Interview

Prorektor Michael Schwarze: "Das Maskentragen ist der Preis"

Thomas Steiner

Die Albert-Ludwigs-Universität startet in das dritte Corona-Semester. Prorektor Michael Schwarze über die geltenden Regelungen und die Rückkehr zu einem halbwegs normalen Vorlesungsbetrieb.

Am Montag wird Freiburg wieder zu einer echten Universitätsstadt. Nach drei Corona-Semestern kommen die Studierenden zurück, der Vorlesungsbetrieb wird wieder aufgenommen, die Studikneipen werden wieder bevölkert. Aber ganz so wie früher wird es nicht. Wie das Wintersemester ablaufen wird, berichtet Michael Schwarze, der Prorektor der Universität für Studium und Lehre.

BZ: Herr Schwarze, lassen Sie uns erstmal zurückblicken. Wegen der Corona-Pandemie mussten Studierende zuhause bleiben, Vorlesungen und Seminare wurden von den Lehrenden übers Internet abgehalten. Wie schlimm war das für die Uni?

Schwarze: Die Tatsache, dass es keine Begegnungen persönlicher Art gegeben hat – zwischen Studierenden, zwischen den Studierenden und den Lehrenden, zwischen den Kolleginnen und Kollegen –, das war eine Erfahrung, von der wir erst noch sehen werden, wie lange sie nachhallt. Auf jeden Fall war es für den Unibetrieb eine Zäsur mit ganz vielen Herausforderungen und Einschränkungen.

BZ: Wie normal wird das Wintersemester sich anfühlen?

Schwarze: Der Begriff einer neuen Normalität, der in der Pandemie aufgekommen ist, ist, glaube ich, nicht ganz falsch. Es wird zwar zum Glück wieder viel Präsenz geben – die Aufforderung ist auch an die Studierenden: Kommt wieder nach Freiburg! Und zugleich wird das Verhältnis von Präsenz- und digitaler Lehre jetzt und wohl auch längerfristig ein anderes sein. Wie es sich künftig genau entwickelt, können wir noch nicht genau sagen. Für das aktuelle Wintersemester gilt innerhalb der Regelungen, die die Landesregierung vorgibt: Die Fakultäten mit ihren fächerspezifischen Unterschieden können selbst entscheiden, was praktisch und didaktisch angemessen ist – ob es zum Beispiel sinnvoll ist, eine große Vorlesung digital bereitzustellen, während die kleine Arbeitsgruppe im Labor oder am Tisch gemeinsam Dinge entwickelt.

"Alle Teilnehmenden sind gehalten, am Anfang der Veranstaltung per App, Papiernachweis oder auch mit dem Impfausweis nachzuweisen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind."

BZ: An der Uni gilt jetzt die 3G-Regel. Wie wird kontrolliert, ob die Studierenden sich daran halten?

Schwarze: Wir unterscheiden zwischen kleinen Veranstaltungen in Räumen bis zu 35 Personen und größeren Veranstaltungen. Bei den kleinen werden die Dozentinnen und Dozenten die Überprüfung selber vornehmen. Alle Teilnehmenden sind gehalten, am Anfang der Veranstaltung per App, Papiernachweis oder auch mit dem Impfausweis nachzuweisen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. Bei Veranstaltungen in Räumen für mehr als 35 Teilnehmende werden wir ein Stichprobenmodell fahren: Wir beauftragen einen externen Sicherheitsdienst, zufällig ausgewählte Lehrveranstaltungen aufzusuchen und dort jeweils eine Vollkontrolle zu machen. Das können dann 50 Leute sein oder auch in einer Vorlesung mehrere hundert.



BZ: Warum nehmen Sie dafür einen Sicherheitsdienst? Hätte das nicht gute Nebenjobs für Studierende abgegeben?

Schwarze: Das wollten wir nicht, um die Studierenden nicht in Rollenkonflikte zu bringen. Und mit dem Sicherheitsdienst holen wir uns Profis.

Der Sonntag: BZ: Wer wählt die Veranstaltungen aus, die kontrolliert werden?

Schwarze: In unserer dafür eingerichteten 3G-Stelle haben die Kollegen und Kolleginnen auf mathematischer Grundlage ein Zufallsverfahren entwickelt, über das täglich mindestens 13 Prozent der Veranstaltungen ermittelt werden. So werden Teilnehmende mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent einmal in der Woche kontrolliert. Wenn man dann noch die kleinen Veranstaltungen hinzunimmt, in denen jeder kontrolliert wird, steigt das nochmal an. Die 3G-Stelle wertet auch die Kontrollen aus.

"Meine Vermutung – und die ist auch von Hoffnung gespeist – ist, dass diejenigen, die auf den Campus kommen, zum ganz großen Teil geimpft sein werden."

BZ: Es ist im Moment nicht bekannt, wie viele Studierende geimpft sind?

Schwarze: Nein. Umfragen haben wir bislang nicht durchgeführt, da nur mit einer zu geringen Rücklaufquote zu rechnen wäre, die keine verlässlichen Rückschlüsse für Planungen ermöglichen würde. Meine Vermutung – und die ist auch von Hoffnung gespeist – ist, dass diejenigen, die auf den Campus kommen, zum ganz großen Teil geimpft sein werden.

BZ: Die Universität Stuttgart geht anders vor, sie installiert in den Lehrräumen ein technisches System für die Kontrolle. Warum macht man das nicht in Freiburg?

Schwarze: Das ist logistisch in Freiburg leider nicht darstellbar. Wir haben Lehrräume in rund 180 Gebäuden in der Stadt. Der Mehrwert im Verhältnis zum Aufwand hat sich uns für unseren Fall nicht erschlossen.
Die Corona-Verordnung des Landes gibt für die Lehrräume zwei Möglichkeiten vor: Entweder es wird Abstand gehalten oder es müssen Masken getragen werden.

BZ: Wie wird es in Freiburg sein?

Schwarze: Wir werden bei der Belegung der Räume die Verordnung maximal ausnutzen und die erlaubten 75 Prozent der normalen Personenkapazität einlassen. Deshalb können wir die Abstandsregel oftmals nicht einhalten und es muss dann entsprechend Maske getragen werden. Um möglichst viel Präsenz zu ermöglichen, ist das der Preis.

BZ: Auch auf den Gängen herrscht die Pflicht. Das heißt, dass Studierende den ganzen Tag Masken tragen müssen.

Schwarze: Ja. Der Präsenzbetrieb ist eben leider keine Rückkehr zur vorpandemischen Normalität. Aber das Studentenleben ist ja auch noch das, was woanders passiert, in der WG, in der Kneipe.

BZ: Haben Sie keine Angst, dass dann dort Ansteckungen passieren?

Schwarze: Ich hoffe, dass die Studierenden auch dort verantwortlich handeln – was natürlich auch ein Appell ist. Dieses Prinzip der Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und dem Gemeinwohl ist etwas, was wir wieder verstärkt lernen aus dieser Pandemie. Das gilt auch für andere Lebensbereiche.
Zur Person

Michael Schwarze (56) ist Romanist. Er hat Französisch, Geschichte und Italienisch in Konstanz, Rouen und Köln studiert. 2008 wurde er habilitiert, 2010 wurde er von der Universität Konstanz auf eine Professur für Romanische Literaturen berufen. Im Februar 2021 wurde er zum Prorektor für Studium und Lehre der Universität Freiburg gewählt.