Prävention

Polizeihauptkommissar: "Der Schaden kann unüberschaubar sein"

Anika Maldacker

Für viele Jugendliche ist es nicht ungewöhnlich, intime Fotos an ihren Partner zu verschicken. Ein Polizeihauptkommissar aus Freiburg warnt jedoch vor möglichen Folgen.

BZ: Herr Stratz, wie ist die rechtliche Lage bei Sexting unter Jugendlichen?
Stratz: Grundsätzlich haben Eltern die Hoheit über Fotos ihrer minderjährigen Kinder. Bei Fotos mit eindeutigen sexuellen Posen oder Handlungen von unter 14-Jährigen befinden wir uns im verbotenen Bereich der Kinderpornografie. Sind die Jugendlichen zwischen 14 und 17, handelt es sich um Jugendpornografie. Wenn ein 13-jähriges Mädchen beispielsweise ein Nacktfoto von sich macht, ist das nicht strafbar. Schickt sie es aber dem Freund, macht sie sich wegen der Verbreitung von Kinderpornografie und der Empfänger wegen des Besitzes strafbar.

BZ: Und wenn die Jugendlichen über 14 Jahre alt sind?
Stratz: Dann ist das Verschicken zwischen zwei Jugendlichen mit Einverständnis ok, nicht aber an Dritte.

BZ: Sie machen in 5. bis 7. Klassen Präventionsarbeit. Wie reagieren die Schülerinnen und Schüler bei dem Thema?
Stratz: Das ist unterschiedlich. Oft sind die Reaktionen sehr kindlich. Manche bleiben aber ganz still, und da merkt man, dass sie das Thema beschäftigt. Mir fällt auch auf: Seit ich seit 2014 Prävention mache, sind die Kinder immer jünger, wenn sie ihr erstes Smartphone bekommen. Inzwischen hat in der Regel jeder Fünftklässler eines.

BZ: Was sind die Risiken beim Sexting?
Stratz: Es gibt zwei Gefahren. Erstens, dass man mit der Veröffentlichung eines versandten Bildes erpresst wird, damit man mehr Bilder oder Videos schickt und weiter geht. Zweitens die Stigmatisierung, wenn die Bilder verbreitet werden.

BZ: Gibt es sicheres Sexting?
Stratz: Da man nie wissen kann, was der Empfänger mit dem Bild macht, würde ich sagen: Nein. Teils gibt es die Meinung, Sexting sei bei Jugendlichen normal. Aber ich würde selbst verheirateten Erwachsenen davon abraten, Nacktfotos zu verschicken. Jedem muss bewusst sein, dass es keine Kontrolle mehr über die Fotos gibt, wenn sie versandt wurden. Der Schaden kann unüberschaubar sein. Selbst ein Foto ohne Gesicht kann zuordenbar sein.

BZ: Unterscheiden sich die Reaktionen bei Fotos von Jungs oder Mädchen?
Stratz: Ja, oft werden die Mädchen als "Schlampe" diffamiert, und die Jungs sind die coolen Typen. Über die Rolle der Jungs, die Nacktfotos von Mädchen oft beharrlich über einen langen Zeitraum und mit viel Druck einfordern, wird kaum nachgedacht. Für eine 12-Jährige ist es eventuell schwierig, Nein zu sagen.

BZ: Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu sensibilisieren?
Stratz: Eltern sollten aufmerksam sein, wie Kinder ihr Smartphone nutzen. Sie sollten eine starke Vertrauensbasis zu ihnen aufbauen, damit sie sich trauen, auch über heikle Themen wie Sexualität zu sprechen. Es ist auch wichtig, Kinder, besonders Mädchen, zu stärken, damit sie Nein sagen, wenn sie sich unwohl fühlen.
Zur Person

Frank Stratz, 50, ist Polizeihauptkommissar in Freiburg und im Referat Prävention tätig.