Sedanquartier in Freiburg

Protestaktion wird zu Probelauf für Fahrradabstellplätze

Jens Kitzler

Im Juni kaperten Aktivisten von "Extinction Rebellion" Parkplätze im Sedanquartier und stellten Blumenkästen mit Radständern auf. Die Stadt entfernte sie – jetzt kehren sie zurück, als amtlicher Test.

Im Juni stellten Aktivisten der Initiative "Extinction Rebellion" bepflanzte Kästen mit Fahrradständern auf Parkplätze im Sedanviertel. Ein Protest gegen die Dominanz des Autos im öffentlichen Raum, der natürlich nicht genehmigt war – wenig später entfernte die Stadt die Kästen. Nun aber kehren die Beete wohl ins Viertel zurück, und mit ihnen Fahrradbügel – auch auf Wunsch von Händlern.


Kunden kommen mit dem Rad, aber es gibt nur Autostellplätze

Die Inhaber dreier Geschäfte aus dem Viertel hätten gerne so eine Installation vor der Tür – vor allem wegen der Radabstellplätze. "Das passt perfekt vor meinen Laden", sagt Monica Großmann. Inhaberin des Lebensmittelgeschäfts "Tischlein deck dich". Ihre Kundschaft käme mit dem Rad, die Autos vor der Tür sorgten höchstens für Ärger. Die Geschäftsführung vom Bekleidungsgeschäft "Zündstoff" an der Ecke Moltke- und Belfortstraße hatte sich bereits an die Stadt gewandt, als diese begann, den Gastronomen im Viertel Parkplätze als Zonen zur Außenbewirtung zu überlassen. "Wir haben schon länger Bedarf an ausgewiesenen Fahrradparkplätzen vor dem Laden", sagt Sascha Klemz.

Auch der Unverpackt-Supermarkt "Glaskiste" möchte einen Abstellplatz samt Blumenbeet: "Unsere Kunden kommen wirklich alle mit dem Fahrrad – wir haben aber nur einen Autoparkplatz vor der Tür", erläutert Filialleiter Niklas Bleser. Zum Gießen der Blumen fänden sich problemlos Anwohner sagt er. Ähnlich klappt es schon vor der Jos-Fritz-Buchhandlung – da durfte einer der ursprünglich aufgestellten Pflanz-Radständer amtlich genehmigt stehen bleiben, die Buchhandlung fungiert seither als Pate und gießt die Blumen.

Auch das Bürgerforum Sedanquartier/Im Grün hat Gefallen an der Aktion gefunden

"Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir das sehr gut finden", erklärt Ulrich Armbruster vom Bürgerforum Sedanquartier/Im Grün. Nicht primär wegen der Blumenbeete – die dienten höchstens der Optik. "Uns geht es in erster Linie darum, dass mehr Radabstellplätze in unserem Quartier geschaffen werden." Um die aufs Auto angewiesenen Anwohner zu schützen, sollte die Stadt darauf hinarbeiten, das gesamte Viertel zur Anwohnerparkzone zu machen, sagt Armbruster. Eine alte Forderung, die das Rathaus regelmäßig als nicht möglich ablehnt.

Dafür will das Rathaus nun mit Radständern und Beeten experimentieren. Wenn man da mit der Stadt arbeite anstatt gegen sie, sei einiges möglich, mahnt Garten- und Tiefbauamtschef Frank Uekermann. "Wir haben Extinction Rebellion und das Bürgerforum gebeten, uns mal die drei möglichen Standorte genauer zu benennen", erklärt er. Seien sich die Beteiligten einig, lässt er durchblicken, könne die Sache dann schnell gehen und bereits kommende Woche drei Hochbeete wieder Parkplätze belegen – mitsamt einer Reihe von Radabstellbügeln, diesmal aber fest in den Boden geschraubte vom Amt. Und als Probelauf: "Wenn alle sagen, das sei der Super-Gau, dann war der Test negativ", sagt Uekermann.

Extinction Rebellion hofft, dass die Aktion sich verbreitet

Bei Extinction Rebellion baut man auf den gegenteiligen Effekt. "Wir hoffen, dass Leute das sehen, und dann selbst Anträge auf Beete und Radbügel stellen", sagt Annika Kirschke von Extinction Rebellion. "Auch aus den anderen Stadtteilen."

Heute treffen sich die Beteiligten zu einer gemeinsamen Begehung der möglichen Standorte im Sedanquartier.



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