Kulturanthropologie

Projekt der Uni Freiburg erforscht den Alltag in der Stadt

Anika Maldacker

Wie gehen Freiburger mit ihren Zimmerpflanzen um? Was bedeuten die Bächle für sie? Diesen Fragen sind Studierende der Uni Freiburg nachgegangen. In einem Bildband stellen sie ihre Erkenntnisse vor.

Bekritzelte Toilettenwände, die Müllentsorgung und der Foodsharing-Fairteiler vor der UB: Solche Momente haben sich Masterstudierende des Instituts für Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie herausgepickt, um den Alltag in Freiburg zu beleuchten. Das Projekt mit dem Titel "Alltag findet Stadt" wurde anlässlich des 900-jährigen Stadtjubiläums initiiert und hat sich zum Auftrag gemacht, den Alltag der Freiburger zu beleuchten. "Wir wollten herausfinden, wie Freiburg tickt und was das Besondere an dieser Stadt ist", erklärt Sarah May vom Institut für Kulturanthropologie, die das Projekt betreut hat.


Im Oktober 2019 haben May und sieben Masterstudierende angefangen, an dem Projekt zu arbeiten. Nun, etwa ein Jahr später, präsentieren sie die Früchte davon. Die Studierenden durften sich ihre Themen völlig frei aussuchen. So entstanden Betrachtungsweisen auf Freiburgerinnen und Freiburger und ihren Umgang mit Zimmerpflanzen, ihren Bezug zu den Bächle oder auf das Zusammenwohnen von älteren und jüngeren Menschen.

In einem Bildband, auf einer Website und in mehreren kurzen Instagram-Beiträgen hat die Gruppe das Projekt nun vorgestellt. "Bei dem Projekt ging es nicht nur um das Forschen, sondern auch darum, die Themen in die Öffentlichkeit zu bringen", sagt Sarah May.

Auch der Umgang mit Zimmerpflanzen wurde erforscht

Julia Voswinckel, die derzeit im dritten Semester den Master in Kulturanthropologie studiert, hat beim Projekt mitgewirkt. Sie ist in Freiburg aufgewachsen, aber hat durch "Alltag findet statt" neue Seiten ihrer Heimatstadt entdeckt. Sie hat zwei verschiedene Themen beleuchtet: Einmal wie junge Studierende beim Projekt "Wohnen für Hilfe" günstig bei älteren Menschen wohnen können, und diese dann im Haushalt unterstützen. Dabei hat sie herausgearbeitet, welche Beziehungen zwischen den Bewohnern bei dem Projekt entstehen. Außerdem hat sie sich damit beschäftigt, wie Menschen zu ihren Zimmerpflanzen stehen. "Bei manchen stehen sie einfach herum, bei anderen sterben sie ab, aber wiederum andere Menschen geben ihren Pflanzen sogar Namen", sagt sie.

Was macht den Alltag Freiburgs so besonders? "Für Freiburg werden oft Zuschreibungen verwendet wie ’Öko’, ’schön’ und ’Schwarzwald’ – also ein Konglomerat aus Zuschreibungen, das positiv ist", sagt Sarah May. Im Alltag sehe man das auch immer wieder darin, dass viele Situationen durch ein Umweltbewusstsein geprägt seien und den Leuten durchaus bewusst sei, dass sie in einer attraktiven Stadt wohnen. Es gebe aber durchaus Widersprüche, die die Studierenden herausgearbeitet haben. Beispielsweise beim Fairteiler vor der Universitätsbibliothek. Dort werden Lebensmittel, die nicht mehr benötigt werden und noch frisch sind, in Fahrradkörbe abgelegt. "Es geht um eine gerechte Verteilung von Lebensmitteln, aber sobald dort frische Sache eingelegt werden, gibt es einen kleinen Konkurrenzkampf, wer als Erstes was haben darf", sagt May. Julia Voswinckel fand die Erkenntnisse zum Fairteiler eine der spannendsten: "Dort herrscht Anarchie."

Ursprünglich war zusätzlich zu Bildband und Instagram-Auftritt noch eine Ausstellung geplant. Wegen der Pandemie musste diese jedoch abgesagt werden.

Bildband: "Alltag findet Stadt", 2020, Freiburger Studien zur Kulturanthropologie, 176 Seiten, gebunden, 24,90 Euro, (19,95 Euro bis zum 30.11.2020, ISBN 978-3-8309-4189-7