-Features veröffentlicht.

Häufiger allerdings machten wir folgende Erfahrung: Eine Redaktion führte ein Interview mit einer oder einem Organisator etwa einer Anti-Corona-Demonstration, aber kurz vor der Veröffentlichung zogen diese Interviewpartner dann die Erlaubnis zum Abdruck zurück. Häufig weigerte sich ein von uns angefragter Gesprächspartner auch von vornherein, mit der Redaktion zu sprechen. Logisch, würde man sich nicht sperren, ließe sich auf Demonstrationen oder in einschlägigen Chatgruppen auch nicht mehr nach Herzenslust gegen die angeblich gleichgeschaltete und arrogante Medienmacht zu Felde ziehen.

Letztlich zielen Querdenker und andere Corona-Kritiker immer auf einen Hauptvorwurf ab: Die Badische Zeitung oder andere sogenannte Mainstream-Medien würden nicht wahrheitsgemäß berichten. Allerdings: Was Wahrheit sein soll, wollen ausschließlich sie alleine bestimmen. Das ist nicht vereinbar mit unserem Selbstverständnis als Teil einer aufgeklärten, demokratischen Öffentlichkeit. Wir werden deshalb weiterhin kritisch und unabhängig unsere Arbeit tun.

Thomas Fricker, BZ-Chefredakteur


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