Proberaumbesuch bei Viertel vor Vier

Hendrik Gerloff

Sieg bei der Rampe, ZMF-Tourband, eine selbstorganisierte Tour, ein selbstverlegtes Album: 2011 war ein gutes Jahr für die Freiburger Band 'Viertel vor Vier'. Hendrik war für fudder auf Proberaumbesuch.

An einem Sonntag um viertel vor Zwölf in einem Keller in Haslach. Die vier 19-jährigen beginnen ihre Bandprobe mit einigen aktuellen Nummern. Der Proberaum mit alten LEGO-Kästen neben Kinderbüchern in den Regalen und geschmackvoller Eierkartongeräuschdämpfung an der Decke bietet Platz für vier Musiker und ihre Instrumente.

Konstantin trommelt auf Fellen und Becken eine rhythmische Achterbahn zusammen, die sich nicht mit vier Vierteln zufrieden gibt und verdammt gut klingt. Es spricht für das demokratische Gruppenverständnis der Band, dass jeder sein Können in voller Bandbreite ausspielen darf und kein musikalischer Leitwolf nötig ist. Fabian und Fabian haben nicht nur den gleichen Namen, sondern spielen beide auch per Luftbetrieb. Am Saxophon und an der Trompete vollführen beide - einzeln oder gemeinsam - virtuose Soli. Yannik gibt dem Sound mit Gitarre oder Banjo einen atmosphärischen Hintergrund und taucht urplötzlich mit einem Gitarrensolo auf, das David Gilmour Konkurrenz machen könnte. Mit einer angenehmen Leichtigkeit lassen sie ihre Instrumente sprechen, was die Anwesenheit eines Sängers oder Bassisten überflüssig macht.

Der private Musikgeschmack der Vier bewegt sich zwischen Klassik, Rock und Jazz. Konkrete Einflüsse von bestimmten Musikern und Bands auf ihre Musik sehen sie aber nicht. „Ich würde auch sagen, dass wir unsere Musik nicht aus den unterschiedlichen Stilen definieren, sondern eher aus uns heraus. Es ist eher der Mix aus den Persönlichkeiten. Es war auch nie unser Ziel, uns zu treffen und zu sagen, wir erfinden jetzt unseren eigenen Sound", sagt Fabian W.. So einfach kann die Erklärung für die Entstehung von guter Musik sein.

Zum Teil kennen sie sich noch aus Schulzeiten; Fabian W. und Konstantin spielten auch schon zusammen in einer Bigband. Dass die Band auch mal Auftritte hat, wo „sie nur so im Hintergrund mal was spielen sollen“, ist zwar aus finanzieller Sicht verständlich, aber zu wenig Beachtung für so viel Talent.



Dass Fabian Willmann und Konstantin König Jazz studieren, Yannik Sandhofer Pop und Tontechnik und Fabian Hessel Kulturmanagement, ist der weiteren Entwicklung der Band sicher zuträglich. So sehen sie denn auch die Zukunft der Band „rosig“, sagt Fabian... oder  Fabian, beide lachen jedenfalls. Sie scheinen vier gute Freunde zu sein, die sich auch außerhalb der Musik gut verstehen.

Yannik bewertet die weitere Entwicklung ebenfalls positiv: „Da wir ja fast alle Musik studieren, geht das Leben ja auch schon in eine bestimmte Richtung. Und mit der Musik das Leben zu verbringen, ist schon ein guter Plan.“ Zustimmendes Lächeln aus der Runde.
Fabian W. schreibt zwar die meisten Songs, stellt den Proberaum und kümmert sich um die Kontakte, sieht sich aber nicht als der Boss. Einspruch Yannik: „Auf der Bühne ist er aber  meistens vorne und der Ansager.“ Verlegenes Grinsen. Also ein bisschen vielleicht.  Allerdings ist er selbst der Meinung, dass auch seine akustischen Entwürfe erst in den Proben  zu „richtigen“ Stücken werden. Übrigens hatte er auch bei Krischan Lukanow von Äl Jawala Unterricht, gegenseitige Konzertbesuche und eine saxophonische Leihgabe eingeschlossen.

Den Nachwuchswettbewerb Rampe haben die vier in diesem Jahr gewonnen und für die weitere Karriere sind die sympathischen Jungs gut gerüstet. Das Berühmterwerden ist in Form einer Tour in der ersten Februarwoche und einem neuen Album geplant. Sieben Songs sind schon in Arbeit, das Studio wird im Sommer aufgesucht.

Mehr dazu:

Was: Viertel vor Vier bei Jazz ohne Stress
Wann: 27. Dezember 2011, 21 Uhr
Wo: Waldsee
Eintritt: frei
Das aktuelle Album "Busticket" ist zum Preis von 10 Euro bei der Band sowie im Musikhaus Gillhaus, Markgrafenstraße 93, 79115 Freiburg, erhältlich.        

Foto-Galerie: Hendrik Gerloff

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