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Polizei zur Festnahme von Yves R. in Oppenau: "Strategie ist aufgegangen"

Sechs Tage war Yves R. auf der Flucht, jetzt ist er gefasst. Seit Freitagnachmittag befindet sich der 31-Jährige aus Oppenau in Haft. Am Samstag wurde er dem Haftrichter in Offenburg vorgeführt.

Das Wichtigste zum Fall Yves R. in Kürze

  • Seit Freitagnachmittag ist Yves R. in Haft. Der 31-Jährige wurde in einem Waldstück in der Nähe von Ramsbach, einem Ortsteil der Stadt Oppenau, angetroffen und festgenommen. Zwei Zeugen hatten der Polizei den entscheidenden Hinweis geliefert, der zu seiner Festnahme geführt hat. Bei der Festnahme wurden er und ein Polizist leicht verletzt.
  • Yves R. war seit Sonntag, 12. Juli, auf der Flucht. Bei einer Personenkontrolle hatte er vier Polizisten bedroht und entwaffnet. Danach war er in den Wald bei Oppenau geflohen. Die Polizei Offenburg leitete sofort eine Fahndung nach ihm ein. Das kleine Oppenau befand sich im Ausnahmezustand.
  • Zeitweise waren mehr als 300 Polizisten, Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos und die Bergwacht im Einsatz. Insgesamt waren rund 2500 Einsatzkräfte, darunter auch Mantrailer, an der Fahndung nach Yves R. beteiligt. Die Polizei setzte bei der Fahndung auch Helikopter ein, die mit Wärmebildkameras ausgestattet waren. Das unübersichtliche Gelände erschwerte die Suche.

Samstag, 12:35 Uhr: Am Tag nach seiner Festnahme ist Yves R. nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei am Samstag dem Haftrichter am Amtsgericht Offenburg vorgeführt und in eine Justizvollzugsanstalt gebracht worden.

"Die ersten Ermittlungsergebnisse lassen darauf schließen, dass sich der Gesuchte, wie von den ermittelnden Beamten vermutet, die vergangenen Tage tatsächlich durchweg in dem Waldgebiet rund um Oppenau aufgehalten hatte", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Unterstützung von anderen Menschen habe er in dieser Zeit nicht erhalten.

In "umfassenden Angaben" gegenüber der Kriminalpolizei habe R. angegeben, dass die Waffe, die er am vergangenen Sonntag auf vier Polizisten gerichtet habe, eine Schreckschusswaffe sei. "Diese Angaben können zum jetzigen Zeitpunkt nicht widerlegt werden", so die Polizei. "Die Untersuchungen hierzu dauern aktuell noch an."

Freitag, 21:45 Uhr: "Wir sind überglücklich und zufrieden", sagte Offenburgs Polizeipräsident Reinhard Renter am Freitagabend. Wie genau die Festnahme des Mannes verlief, der am Sonntag vier Polizisten entwaffnet hatte und mit den erbeuteten Dienstwaffen in die Wälder floh, wollte Einsatzleiter Jürgen Rieger aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Bekannt ist, dass gegen 15 Uhr zwei Zeugen Yves R. In einem Waldgebiet nordwestlich von Oppenau gesehen haben und dies den Beamten meldeten. Diese kamen daraufhin mit einem Personenspürhund. "Der Hund sprang sofort an, daher wussten wir, dass es eine frische Fährte sein musste", sagte Rieger. Die Spezialkräfte der Polizei fanden R. daraufhin in einem Busch sitzend vor. Ober sich dort versteckt hatte, ist bislang nicht bekannt. Die vier erbeuteten Dienstwaffen sowie ein Beil hatte er, so Rieger, vor sich liegen - ebenso wie einen handschriftlichen Brief. Was in dem Brief stand, ob R. etwa mit seinem Tod rechnete und einen Abschiedsbrief verfasste, würde jetzt analysiert.

Auch sonst sind noch viele Fragen offen. Die genauen Umstände der Festnahme etwa wollten die Ermittler noch nicht bekanntgeben. Das sei Sache der weiteren Ermittlungen, die am Wochenende zu einem vorläufigen Ende kommen sollen. Somit ist bislang auch nicht bekannt, ob R. sich den Beamten ergeben hat oder ob es zu einem Kampf kam. Für letzteres spricht allerdings die Tatsache, dass bei dem Zugriff ein Polizist durch das Beil leicht verletzt wurde. "Eine oberflächliche Schnittverletzung", so Rieger.

"Damit kann endlich ein Schlussstrich gezogen werden." Oppenaus Bürgermeister Uwe Gaiser
Auch der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Offenburg, Herwig Schäfer, zeigte sich erleichtert. Er sagte, dass bei Yves R. nun eine Blutentnahme angeordnet worden sei, um zu prüfen, ob er unter dem Einfluss von Rauschmitteln stand. Außerdem soll ihm am Samstag der richterliche Haftbefehl eröffnet werden. Auch eine psychiatrische Begutachtung würde noch stattfinden. Zum möglichen Strafmaß sagte Schäfer, dass er bislang von einer schweren räuberischen Erpressung ausgehe. Der Strafrahmen liege dann zwischen fünf und 15 Jahren Haft.

Mit der Festnahme dürfte nun wieder Ruhe in Oppenau einkehren, einer 5000-Einwohnerstadt im nördlichen Ortenaukreis. Bürgermeister Uwe Gaiser zeigte sich entsprechend erleichtert. "Damit kann endlich ein Schlussstrich gezogen werden". Viele Bürger seien in den vergangenen Tagen sehr verängstigt gewesen, auch die Tagestouristen seien ausgeblieben. "Unsere Gäste können nun wieder kommen", betonte Gaiser. Auch für die Polizei geht nun ein Einsatz zu Ende, der sie, so Renter, "an den Rand der körperlichen Erschöpfung" gebracht habe. Einsatzkräfte aus ganz Baden-Württemberg seien im Einsatz gewesen, darunter auch der Bundespolizei, der Kriminalpolizei, Psychologen und sogenannte Profiler, die versuchten, ein Bild des Charakters des Flüchtigen zu gewinnen. Noch vor den Zeugenhinweisen verkündete Renter dadurch auch eine Änderung der Einsatzstrategie. Yves R. Sei demnach weniger gefährlich als zunächst befürchtet. Ob sich das nun bestätigt hat, ob R. von selbst aufgegeben hat, dürfte im Laufe des Wochenendes bekanntgegeben werden.





Freitag, 20:28 Uhr:
Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Yves R. wegen besonders schwerer räuberische Erpressung. Das Strafmaß für dieses Delikt beträgt mindestens fünf Jahre. "Je nachdem, mit welcher Waffe Yves R. gedroht haben soll, kann sich das Strafmaß ändern. Das ist Gegenstand der Ermittlungen", so Herwig Schäfer, Leiter der Staatsanwaltschaft Offenburg. Das Gericht könne eine nur Freiheitsstrafe, die nicht mehr als 2 Jahre betrage, zur Bewährung aussetzen. Reinhard Renter, Präsident der Polizei Offenburg, beendet die Pressekonferenz.

Freitag, 20:25 Uhr: Die Polizei hat die vier Waffen, die Yves R. am Sonntag, 12. Juli, in seinen Besitz gebracht hatte, bei ihm vorgefunden. Zudem soll sich in seinem Besitz auch eine zweitere Waffe befunden haben. Ob es sich dabei um eine echte, scharfe Waffe handelt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Freitag, 20:17 Uhr: Die Staatsanwaltschaft hatte die sofortige Entnahme einer Blutprobe bei Yves R. beantragt. Diese Maßnahme soll klären, ob der Beschuldigte alkoholisiert, unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen stand. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wurde R. noch an diesem Freitag dem Haftrichter vorgeführt. "Wir sind sehr erleichtert. Ein Schlussstrich kann unter eine außergewöhnliche Situation gezogen werden", sagt Uwe Gaiser, Bürgermeister von Oppenau. Gerade in den ersten Tagen sei die Situation für die Bewohner des Städtchens schwierig gewesen. Eltern hätten Angst um ihre Kinder gehabt.

Freitag, 20:12 Uhr: Mehr als 2500 Einsatzkräfte waren insgesamt an der Fahndung nach Yves R. beteiligt. Sie arbeiteten in mehreren Schichten. "Es wurden viele Nachtschichten geleistet", sagt Einsatzleiter Jürgen Rieger. "Mit der Festnahme ist das Ermittlungsverfahren nicht abgeschlossen. Die Ermittlung gehen in zwei Richtungen weiter", sagt Herwig Schäfer, leitender Oberstaatsanwalt und Leiter der Staatsanwaltschaft Offenburg. Es gehe jetzt darum, den Sachverhalt aufzuklären und die Ermittlungen auch im persönlichen Bereich von Yves R. fortzuführen. "Dazu gehört die Beschuldigtenvernehmung. Ohne einen Verteidiger darf er nicht vernommen werden", so Schäfer. "Wenn er keinen hat, wird ihm einer beigeordnet."

Freitag, 20:07 Uhr: Yves R. wurde mit einem Schreiben angetroffen. Es soll sich nach ersten Erkenntnissen um einen Abschiedsbrief handeln, wie Einsatzleiter Jürgen Rieger sagt. Bei der Ergreifung soll Yves R. mit einem Beil angetroffen worden sein. Mit diesem soll er einem Polizeibeamten leichte Verletzungen zugefügt haben. Auch Yves R. selbst wurde bei dem Einsatz leicht verletzt. Ob Yves R. beim Zugriff Widerstand geleistet oder sich aktiv gewehrt hat, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Freitag, 20:00 Uhr: Polizeipräsident Reinhard Renter eröffnet die Pressekonferenz in Oppenau. Er begrüßt, Jürgen Rieger, Einsatzleiter, Herwig Schäfer, Leiter der Staatsanwaltschaft Offenburg und Uwe Gaiser, Bürgermeister der Stadt Oppenau, die auf der Pressekonferenz anwesend sind. "Unser erstes und einziges Ziel war die Ergreifung des Täters und der Schutz der Bürgerinnen und Bürger", sagt Polizeipräsident Reinhard Renter. Jürgen Rieger, Einsatzleiter, stellt die Strategie vor, die zur Ergreifung von Yves R. geführt hat.Am Freitagmittag hat die Polizei Hinweise von zwei Zeugen bekommen, denen sie in der Folge nachgegangen sind. Die Zeugen haben eine Person gesehen, die dem Täterprofil entsprach. Insgesamt hat die Polizei rund 250 Hinweise bekommen. "Wir haben Kräfte hinzugezogen", so Einsatzleiter Jürgen Rieger.

Freitag, 19:15 Uhr: Für den beschaulichen Ort Oppenau endet damit eine nervenaufreibende Woche. "Ich bin einfach nur froh, dass der Albtraum für unseren Ort ein Ende gefunden hat", sagt Bürgermeister Uwe Gaiser der dpa, kurz nachdem die Polizei die Öffentlichkeit über die vorläufige Festnahme des 31-Jährigen informiert hat. Viel mehr weiß Gaiser über die Umstände selbst noch nicht.

Freitag, 18:06 Uhr: Der 31-Jährige, der vier Polizisten mit einer Schusswaffe bedroht und ihnen die Pistolen abgenommen hat, ist gefasst. Das teilte die Polizei am Freitag mit. Nach dem Mann war nach dem Vorfall in Oppenau im Schwarzwald seit Sonntag gesucht worden. Um 20 Uhr will die Polizei in einer Pressekonferenz mehr Informationen mitteilen.
Wir berichten im weiteren Verlauf des Abends aktuell aus Oppenau.

Freitag, 17:30 Uhr: Bei der Fahndung nach dem Flüchtigen Yves R. in und um die Wälder rund um Oppenau ändert die Polizei ihre Taktik. Auf einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch am Freitagnachmittag appellierte Reinhard Renter, der Präsident des Polizeipräsidiums Offenburg, an den Flüchtigen, sich zu stellen. "Nehmen Sie Kontakt mit uns auf – über Freunde oder über Ihre Familie", sprach Renter Yves R. direkt an. "Wir wollen für alle Beteiligten eine gesunde Lösung."

Die Polizei will mit dem Appell den Druck auf Yves R. etwas abbauen und ihm Kooperationsbereitschaft signalisieren. Hintergrund ist auch eine veränderte Einschätzung der Gefährlichkeit des Mannes, der am Sonntagvormittag vier Polizisten entwaffnete und mit den gestohlenen Dienstwaffen in die dichten Wälder rund um den Schwarzwaldort floh und sich – so die Einschätzung der Polizei – nach wie vor dort versteckt. In den vergangenen Tagen wurde viel im Umfeld des Täters ermittelt, es wurde mit seiner Familie und seinen Freunden gesprochen. Dabei waren auch sogenannte Profiler im Einsatz, also psychologisch geschulte Polizeiermittler. Und die zeichneten offenbar ein Bild, das sich deutlich unterscheidet von dem Bild des "Schwarzwald-Rambos", als den die Bild-Zeitung Yves R. gern titulierte. "Die Gefährlichkeit von Yves R. ist deutlich geringer einzuschätzen, als wir das zu Beginn gedacht hatten", betonte Renter. Von Freunden und Verwandten wurde R. demnach als durchaus sozial und hilfsbereit beschrieben.

Die rechtsradikalen Schmierereien und Äußerungen in seiner Jugend lägen, so Renter, viele Jahre zurück, wären als Jugendsünden anzusehen. "Aber er ist auf die Spur zurückgekommen."

Mittlerweile ist auch eine 40 Mann starke Spezialeinheit der Kriminalpolizei im Einsatz, die speziell für Verhandlungssituationen geschult ist. Ihr Leiter, Detlef Erny, sagte gegenüber der BZ, dass die Beamten sich zwar auf alle Möglichkeiten vorbereiten, aber die Möglichkeiten direkter Verhandlungen als durchaus realistisch einschätzen.

Dass sich Yves R. nach wie vor im Wald versteckt, hält Renter für sehr wahrscheinlich. "Der Wald ist sein Wohnzimmer", so Renter. Dort kenne er sich aus, finde sich zurecht. Es sei kaum vorstellbar, dass er versuche, in eine Stadt zu gelangen, um dort unterzutauchen.

Kein Verständnis hat Renter für die zahlreichen Unterstützergruppen R.s, die sich derzeit in den Sozialen Medien bilden und auch die Polizei kritisieren, mitunter auch beleidigen. "Die sind Lichtjahre entfernt aber meinen uns sagen zu müssen, wie wir handeln sollen", kritisiert Renter.

Freitag, 6.44 Uhr: Auch am Freitag ist Yves R. noch auf der Flucht. Die Polizei sucht nach wie vor nach dem 31-Jährigen.
Personenbeschreibung: Yves R. ist etwa 170 Zentimeter groß, schlank und Brillenträger.Er soll zudem einen Kinnbart und eine Teilglatze haben. Der Mann dürfte Tarnkleidung tragen.

Wer Hinweise über den derzeitigen Aufenthalt des 31-Jährigen geben kann, melde sich bitte unter den Telefonnummern: 0781 / 21-3333 oder 0781 / 21-3334 0 bei der Polizei.

Donnerstag, 16.45 Uhr: Der flüchtige Yves R. ist 2005 vom Landgericht Freiburg wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft Offenburg am Donnerstag mit. Bei ihren Ermittlungen hatte sie auch Einsicht in das Bundeszentralregister genommen. Aus den Verfahrensakten gehe laut Staatsanwaltschaft hervor, dass R. damals Berufung gegen drei verschiedene gegen ihn ergangene Urteile eingelegt hatte. Zu der Verurteilung wegen Volksverhetzung kam es, weil er im Jahr 2004 den öffentlich sichtbaren Schriftzug eines Jugendwerks so veränderte, dass "Juden weg" zu lesen war. R. war damals 15 Jahre alt. In der ersten Instanz hatte das Amtsgericht Freiburg außerdem eine rechtsradikale Gesinnung bei ihm festgestellt. Während seines Aufenthalts in dem Jugendwerk habe er Hakenkreuze und SS-Symbole verwendet und sich judenfeindlich geäußert. 2007 wurde die Bewährungsstrafe wegen guten Verhaltens erlassen. Seither sei er nicht mehr wegen politisch motivierter Straftaten aufgefallen, so die Staatsanwaltschaft Offenburg.

Donnerstag, 14.13 Uhr: Die Polizei setzt bei ihrer Suche nach Yves R. auch auf die Hilfe von Überlebensexperten, Polizeipsychologen und ortskundigen Förstern. Insbesondere die Psychologen sollen sich in den 31-Jährigen hineinversetzen, um Anhaltspunkte zu seinem Verbleib zu bekommen, wie Polizeisprecher Yannik Hilger am Donnerstag sagte. Der Gesuchte kennt sich nach Einschätzung der Einsatzkräfte gut in dem unwegsamen Gelände aus.

Donnerstag, 13.27 Uhr: Das gefundene Schreiben stammt nach Einschätzung der Polizei aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Yves R. Es gebe derzeit viele Hinweise, dass der Text nicht von dem in Oppenau geflüchteten 31-Jährigen geschrieben worden sei. Das Schreiben sei zudem derzeit für die Ermittlungen ohne Bedeutung, sagte Sprecher Yannik Hilger am Donnerstag.

Donnerstag, 9.43 Uhr: Mittlerweile sind die Ermittler mehr als 270 Hinweisen über potentielle Unterschlüpfe oder Sichtungen des Tatverdächtigen nachgegangen. So seien bereits verschiedene Höhlen, alte Bunkeranlagen und verlassene Gebäude durchsucht worden, heißt es von der Polizei.

Die meisten Hinweise bündeln sich rund um Oppenau, es gingen jedoch auch Mitteilungen über verdächtige Wahrnehmungen aus Regionen außerhalb des Renchtals ein. Zudem sei an diesem Donnerstagmorgen unter anderem in einer Behörde in Offenburg ein dem Gesuchten ähnlich sehender Mann einer Kontrolle unterzogen worden.

Donnerstag, 8.08 Uhr: In Oppenau ist in der Nacht ein Schuss gefallen. Der SWR berichtet, dass sich dieser beim Entladen eines Mannschaftswagens aus der Waffe eines aussteigenden Polizisten gelöst habe. Die Polizei bestätigt den Vorfall. Verletzt wurde dabei niemand. Die Ursache war wohl ein Bedienfehler.

Donnerstag, 6.37 Uhr: Von Yves R. fehlt auch am Donnerstagmorgen jede Spur. Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot nach dem 31-Jährigen.

Mittwoch, 20.15 Uhr: Yves R. befindet sich weiter auf der Flucht. Unter dem Titel "Der Ruf der Wildnis" soll er ein Schreiben mit seiner Einstellung zur Gesellschaft hinterlassen haben. Die Polizei prüft Herkunft und Echtheit.

Mittwoch, 16.00 Uhr: Mehr als 1500 Polizisten haben seit Sonntag nach Yves R. aus Oppenau gesucht – mit Wärmebildkameras, dem SEK und Spürhunden. Die Polizei geht davon aus, dass er in den Wäldern um Oppenau sein Zuhause sieht. Das unübersichtliche und unwegsame Gelände erschwert die Suche.

Mittwoch, 12.03 Uhr: Die Polizei prüft ein mögliches Manifest des Mannes. Es sei aber nicht gesichert, dass der Text tatsächlich von dem 31-Jährigen stamme, sagte Polizeisprecher Yannik Hilger am Mittwoch. Es sei keine politische Richtung daraus abzuleiten, es handele sich um einen Hinweis unter vielen. Der Text bestätige in erster Linie die Affinität des Mannes zum Wald, sagte Hilger.
Die Polizei setzte ihre Fahndung nach dem Flüchtigen auch am Mittwoch fort. Viele Maßnahmen liefen jetzt im Hintergrund ab, sagte Hilger. In Oppenau seien Präventionsteams der Polizei unterwegs, um die Menschen zu beraten. Die Beamten kontrollierten weiterhin das Gebiet, in dem sich der Mann aufhalten könnte. Auch Spezialkräfte seien im Einsatz.

Mittwoch, 7.24 Uhr: Medienberichten zufolge soll Yves R. ein Schreiben in einer Oppenauer Kneipe hinterlassen haben. Auf einem Foto ist ein vergilbtes Blatt Papier zu sehen, auf dem in mittelalterlicher Schnörkelschrift ein Text gedruckt ist. "Ruf der Wildnis" steht darüber – angelehnt an den Roman von Jack London. Im Text werden gesellschaftliche Zustände beklagt, zum Beispiel, dass der Mensch zu stark von der Technik abhänge. Auch die Ausbeutung der Menschen in armen Ländern und die Zerstörung von Lebensräumen sollen laut Medienberichten kritisiert werden. Das Schreiben enthält keine Drohungen.
Interview mit Kriminologe Hans-Jörg Albrecht über die Flucht von Yves R.: "Bisher handelt er relativ rational"

Mittwoch, 6:56 Uhr: Die Polizei hat am Mittwochmorgen weiter mit einem Großaufgebot nach dem bewaffneten 31-Jährigen aus Oppenau gesucht. Seit Sonntag sollen mehr als 1500 Polizisten im Einsatz gewesen sein. Trotz einer mittlerweile dreitägigen Suche fehlt von dem Mann weiter jede Spur, wie die Polizei am Morgen mitteilte. Das 860 Hektar große Gebiet wurde umstellt. Die Polizei vermutet, dass sich Yves R. noch immer darin aufhält.

"Wir bleiben dran, das Know-How, die Technik und die personelle Unterstützung haben wir."Polizeipräsident Reinhard Renter
Dienstag, 15:10 Uhr: "Wir bleiben dran, das Know-How, die Technik und die personelle Unterstützung haben wir." Mit diesen Worten beendet Polizeipräsident Reinhard Renter die Pressekonferenz.

Dienstag, 15:04 Uhr: Wie sicher ist es, dass Yves R. sich noch auf Oppenauer Gemarkung aufhält? "Ich kann nicht versichern, dass er noch hier ist, ich kann auch nicht sagen, dass er weg ist", wiederholt Polizeipräsident Reinhard Renter auf Nachfragen der Presse. Der Wald um Oppenau sei sein sicheres Terrain.

Dienstag, 14:49 Uhr: Leitender Oberstaatsanwaltschaft Herwig Schäfer entkräftet Gerüchte, dass Yves R. in der Fremdenlegion gedient haben soll: "Er ist in den vergangenen Jahren immer wieder strafrechtlich in der Region aufgefallen." Hinweise, dass Yves R. in der Fremdenlegion war, habe die Staatsanwaltschaft Offenburg derzeit keine.

Quelle: SWR

Dienstag, 14:44 Uhr: Die Polizei Offenburg schätzt die Gefährlichkeit von Yves R. als hoch ein. Er sei ein Waffennarr. "In der Öffentlichkeit ist er bisher aber noch nie aufgefallen", so Polizeipräsident Reinhard Renter. Ob sich Yves R. sich in einer Ausnahmesituation befinde, ob diese noch anhalte und sich daraus Schlüsse auf das Verhalten von Yves R. ziehen ließen, könne man nicht sagen. "Da ist ein Konfliktpotenzial vorhanden."

Dienstag, 14:38 Uhr: Uwe Gaiser, Bürgermeister von Oppenau,sagt: "Es ist eine Ausnahme für unsere Gemeinde." Es handele sich um eine bedrohliche Situation, dass ein Mann bewaffnet durch die Wälder streife.

Dienstag, 14:36 Uhr: Die Polizei Offenburg gehe davon aus, dass Yves R. sich noch in der Region um Oppenau aufhalte. "Es wird weitere Durchsuchungen geben", so Polizeipräsident Reinhard Renter. "Es wird vermutlich eine lange Suche geben, wir werden aber nicht nachlassen. Wir sind dazu technisch in der Lage. Wir bleiben dran, wir haben einen langen Atem."

Dienstag, 14:34 Uhr: Polizeipräsident Reinhard Renter stellt das weitere Vorgehen der Polizei vor: "Wir werden die Präsenz vor Ort weiter erhalten. Wir werden verdeckte Maßnahmen im Fahndungsbereich durchführen", sagt er. In Oppenau habe die Polizei außerdem eine Bürgeransprechstelle eingerichtet. "Hohe Priorität hat das Sicherheitsempfinden und der Schutz der Bevölkerung", so Renter.

"Wir haben keine Anhaltspunkte für politische Motive von Yves R."Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer
Dienstag, 14:32 Uhr: Warum ist Yves R. so schwer zu finden? "Er kommt aus dieser Region, er ist heimisch im Wald, er ist sehr ortskundig und er bewegt sich in diesem Gelände sicher. Der Wald ist schlicht sein Wohnzimmer", sagt Polizeipräsident Reinhard Renter. Deshalb sei es schwer, ihn in diesem unwegsamen Gelände schnell zu finden.

Dienstag, 14:30 Uhr: Es gebe keine Hinweise, dass Yves R. dem rechtsextremen Spektrum oder der Reichsbürgerszene zuzuordnen sei, sagt Leitender Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer auf der Pressekonferenz. Es gebe zwar Hinweise, dass Yves R. 2004 mit antisemitischen Schmierereien an Hauswänden aufgefallen sei, doch diese Hinweise seien noch nicht verifiziert. "Wir haben keine Anhaltspunkte für politische Motive von Yves R.", so Schäfer. Yves R. sei in der Vergangenheit immer wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten. Zuletzt hatte ihn 2019 das Amtsgericht Oberkirch wegen unerlaubten Umgangs mit Waffen und Sprengmitteln zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, so Schäfer. "Die Bewährungszeit dauert noch an."

Dienstag, 14:23 Uhr: Polizeipräsident Reinhard Renter nimmt Bezug auf die Kritik, die die Mitarbeiter der Polizei vor allem in den sozialen Netzwerken erfahren haben. "Ich verurteile die Kritik aufs Schärfste. Niemand kann sich in so eine Situation hineinfinden", sagt er.

Dienstag, 14:21 Uhr: Das Gelände sei unwegsam, so Polizeipräsident Reinhard Renter. "Wir befinden uns bei Oppenau in Steillagen, das Gebiet erstreckt sich auf einer Höhenlage von 260 bis 600 Metern."

Dienstag, 14:19 Uhr: Am Sonntag waren rund 330 Polizisten, in Spitzenzeiten sogar über 400 Einsatzkräfte, an der Suche beteiligt, darunter mehrere Mobile Einsatzkommandos (MEK), ein Sondereinsatzkommando (SEK), Mantrailer, die von der Bundespolizei unterstützt werden. Außerdem beteiligen sich an der Suche Mitarbeiter des THW und der Bergwacht. Das SEK ist mit rund 40 Mitarbeitern unterwegs, so Polizeipräsident Reinhard Renter in der Pressekonferenz.

Dienstag, 14:16 Uhr: Die Polizei Offenburg ist zunächst davon ausgegangen, dass Yves R. in den Wald geflohen sein soll. Er soll sich nach Erkenntnis der Polizei dort aufgehalten haben. Die Polizei Offenburg hat den Wald durchkämmt. "Durchsuchen kann man den Wald nicht, das gibt die Topographie nicht her", sagt Polizeipräsident Reinhard Renter. Die Ermittlungsmaßnahmen, die Durchkämmung der Wälder um Oppenau, dauere weiter an. "Wir haben einen langen Atem", so Renter.

Dienstag, 14:15 Uhr: Reinhard Renter, Polizeipräsident Offenburg: "Die Polizisten haben alles richtig gemacht. Das höchste Gut ist das Leben". Vor Ort sei es darum gegangen, das Leben des Kollegen zu schützen, auf den Yves R. unmittelbar mit einer Schusswaffe gezielt haben soll.

Dienstag, 14.12 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Offenburg geht davon aus, dass es sich bei der Waffe, die Yves R. auf die Polizeibeamten gerichtet haben soll, um eine echte Waffe gehandelt haben soll. Die Polizisten, so Leitender Oberstaatsanwaltschaft Schäfer, hätten Angst um ihr Leben gehabt und seien davon ausgegangen, dass Yves R. von der Schusswaffe Gebrauch machen werde.

Dienstag, 14.05 Uhr: Yves R. befindet sich immer noch auf der Flucht. Herwig Schäfer, Leitender Oberstaatsanwalt und Leiter der Staatsanwaltschaft Offenburg: "Gegen Yves R. wird wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung gesucht, die Staatsanwaltschaft Offenburg sucht ihn mit nationalem und europäischem Haftbefehl."

Dienstag, 12.16 Uhr: Bei der Suche nach dem 31-Jährigen sind aktuell weniger Polizisten im Einsatz als noch am Tag zuvor, sagt Polizeisprecher Yannik Hilger. Zahlen dazu oder andere Einzelheiten zu aktuellen Entwicklungen nennt er nicht. "Für weitere Details verweisen wir gnadenlos auf die Pressekonferenz am Nachmittag", sagt er. Dort wollten Polizei und Staatsanwaltschaft um 14 Uhr über die aktuelle Lage informieren. Erwartet wurden auch Polizeipräsident Reinhard Renter und der Bürgermeister der Schwarzwald-Gemeinde, Uwe Gaiser.
Fahndungsaufruf: Die Polizei sucht nach dem Yves Etienne R. Der 31-Jährige gilt als gewalttätig und ist mit mehreren Schusswaffen bewaffnet. Zuletzt wurde R. im Bereich Oppenau-Friedberg gesehen. Wer hat den Flüchtigen gesehen oder kann Angaben zu seinem Aufenthalt machen?
Beschreibung: Brillenträger, etwa 1,70 Meter groß, Glatze, Kinnbart, Oberbekleidung in Tarnfarben (Camouflage).
Hinweise oder verdächtige Beobachtungen nimmt die Polizei über die Notrufnummer 110 entgegen oder per E-Mail an: offenburg.pp@polizei.bwl.de

Dienstag, 10:37 Uhr: Am Montagabend gegen 23 Uhr wurde auch ein aus Berlin kommender ICE am Freiburger Hauptbahnhof im Rahmen der Fahndung nach Yves K. durch Kräfte der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein durchsucht. Am Bahnhof standen nach Angaben eines Augenzeugen mehrere Einheiten der Polizei, zum Teil auch schwer bewaffnet. Erst nachdem jeder Fahrgast angeschaut worden sei, hätten die Reisenden aussteigen können. "Das hat nur wenige Minute gedauert, da sich nur etwa 50 Personen im Zug befunden haben", so Katharina Keßler, Sprecherin der Bundespolizei. Der Einsatz sei nach einem Hinweis eines Bahnfahrers durchgeführt worden. R. wurde im Zug nicht angetroffen.

Video: Kiosk-Betreiber erzählt von seiner Begegnung mit Yves R.

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Dienstag, 8:11 Uhr:
Die Polizei hat in der Nacht zum Dienstag ein Objekt im Raum Offenburg überprüft. Um welche Art von Gebäude es sich handelte, teilten die Ermittler zunächst nicht mit. Es war einer von mehreren Hinweisen über einen möglichen Aufenthaltsort des Flüchtigen, dem die Polizei nachgegangen ist. Gefunden haben die Beamten den 31-Jährigen dort jedoch nicht.

Dienstag, 7:26 Uhr: Der bewaffnete Räuber von Oppenau ist am Dienstagmorgen weiter auf der Flucht. Die Polizei setze die Suche nach dem Mann am Dienstagmorgen mit einem Großaufgebot fort, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei durchkämmt die Gegend um Oppenau mit mehreren Hundert Einsatzkräften, Polizeihubschraubern und Hundeführern.

Schulen, Kindergarten und Freibad in der Stadt sind indes wieder geöffnet. "Wenn Eltern allerdings Bedenken haben, dann dürfen die Kinder und Jugendlichen morgen nochmals zu Hause bleiben," so Bürgermeister Uwe Gaiser. "Wir sollten und müssen in Oppenau wieder zu einer gewissen Normalität zurückfinden."

Montag, 19.41 Uhr: Die Staatsanwaltschaft und die Polizei wollen am Dienstag ab 14 Uhr in einer Pressekonferenz über die Lage informieren. Die BZ wird vor Ort sein.

Montag, 18.13 Uhr: Das Amtsgericht Offenburg hat einen Untersuchungshaftbefehl für den 31-jährigen Flüchtigen erlassen. Das hatte die Staatsanwaltschaft beantragt. Der Vorwurf lautet: Dringender Tatverdacht der besonders schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit vorsätzlichem unerlaubtem Besitz einer Schusswaffe. Die Großfahndung dauert nach Mitteilung der Polizei derweil weiter an.

Montag, 15.45 Uhr: Auch in Oppenau soll der Gesuchte schon vor einigen Jahren mit Waffen aufgefallen sein: Er habe im Gasthof Schlüssel in Oppenau gewohnt, erzählt Hermann Hofer, der dort zu dieser Zeit als Koch gearbeitet hat. Vor drei oder vier Jahren sei der 31-Jährige dort im Mietrückstand gewesen, sodass er zwangsgeräumt worden sei, sagt Hofer.

Bei dieser Räumung sei eine umfangreiche Waffensammlung gefunden worden. Neben Waffen habe man auch Benzinkanister, eine Armbrust und Pulver zum Anreichern von Sprengstoff entdeckt, sagt der Koch.

Video: Oppenaus Bürgermeister schildert den Ausnahmezustand in seiner Stadt


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Montag, 15.10 Uhr: Während die Polizei weiter nach dem Mann sucht, werden mehr Informationen über ihn bekannt. 2010 wurde er in Pforzheim wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, bestätigt Bernhard Ebinger, Pressesprecher der Pforzheimer Staatsanwaltschaft. Der junge Mann habe im Rahmen einer Auseinandersetzung mit einer Sportarmbrust auf eine junge Frau geschossen, die dadurch schwer verletzt wurde. Er habe dann selbst den Notruf gewählt, die Frau habe überlebt.

Im Verfahren habe der Mann die Tat gestanden und gesagt, er habe den Abschuss versehentlich getätigt. Laut dem Urteil von 2010 war die Frau nicht seine Freundin oder Ex-Freundin, sondern freundschaftlich mit ihm verbunden, so Ebinger. Der Mann wurde zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

In das Urteil sei eine weitere Strafe aufgegangen: 2008 habe der junge Mann bei einer Veranstaltung einen selbst gebauten Säbel mit sich geführt, sagt Ebinger. Er hätte den Säbel wohl besitzen, nicht aber zu der Veranstaltung mitbringen dürfen, weil er als Waffe hätte eingesetzt werden können. 2009 sei er wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Diese Geldstrafe sei dann aber 2010 in das Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung aufgegangen, weil der Mann zur Tatzeit noch Heranwachsender war, erklärt Ebinger.

Aktuell ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Offenburg gegen den 31-Jährigen: Wegen des Verdachts der besonders schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit dem unerlaubtem Führen einer Schusswaffe. Das bestätigt Pressesprecher Kai Stoffregen auf BZ-Anfrage.

Montag, 14.45 Uhr: Sich im Wald bei Oppenau zu verstecken, das sei nicht schwierig, sagt Hubert Treyer, Vorsteher des Ortsteils Ramsbach, von dem aus die Polizei nach dem Gesuchten fahndet. "Der Wald hier ist sehr dicht, 80 Prozent Bewaldungsgrad, und dann die volle Belaubung in dieser Jahreszeit", sagt der Landwirt und Jäger. Er glaube nicht, dass sich der Gesuchte noch im Wald nördlich von Oppenau aufhält: "Das hat die Polizei schon lang durchkämmt, so riesig ist das nicht."

Der 61-Jährige selbst fühlt sich nicht bedroht. Er lebe aber auch auf einem einzeln liegenden Hof etwa drei Kilometer weit weg. Andere, im Ortskern, seien schon verunsichert. "Nachvollziehbar, die sind ja auch näher dran." Natürlich wisse man nicht, wo sich der Gesuchte aufhält – "vielleicht ist er auch bei uns, aber ich mache mich nicht verrückt", sagt Teyer. Er komme aus einer Jägerfamilie, sei mit Waffen aufgewachsen und daher nicht ängstlich.

Den Gesuchten kennt Treyer nicht, aber Bekannte hätten ihm erzählt, der Mann sei eine Zeit lang durch seine Kleidung aufgefallen und habe sich im Ort oder auch im Wald "herumgetrieben". Ihm selbst und auch seinen Jägerkollegen sei der Mann aber nie begegnet.

"1990 war das so ähnlich, da war hier auch die Hölle los." Hubert Treyer, Ortsvorsteher von Ramsbach
Eigentlich sei Oppenau ein ruhiger Ort, mit wenig Kriminalität, sagt der Ramsbacher Ortsvorsteher. Bis auf 1990. In dem Jahr schoss ein psychisch kranker Mann auf den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der seitdem querschnittsgelähmt ist. "Das war so ähnlich, da war hier auch die Hölle los", erinnert sich Treyer. Damals habe sich die Bedrohungslage aber relativ schnell geklärt, weil der Angreifer gleich überwältigt wurde. Er hofft, dass sich auch die jetzige Situation bald beruhigt.

Montag, 13.25 Uhr: Die Polizei nutzt bei der Fahndung als Sammel- und Landeplatz den Oppenauer Sportplatz. Der TuS Oppenau habe daher alle Trainings für heute abgesagt, erklärt Toni Kimmig, der sportliche Leiter im Verein. "Die Polizeipräsenz ist enorm, gerade für einen kleinen Ort wie Oppenau", sagt der 48-Jährige, der Zeit seines Lebens dort wohnt.

Den Gesuchten kenne er vom Sehen, sagt Kimmig. Denn dieser falle durchaus auf: "Er sieht nicht aus wie ein typischer Oppenauer, mit seiner Glatze und so." Am Sportplatz habe man jedoch nicht weiter über den Mann gesprochen, es habe keine Gerüchte gegeben, etwa über Fehlverhalten.

Dass der 31-Jährige es geschafft hat, vier Polizisten zu entwaffnen, darüber schmunzelte manches Vereinsmitglied, sagt Kimmig. Es herrsche allgemein Verunsicherung und Anspannung – Angst hätten die meisten jedoch nicht. "Wobei ich nicht weiß, wie es älteren Bewohnern geht, ich habe ja mehr mit den Jüngeren zu tun."

"Das ist schon ein mulmiges Gefühl, man macht sich Gedanken." Toni Kimmig, Anwohner
Er selbst wohne in der Nähe am Waldrand. "Das ist schon ein mulmiges Gefühl, man macht sich Gedanken", sagt Kimmig. Am Sonntag sei in Chatgruppen die Warnung herumgegangen, lieber zuhause zu bleiben. Auch er habe das Haus daher nicht verlassen, am heutigen Montag jedoch sei er zur Arbeit gegangen. "Das ist ein weitläufiges Gelände – wenn man sich da gut auskennt, kann man sich schon gut verstecken", sagt der 48-Jährige.

Video: So fahndet die Polizei nach dem Bewaffneten in Oppenau


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Montag, 11.58 Uhr: Der 31-jährige Mann soll sich bereits in den Wochen zuvor im Wald um Oppenau aufgehalten haben. Das meldete die Polizei am Montagvormittag. Zeugen hätten den Mann bereits am Samstag beobachtet. Die Polizei geht deshalb davon aus, dass der Mann sich gut in dem Gelände auskennt und sich "sicher bewegt".

Die Fahndungsaktion ist immer noch ohne Erfolg. Mehrere Hundert Einsatzkräfte würden laut Polizei die Waldgebiete nördlich von Oppenau, ausgehend vom Burgerwald durchkämmen. Im Oppenauer Stadtgebiet sind neben der Polizei auch Helfer der Feuerwehr, des THW und der Rettungsdienste im Einsatz.



Die Staatsanwaltschaft Offenburg hat derweil ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet – wegen des Verdachts der besonders schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit dem unerlaubtem Führen einer Schusswaffe.

Von der Deutschen Flugsicherung wurde mit sofortiger Wirkung ein Durchflugverbot mit einem Radius von drei nautischen Meilen um Oppenau angeordnet. Auch Drohnen darf man in diesem Radius nicht aufsteigen lassen.

Montag, 8:50 Uhr: Die Suche nach Mann wird nach Angaben der Polizei Offenburg am Montagmorgen mit Hochdruck fortgeführt. Nach den Ermittlungen am Sonntag seien in der Nacht mehrere Polizeistreifen in Oppenau und den umliegenden Bereichen präsent gewesen.

Schulen und Kindergärten in Oppenau bleiben nach Angaben von Bürgermeister Uwe Gaiser am Montag geschlossen. Auch Kinder und Jugendliche, die in Oberkirch zur Schule gehen, können daheim bleiben.

Die Polizei bittet die Bevölkerung, verschiebbare Tätigkeiten im Freien wenn möglich zu unterlassen. Sie teilt folgende Warnung mit: "Meiden Sie Waldgebiete im Bereich Oppenau! Mit Beeinträchtigungen im Personen- und Fahrzeugverkehr muss weiterhin gerechnet werden. Weiterhin gilt: Nehmen Sie keine Anhalter im Bereich Oppenau mit und melden Sie verdächtige Wahrnehmungen dem Polizeinotruf 110!"
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Die Entwicklungen von Sonntag zum Nachlesen:

Der 31-Jährige Deutsche soll sich am Sonntagvormittag bei einer Hütte in der Nähe von Oppenau im Renchtal im Ortenaukreis aufgehalten haben. Weil er Pfeil und Bogen bei sich trug, in der Stadt als Waffennarr und "gefährlich" gilt, und weil er in der Vergangenheit bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten war, wurde die Polizei alarmiert.

Wie die Polizei berichtet, hätten daraufhin vier Beamte gegen 9.30 Uhr den Mann kontrolliert. Dabei habe sich herausgestellt, dass er neben Pfeil und Bogen auch mehrere Messer sowie eine Pistole und Munition in der Hütte hatte. Der 31-Jährige habe sich dort angeblich ohne Wissen des Besitzers eingerichtet.

Der Mann hat sich laut einem Polizeisprecher zunächst kooperativ verhalten. Dann habe er plötzlich und "für die Beamten völlig unvermittelt" eine Schusswaffe auf die vier Polizeibeamte gerichtet und sie aufgefordert, ihre Dienstwaffen abzulegen. Um Schlimmeres zu verhindern, hätten die Beamten der Drohung Folge geleistet, so der Sprecher. Anschließend sei der Mann in den Wald geflüchtet. Es sei nicht auszuschließen, dass der Mann nun weiter im Besitz der Dienstwaffen ist, so ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Polizeisprecher Wolfgang Kramer im Video:Weitere Videos aus der Region finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Badischen Zeitung

Am Sonntag fahndete ein Großaufgebot nach ihm. Ein BZ-Reporter schätzte die Zahl der eingesetzten Polizisten in und um Oppenau auf mehr als 200 – viele schwer bewaffnet und mit Schutzkleidung wie schusssicheren Westen und Helmen ausgerüstet. Es befanden sich demnach mindestens drei Polizeihubschrauber im Einsatz. Sie nutzten zusammen mit den Einsatzfahrzeugen der Polizei den Oppenauer Sportplatz als Sammel- und Landeplatz. Einsatzkräfte aus ganz Baden wurden zusammengezogen.

Auch eine Polizeihundestaffel war im Einsatz. Beamte des Sondereinsatzkommandos aus Göppingen, das gerufen wird, wenn es eine Bedrohungslage durch bewaffnete Täter gibt, durchsuchten ein Waldgebiet oberhalb der Stadt. Straßensperren wurden errichtet. Hubschrauber mit Wärmebildkameras überflogen das Waldstück.

Polizei hat keine Infos über Verbindung zu Reichsbürgern

Hubschrauber mit Wärmebildkameras haben dieses Waldstück abgeflogen. Wie unser Reporter berichtet, der selbst Jäger ist, gibt es in diesem Waldstück viele Versteckmöglichkeiten, wodurch die Suche sich als schwierig erwies.



Die Polizei warnte Personen rund um Oppenau vor dem Verdächtigen und forderte über die Medien auf, sich wenn möglich zu Hause aufzuhalten. Es sei möglich, dass sich der Bewaffnete in einer psychischen Ausnahmesituation befindet. Der deutsche Staatsangehörige ist nach ersten Erkenntnissen ohne festen Wohnsitz und in der Vergangenheit bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Nach Auskunft von Oppenauer Bürgern sei er ab und zu mit einer Ratte auf der Schulter durch die Stadt gegangen. Es wird dem Mann auch eine mögliche Verbindung zu den Reichsbürgern nachgesagt. Dem Polizeipräsidium liegen laut einem Sprecher darüber keine Erkenntnisse vor.



Polizei warnt Bewohner, Mann wohl in Tarnmuster unterwegs

Gegen 17 Uhr wurde unser Reporter vor Ort Augenzeuge einer Haus- oder Wohnungsdurchsuchung bei einem Anwesen nahe dem Oppenauer Tor. Das Polizeipräsidium wollte die Durchsuchung aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bestätigen. Grundsätzlich gehe man aktuell mehreren Hinweisen nach, so der Sprecher.

Die Polizei bittet um Hinweise zur verdächtigen Person. Yves R.dürfte in Tarnmustern bekleidet und mit hoher Wahrscheinlichkeit bewaffnet sein. Er ist etwa 170 Zentimeter groß, schlank und Brillenträger. Er soll zudem einen Kinnbart und eine Teilglatze tragen. Der Verdächtige ist ohne festen Wohnsitz und hält sich möglicherweise im Waldgebiet rund um Oppenau auf. Wer Hinweise über den derzeitigen Aufenthalt des 31-Jährigen geben kann, melde sich bitte unter der Notrufnummer 110 bei der Polizei.