Der letzte Moehikaner

Pub-Quiz digital: Ciaran Jenkins vermisst die Teams und das O’Kellys

Florian Schmieder

Nach über elf Jahren musste Ciaran Jenkins das Pub-Quiz des O’Kellys vergangenen März von analog auf digital umstellen. Nach den Lockerungen im Sommer mit Kneipenquiz vor Ort stellt er seine Fragen nun wieder über das Internet.

"Hello there and welcome to the Monday night pub quiz." So in etwa beginnt Ciaran Jenkins, in Freiburg wohl besser bekannt als Moe, seit Jahren jeden Montag sein Pub-Quiz im O’Kellys. Seit über einem Jahr kann er dieser heißgeliebten Tätigkeit nun schon nicht mehr wie gewohnt nachgehen.

Als im März 2020 die Kneipen schlossen, stellte dies natürlich auch für das bekannte Quiz im Pub in der Milchstraße ein abruptes Ende dar. Für Ciaran war allerdings schnell klar, dass es das Quiz weiterhin geben musste. "Anfangs wollte ich, dass das O’Kellys in den Köpfen der Leute bleibt, aber dann habe ich gemerkt, dass ich vor allem das Pub-Quiz machen will, das mache ich jeden Montag, seit elf Jahren."

12 Jahre und über 500 Montage

So konnte er mit nur einer Woche Pause zu Beginn die Rätselnden über die Facebook-Seite des Pubs mit Fragen versorgen. "Ich hatte absolut keine Ahnung, wie man streamt, innerhalb einer Woche habe ich dann gelernt, die Software zu nutzen."
Seit 2005 wohnt Ciaran in Freiburg, hatte anfangs noch regelmäßig das Montagsquiz als Teilnehmer verfolgt. Nach vier Jahren hat er dann Ende 2009 die Stelle als Host übernommen und ist seither das Gesicht dieser Freiburger Institution. "Ich will das Pub-Quiz lieber spielen, aber auch so, ich liebe es einfach."
Moe’s Monday Night Pub Quiz

Jeden Montag um 20.30 Uhr startet digital das Pub Quiz. Teilnehmen kann man unter folgendem Link: Okellys.de

O’Kellys: Website & Facebook & Instagram

Mittlerweile sind es bald zwölf Jahre und über 500 Montage, an denen er das bunte Kneipenpublikum mit seinen Fragen ins Schwitzen brachte. Insgesamt waren dies in dieser Zeit hochgerechnet also über 20.000, die er selbst zusammengesucht und sich überlegt hat. Dabei ist es für ihn, wie er es bescheiden formuliert, "einfach, ein Pub-Quiz zu erstellen, das Schreiben dauert nur so fünf bis sechs Stunden". Seine Quiz-Begeisterung zieht sich dabei durch seinen Alltag, denn "überall kann man Pub-Quizfragen sehen, oder Logos, die man benutzen kann". So hat er aktuell ein 25-seitiges Word-Dokument mit Stichworten für Fragen zusammen. Viele Freunde kommen auch auf ihn mit möglichen Fragen auf ihn zu und "auch wenn ich es nicht beantworten könnte, das sind dann tolle Fragen, also stelle ich sie auch am Montag".

Die Interaktion fehlt – Reden und Lachen auch

Dass das Quiz nun nur noch digital stattfinden kann, macht einerseits auch vieles einfacher und schneller. Ein Quizabend dauert nun mit circa zwei Stunden etwa eine halbe Stunde kürzer, die Ausführung und Auswertung macht Ciaran mittlerweile komplett allein. Im Pub wurde er bei der Enträtselung der handgeschriebenen Zettel meist noch von einer Kollegin oder einem Kollegen unterstützt. Nun sitzt er zuhause – gerne auch mal im Pyjama – vor seinem Laptop und genießt auch diese Form des Quiz, das so gänzlich anders ist als das, was er im Pub so liebt.
"Es ist einfach ein super Job, und ich vermisse es."

Denn die Interaktion mit den Leuten, das Reden und Lachen mit alten Bekannten und neu eingestiegenen Gruppen, all das fehlt aktuell. Er vermisst sein Pub-Quiz, wie er es jahrelang durchführen konnte. Und ihm fehlt seine "ganz normale Arbeit", denn Ciaran ist nicht nur Host des Pub-Quiz, sondern in erster Linie vor allem Kellner. Zudem trug er an drei Tagen pro Woche die Gesamtverantwortung über die Kneipe. Er liebt seine Arbeit, denn "es ist immer Spaß, man arbeitet mit super Leuten, kann mit der Kundschaft reden, es ist selten stressig – es ist einfach ein super Job, und ich vermisse es". Wie nahezu alle aus der Gastronomie ist er nun fast ein halbes Jahr in Kurzarbeit. Das Quiz veranstaltet er dementsprechend ohne Vergütung, hat jedoch in den letzten Monaten bereits von einigen Teams Spenden für seine Arbeit erhalten, worüber er sich sehr freut.



Wann hat man gute Chancen?

Wird das Quiz durch die digitale Form einfacher, so wird es dennoch auch anonymer. Viele Gruppen sind montags Stammgäste, die er schon Jahre kennt. Nun bekommt Ciaran nur noch deren Antworten zugesendet, die bekannten Gesichter verschwinden hinter den Gruppennamen. Er findet es spannend, wie die Leute sich vernetzen und gemeinsam die Fragen beantworten, besonders bei großen Gruppen: "Wie treffen sich die Leute? Ich würde das echt gerne wissen."

Nach all den Jahren als Host, aber auch als passionierter Teilnehmer von anderen Quiz, hat er mittlerweile ein recht gutes Gefühl, zu wievielt man die besten Chancen hat, um viele Fragen zu beantworten. "Am besten ist eigentlich zu fünft, dann weiß man schon ziemlich viel und hat trotzdem genug Spaß, kann auch zwischen den Runden gut miteinander reden." Anhand seiner geführten Statistik der letzten Wochen kann er ebenfalls sehen, dass ab dieser Gruppengröße kaum mehr Potential für Verbesserungen ist, 80 Prozent der Fragen sind so meist richtig.

Lieblingskategorie: Geografie

Dass es aber auch Gruppen gibt, die über 90 Prozent richtig beantworten können, kann er sich nicht erklären. "Das ist verrückt, wie macht man sowas, es sind so viele verschiedene Kategorien und dann manchmal alle vierzig Fragen richtig, ich verstehe es nicht." So gibt er zu, dass er selbst mit einer kleinen Gruppe wohl auch nur 80 Prozent der Fragen beantworten könnte, "allein vielleicht so 25 der 40 Fragen". Außerdem hat er in der Zwischenzeit auch eindeutig seine Lieblingskategorien herausgefunden: "Geografie, das hatte ich auch im Abitur, und Flaggen, Flaggen mag ich. Von medizinischen Fragen habe ich hingegen absolut keine Ahnung."

Im zweiten Lockdown ist bei ihm nun auch der Gedanke gereift, seine Sammlung von Quizfragen der letzten elf Jahren, die er spaßeshalber sein "Lebenswerk" nennt, als Buch zu veröffentlichen. "Das wäre jetzt natürlich peinlich, wenn ich das ankündige und dann nicht schaffe. Aber es ist ja quasi schon alles geschrieben, ich muss das jetzt nur noch filtern und in ein schönes Format bringen." So käme Ciaran auch außerhalb der Montage in die Wohnzimmer der Fans seines Quiz.

Und so hofft Ciaran natürlich, dass er bald wieder montags in seinem O’Kellys stehen kann, gerne auch mit einem ähnlichen Hygienekonzept wie letzten Sommer. Denn ein frischgezapftes Bier, unleserlich beschriftete Antwortzettel und das laute Rufen mancher Gruppen bei der Freude über die richtige Antwort gehören für ihn einfach zu einem gelungenen Pub-Quiz dazu, denn: "Ich mache das gerne online, solange der Lockdown noch läuft, aber ich will wieder ins Pub, das Quiz gehört ins Pub."

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