Project X-Party am Opfinger See: Die Facebook-Party, zu der drei Gäste kamen

Martin Honecker

Von den knapp 2500 Leuten, die sich zur Facebook-Party am Opfinger See angekündigt hatten, liefen schließlich drei bei der Polizei auf. Sie erhielten einen Platzverweis. Ansonsten blieb der Samstagabend am Opfinger See ruhig. Die Badegäste, die das Gelände verlassen mussten, zeigten Verständnis für das Vorgehen der Polizei.

„Zwischenfälle gab es nicht“, bilanziert Polizeisprecher Mirko Steffl, nachdem das Gelände um den Opfinger See gegen halb neun geräumt ist. Wie viele Polizisten für die Räumung notwendig waren, möchte er nicht sagen. „Wir waren gut aufgestellt und haben einen Großeinsatz gefahren“, erklärt Steffl. „Wir haben dabei viel Verständnis und positive Rückmeldungen von den Badegästen entgegen gebracht bekommen.“

Für 18 Uhr hatte die Stadt ein Betretungsverbot für das gesamte Gelände des Opfinger Sees verhängt. Von der Facebook-Party hatten viele Badegäste schon im Vorhinein gehört. „Wir dachten, die wäre schon gestern gewesen“, sagt eine Mutter, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern zum Schwimmen an den See gekommen ist. „Aber das macht jetzt auch nichts. Wir müssen eh um sechs wieder weg.“ Ihr Mann fügt hinzu, dass sie bisher auch nur zwei Polizisten auf dem Fahrrad gesehen hätten. „Schade, ich dachte da gibt es einen richtig großen Aufmarsch“, zeigt er sich etwas enttäuscht.

Noch um zwanzig vor sechs sind alleine auf den beiden Wiesen am Südufer des Sees um die 100 Leute zu zählen. Dazu kommen nochmal um die 50 am Ufer bei der Kiesgrube, weitere Badegäste sind verteilt auf die kleinen Waldlücken am Ufer des Sees. Über das Betretungsverbot wurden die Badegäste bisher nicht aufgeklärt. Erst zehn Minuten vor sechs kommen mehrere Busse und Streifenwagen der Polizei auf dem Parkplatz am Opfinger See an. Viele Familien sind dort, einige ältere Leute, aber auch jüngere. Allerdings findet sich auch unter den Jüngeren niemand, der so aussieht, als wolle er auf die Facebook-Party eines 17-jährigen.



Der 30-jährige Italiener Francesco, Doktorand der Chemie an der Uni Freiburg, der mit vier Freunden aus Italien zum Schwimmen gekommen ist, hat von der Party und dem Betretungsverbot vorher noch nichts gehört. „Ich finde das verrückt, das deshalb alle gehen müssen“, sagt er. Und als er noch nach dem passenden deutschen Wort sucht, schlägt sein Freund statt „verrückt“ schonmal „Scheiße“ vor.

Am Südufer des Sees beginnt währenddessen schon das Aufräumen bei Familie Ghadani und Gästen. „Meine beiden Zwillinge sind am Donnerstag 17 geworden, und das wollten wir heute hier feiern“, erzählt der 55-jährige Nemat Ghadani. Seit 14 Uhr waren sie da – nun müssen Grill und Picknickdecken im Auto verstaut werden.  Direkt aufgefordert zu gehen hat sie bis jetzt allerdings noch niemand. Ghadani selbst arbeitet im Gemeindevollzugsdienst und hat kurz bevor er zum See aufgebrochen ist von dem Betretungsverbot erfahren. „Ich verstehe die Aktion der Polizei vollkommen“, sagt er. „Wenn hier jetzt plötzlich 5000 Leute kommen, dann bricht die ganze Infrastruktur zusammen.“ Seiner Bekannten Mariam Rahnama, die auch mitfeiert, hat er jedoch erst kurz vor sechs von dem Betretungsverbot erzählt. „Schade, dass wir jetzt schon gehen müssen“, sagt sie. Ghadanis Kinder sind jedoch noch etwas anderer Meinung. „Komm wir bleiben hier und gucken, was passiert“, fordern sie von ihrem Vater.

Als Familie Ghadani ihre Aufräumarbeiten fortsetzt, kommen gerade zwei Jugendliche am südlichen Seeufer an. „Guck, ich hab's Dir doch gesagt“, sagt Maren zu ihrem Freund Yasin, als sie von dem Betretungsverbot hört. „Das ist jetzt echt blöd. Wir haben zu Hause nämlich noch lange hin und her überlegt, ob wir herkommen sollten.“ Eigentlich wollten sich die beiden nur an das Seeufer legen, sagen sie. „Dass sie diese Party verbieten finde ich ja okay“, meint Yasin. „Aber dass die Leute gehen müssen, die hier nur liegen oder baden wollen, finde ich nicht so gut.“



Erst gegen viertel nach sechs – eine Viertelstunde nach Beginn des Betretungsverbots – kommt die Polizei an das Südufer des Sees. Knapp die Hälfte von ihnen ist in zivil unterwegs, trägt aber eine leuchtend gelbe Jacke mit der Aufschrift „Anti-Konflikt-Team“.

Von dort aus machen sie sich in kleineren Gruppen – um die Badegäste nicht zu verschrecken – auf den Weg zu einem Rundgang um den See. Einer von ihnen ist der Polizist Hans-Joachim Hilkens.  Gemeinsam mit seinen Kollegen spricht er die Badegäste freundlich an und weist sie auf die Situation des Betretungsverbotes hin. „Eine halbe Stunde wollten wir noch bleiben“ oder „wir springen noch ein paar Mal rein“, bekommt er dann oft als Antwort. „Das ist in Ordnung“, erwidert Hilkens dann.

Nur bei Jugendlichen, die vom Alter her ungefähr in die Zielgruppe der Party passen, werden die Personalien aufgenommen. Deren Namen werden dann mit denen abgeglichen, die sich bei Facebook für die Party angekündigt haben. Bei zwei Mädchen und einem Jungen um die 20 wird das gemacht, was etwas dauert. „Tut uns Leid, dass Sie warten mussten“, sagt Hilkens, als sich herausstellt, dass keiner von ihnen auf der Liste steht. „Kein Problem, wir können das verstehen“, antworten die, bevor sie schließlich gehen können. Auf dem Rückweg entlang des Sees fordert eine andere Gruppe Polizisten dann auch die noch anwesenden Badegäste zum gehen auf.

Zurück auf dem Parkplatz, der sich mittlerweile deutlich geleert hat, ist plötzlich laute Musik zu hören. Vier Jungs haben in ihrem Auto die Musik aufgedreht und scheinen da Party machen zu wollen. Während der Kontrolle ihrer Personalien durch die Polizei erklären sie anfangs noch, nur mit Steinen spielen zu wollen. Schließlich geben sie zu, aus Neugier gekommen zu sein. „Wir sind um 18 Uhr gekommen, da wurden die Kontrollen noch aufgebaut“, erklärt einer von ihnen. Auf der Facebook-Liste stehen allerdings auch sie nicht.



Jamal E., der ursprünglich auf Facebook zur Party eingeladen hatte, ist heute zu Hause geblieben. „Ich gucke nachher nochmal, ob da noch was geht“, sagt er. Ansonsten wolle er vielleicht noch auf das Weinfest in Kenzingen-Bombach gehen.

Neben dem Verbot der Project X-Party am Opfinger See hat die Stadt auch sämtliche Alternativveranstaltungen im Stadtgebiet verboten.  Auch im Internet sei man unterwegs, um eventuelle Ausweichstandorte für die Party auszumachen, erklärt Steffl. Wie man normale Feiern in der Stadt von alternativen Standorten für die Facebook-Party unterscheide, sei keine einfache Sache. „Da werden wir mit Fingerspitzengefühl ran gehen. Wir werden jetzt jedenfalls nicht beispielsweise Geburtstagsfeiern an der Dreisam verhindern.“

Zwischenzeitlich habe man sogar Polizisten vom Opfinger See abziehen müssen, da es in der Schwarzwaldstraße zu einer Massenschlägerei zwischen Fußballfans der zweiten Freiburger Mannschaft und Eintracht Trier gekommen sei. „Die sind aber mittlerweile auch wieder hier am Opfinger See“, so Steffl.

Im Rahmen der Kontrollpunkte, die rund um den Opfinger See eingerichtet worden sind, wurden auch Verkehrskontrollen durchgeführt. Bis zum späten Samstagabend wurden so 250 Autos kontrolliert. Ergebnis: Fünf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, ein Autofahrer, der unter Drogen unterwegs gewesen ist, und ein gestohlenes Fahrrad.

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