fudder-Interview

Plus-Size-Model Jana Pfister wirbt für mehr Diversität im Modelbusiness

Celine Hog

In den Sozialen Medien gelten oft absurde Schönheitsideale und viel Selbstdarstellung: Plus-Size-Model Jana Pfister lässt sich davon nicht unterkriegen und arbeitet in Basel als erfolgreiches Model. Wir haben mit ihr gesprochen.

Schon von einem Thight Gap gehört? Die Oberschenkellücke ist essenziell für eine schöne Figur, ebenso wie ein flacher Bauch, der gleichzeitig mit einem großen Hintern und einer üppigen Oberweite kommt. Klingt unmöglich? Nicht in den sozialen Netzwerken, hier tummeln sich scheinbar perfekte Körper, die in perfekter Kulisse perfekt in Szene gesetzt wurden. Zwischen den ganzen Pamela Reifs und Bella Hadids fällt es immer schwerer, den eigenen Körper noch zu mögen. Und auch wenn Diversität immer größer geschrieben wird, fehlt die Repräsentation verschiedener Körperbilder nach wie vor, gerade für junge Menschen. Und das wird das provisorische Quoten "Curvy" Model von Germanys Next Topmodel auch nicht so schnell ändern.

Eine Frau, die für viele junge Mädchen in der Schweiz als Vorbild dient, ist Jana Pfister. Sie ist 28 Jahre alt und arbeitet als Plus Size Model in einer Modelagentur in Basel. 2016 wurde sie zur Vice Miss Plus Size Schweiz gekürt.

Wie kamen Sie zum Modeln?

Als ich 2015 eine Ausschreibung für die Wahl zur ersten Miss Plus Size Schweiz gefunden habe. Dort habe ich mich beworben und kam auch ins Casting, leider aber nicht ins Finale. Danach hat mich der Reiz gepackt und ich habe angefangen Sport zu machen und auf meine Figur zu achten, um mich schließlich 2016 noch einmal zu bewerben, dort wurde ich dann Vice Miss Plus Size Switzerland.

Was hat der Sieg mit Ihnen gemacht?

Er hat mir definitiv zu mehr Selbstbewusstsein verholfen. Davor war ich ein schüchternes Mäuschen, aber als ich da mitgemacht, an mir gearbeitet habe und dann auch noch Erfolg hatte, hat mir das viel Kraft und Selbstvertrauen gegeben. Ich habe gesehen, wie applaudiert wurde und ich sehe ja auch auf Instagram, wie die Leute mich unterstützen. Das alles zeigt mir, dass ich etwas Gutes mache.

Haben Sie irgendwelche Ratschläge für den Eintritt ins Modelbusiness?

Wer Lust und Laune hat, soll sich einfach mal bei einer Modelagentur bewerben. Die Agentur, bei der ich bin, Models-klick in Basel, hat zum Beispiel sehr verschiedene Models und ich denke, wenn man es will, soll man es einfach mal probieren. Man sollte um seine Träume und Wünsche kämpfen, egal was andere sagen.

Social Media wird immer wichtiger für Personen des öffentlichen Lebens, besonders für Models. Welche Plattformen nutzen Sie und wie präsentieren Sie sich online?

Ich habe Facebook und Instagram, mittlerweile poste ich allerdings hauptsächlich auf Instagram und zeige dort den Modelalltag und meine Aufträge. Momentan bin ich beispielsweise das neue Fiat- Gesicht.

Bekommen Sie dort bezüglich Ihres Erscheinungsbildes auch blöde Sprüche oder gar Hasskommentare?

Im Internet erstaunlicherweise gar nicht, auch im Kollegenkreis weiß ich von nichts. Aber auf der Straße merke ich, die Leute starren mich an oder drehen sich um und tuscheln. Ich denk mir dann: "Jana, lauf einfach weiter", denn du kannst es nicht ändern, aber manchmal verletzt es mich schon.

In den Sozialen Netzwerken wird hauptsächlich ein Bild von Frauen präsentiert, die dem Schönheitsideal nach perfekt sind und somit auch "perfekt" dünn. Beeinflusst Sie das oder schürt noch Zweifel?

Vor der Misswahl ja. Danach habe ich viel an Selbstbewusstsein gewonnen und jetzt stört mich das nicht mehr. Viele Leute posten Bilder mit perfekten Körpern, perfekt in Szene gesetzt. Was ich cool finde, ist der Trend, dass ein gepostetes Bild für Instagram perfekt aussieht und das andere die Realität darstellt, gerade für junge Mädchen. Ich bekommen, seit ich Vize geworden bin, aber auch jetzt noch, Nachrichten von 13- oder 14-jährigen Mädchen, die mich als Vorbild sehen und sich selbst nicht trauen, draußen Sport zu machen oder im Sommer an den See zu gehen, weil sie sich für ihren Körper schämen.

Denken Sie denn, dass gerade für Jüngere, die die Inszenierung noch nicht durchschauen, das sehr schwer ist? Haben Sie da Bedenken?

Ja, das ist ganz schlimm für viele. Sie denken: "Wow, die sieht superschön aus, so muss ich auch aussehen!" und sind zu jung, um zu begreifen, dass Sie so nicht sein müssen. Ich höre solche Sätze viel und versuche dann auch zu erklären, dass sie gut sind, wie sie sind und dass viel gestellt ist. Allerdings ist es schwer, jungen Mädchen das klar zu machen.

In den letzten Jahren scheinen sich die Schönheitsideale auf Social Media von Victoria Secret Models zu Kim Kardashian und Kylie Jenner zu ändern, aber es wird auch generell mehr Diversität dargestellt. Ist das eine positive Entwicklung oder nur ein weiterer Körpertrend?

Ich finde das gut. Hier in der Schweiz sind über 50 Prozent der Menschen übergewichtig und ich kämpfe schon lange für ein besseres Bild der Übergewichtigen hier. Mir ist es wichtig, dass jeder Mensch so akzeptiert wird, wie er ist. Und wenn Dickere oder Leute, die von der Norm abweichen, nun auch im öffentlichen Raum stattfinden, finde ich das super.

Ab wann gilt man überhaupt als Curvy oder Plus Size Model?

Ab Kleidergröße 40 wird man als Curvy Model bezeichnet, meiner Meinung nach sind die Unterteilungen aber viel zu krass. Und Plus Size ist man ab Größe 46/48.

Fühlen Sie sich denn manchmal auf den Begriff "Plus Size" reduziert und würden lieber einfach nur als Model gelten?

Ich sehe das absolut als Hervorhebung. Mich stört das gar nicht und ich bezeichne mich ja auch gerne als Plus Size Model. Ich denke es ist wichtig, um zu zeigen, dass es noch andere Körper gibt.

Kommen wir mal zu den Klischees und Vorurteilen. Was sagen Sie dazu, wenn Leute behaupten, Curvy oder Plus Size Models würden nie Sport machen?

Nur weil man Curvy oder Plus Size ist, heißt das nicht, dass man nur Süßigkeiten und Fast Food isst und sich nicht bewegt. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen und man weiß nie, was ein Mensch erlebt hat oder ob er/sie vielleicht krank ist. Man sagt schnell: "Boah, bist du dick", aber weiß nicht, was dahintersteckt. Plus Size heißt nicht gleich, wir machen keinen Sport. Auch wir müssen auf unsere Figur und Haut achten, darauf dass sie schön und straff ist.

Erleben Sie denn, dass Curvy und Plus Size Models stärker sexualisiert werden und zum Beispiel viel als Unterwäsche-Models auftreten?

Das erlebe ich nicht so, aber wenn ich Plus Size Models in Unterwäsche-Werbungen sehe, denke ich mir, dass es schön ist, zu wissen, dass es das auch in unserer Größe gibt. Immer mehr Kleidungsläden haben nun ein Plus-Size-Sortiment und das sehe ich als sehr positiv.

In welchem Kleidungsstück fühlen Sie sich sehr wohl?

Ich denke, jeder sollte das tragen, was er/sie für richtig hält und was er/sie schön findet. Ich trage sehr gerne enge Leggings und dazu ein lockeres Oberteil, ein Casual-Look.

Was raten Sie jungen Menschen um, trotz Social Media, mit sich und ihrem Körper zufrieden zu sein?

Nicht auf andere zu schauen, sondern sich auf sich selbst fokussieren und lernen sich zu akzeptieren und zu lieben, um sich im eigenen Körper wohlzufühlen.